Stammheim - Eine Linde. Eigentlich hätte es eine Linde werden sollen. Zumindest dann, wenn es nach dem Wunsch von Verena Masri gegangen wäre. Die Stammheimerin hatte vor einiger Zeit die Gelegenheit beim Schopf ergriffen und sich in der Bezirksbeiratssitzung unter dem neu geschaffenen Tagesordnungspunkt „5 Minuten für Bürgerinnen und Bürger“ zu Wort gemeldet. Dort brachte sie zum einen ihre Sorge wegen zweier verkümmernder Linden an der Häuslebrücke zum Ausdruck (wohl zu Recht, denn eine davon ist mittlerweile gefällt). Zum anderen sagte Masri, sie könne sich gut vorstellen, dass am Hochbeet an der Kreuzung Segelfalterstraße/Sonatenweg eine Linde gedeihen könne.
Eine Vorstellung, der auch die Bezirksbeiräte folgen wollten. Allerdings nur eingeschränkt. Denn die Fachleute aus dem Stuttgarter Garten-, Friedhofs- und Forstamt hatten den Standort im Hochbeet als problembehaftet angesehen. „Wenn wir dort eine Linde gepflanzt hätten, hätte deren Wurzelwerk früher oder später die Einfassung des Beetes gesprengt“, erklärt der zuständige Mitarbeiter des Amtes, Bernhard Kirchmaier. Also hätte man der Linde zuliebe auf das Hochbeet und damit auf die Blumen verzichten müssen. Und das wiederum wollten die Stammheimer Kommunalpolitiker nicht. Vom Laub ganz zu schweigen. Denn kaum war der Lindenwunsch in der Öffentlichkeit, meldeten sich Anwohner im Bezirksrathaus. „Es gab eine Initiative aus der Bürgerschaft gegen die Pflanzung des Lindenbaumes“, sagte die Bezirksvorsteherin Susanne Korge. Was tun?
Die Lösung findet sich in einem Kompromiss
Nun, die Lösung fand sich, wie ab und zu in der Politik – in einem Kompromiss, nämlich, genauer gesagt: in Form der Felsenbirne. Diese zarte Pflanze ist im eigentlichen Sinne kein Baum, sondern ein Strauch. Der jedoch als Hochstamm gezogen bis zu fünf Meter hoch werden kann, sommers wie winters hübsch anzuschauen und dazu noch billig in der Anschaffung ist. Und der – auch da ist die Felsenbirne einer Linde überlegen – in einem Hochbeet gepflanzt werden kann, ohne selbiges aus dem Rahmen zu sprengen. Es soll an dieser Stelle nicht verschwiegen werden, dass auch die Felsenbirne Laub trägt, allerdings sind die Blätter viel kleiner.
So klein, dass die Wortführerin der Anti-Linden-Initiative zustimmend nickte und dem Bezirksbeirat beipflichtete, als der sich einstimmig für die Pflanzung der Felsenbirne entschied. Und das allerbeste ganz am Schluss: die Früchte der Felsenbirne sind essbar.