Der Trend geht hin zur Übernahme der Stromnetze in kommunale Regie. Weil 2012 die Konzessionsverträge ablaufen, haben sich im Remstal sieben Kommunen zusammengetan, um zu prüfen, ob sie ihre Netze zurückkaufen oder ob sie die Konzessionsverträge verlängern. Die im Winterbacher Rathaus angesiedelte Geschäftsstelle der von Kernen, Korb, Plüderhausen, Remshalden, Rudersberg, Winterbach und Weinstadt gebildeten Arbeitsgemeinschaft Strom hat sich auf die Suche nach möglichen Partnern für den Einstieg ins Stromgeschäft gemacht. Elf Bewerber gibt es, die ihre Konzepte für eine entsprechende Kooperation mit den Kommunen vorgestellt haben. Unter anderem ist auch die EnBW Regional AG im Spiel, mit der die Kommunen in den vergangenen 20 Jahren den Großteil der Konzessionsverträge abgeschlossen hatten. Deren Angebot für eine künftige Kooperation ist dieser Tage in einem Gespräch mit den Bürgermeistern in der Urbacher EnBW-Bezirksstelle diskutiert worden. Gesprächsbedarf besteht nach diesem Sondertreffen offenbar mehr als zuvor.
In der Geschäftsstelle in Winterbach ist man nämlich ziemlich irritiert darüber, dass im Nachgang zum Sonderpräsentationstermin des energieversorgerischen Platzhirsches der Leiter des EnBW-Regionalzentrums Alb-Neckar, Thomas Miksa, plötzlich gegenüber einer Lokalzeitung von drei Millionen Euro geredet haben soll, die den Kommunen angeblich jährlich entgingen, wenn sie die Stromnetze selbst übernähmen. Ein solcher Verlust ist "nach unserer Kenntnis des Energiewirtschaftsrechts nicht herleitbar", heißt es nun in einer Pressemitteilung der Arbeitsgemeinschaft Strom. Die Konzessionsabgabe stehe den Kommunen in jedem Fall zu, "egal welches Geschäftsmodell bei der künftigen Energieversorgung gewählt wird", heißt es weiter. "Deshalb überrascht und erstaunt die Aussage der EnBW, dass die Kommunen bei einer anderen Partnerwahl auf viel Geld verzichten würden."
In der Geschäftsstelle herrscht offenkundig Unmut über den Versuch des Energieanbieters, das Auswahlverfahren zu beeinflussen und möglicherweise den Kommunenverbund auseinander zu dividieren. Die Kritik der Arbeitsgemeinschaft Strom am Nachgaigeln der EnBW zu dem am 10. Mai zusammen mit den zehn anderen Interessenten vorgestellten eigenen Angebot und zur Drei-Millionen-Drohung des Stromkonzerns: "Wir halten diese Art der Kommunikation für den weiteren Meinungsbildungsprozess für nicht hilfreich, zumal gegenüber uns am Montag hierüber nichts erwähnt wurde." Im Herbst solle über das Energieversorgungsgeschäftsmodell der Kommunen entschieden werden. Deshalb möge, so die Mitteilung der AG Strom, die EnBW etwaige Änderungen an ihrem Angebot für eine künftige Kooperation "schriftlich und verbindlich darlegen".