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Feierstunde im Neuen Schloss Der Handkuss von Graf Stauffenberg

Von Jan Sellner 

Claus Schenk Graf von Stauffenberg – Namensgeber der Stauffenberg-Gesellschaft, die mit jährlichen Gedächtnisvorlesungen an Frauen und Männer des Widerstands erinnert. Foto: Gedenkstätte Deutscher Widerstand
Claus Schenk Graf von Stauffenberg – Namensgeber der Stauffenberg-Gesellschaft, die mit jährlichen Gedächtnisvorlesungen an Frauen und Männer des Widerstands erinnert.Foto: Gedenkstätte Deutscher Widerstand

Die Stauffenberg-Gesellschaft hat den sozialdemokratischen Widerstandskämpfer Hermann Maaß gewürdigt: eine Sternstunde der Erinnerungskultur.

Stuttgart - „Es war im Dezember 1943. Wir Kinder wussten, es kommt jemand Besonderes zu Besuch. Vor der Tür stand ein Offizier des Generalstabs. Er trug eine schwarze Augenbinde und gab unserer Mutter – was wir zuvor noch nirgendwo gesehen hatten – einen Handkuss . . .“

Das sind die Worte von Uta Maaß, Tochter des Sozialdemokraten und Widerstandskämpfers Hermann Maaß (1897-1944). Leise, jedoch klar und eindringlich, schildert sie am Samstag ihre persönlichen Erinnerungen an die Zeit vor und nach dem Attentat auf Adolf Hitler vom 20. Juli 1944. Mehrere hundert Zuhörer im Weißen Saal des Neuen Schlosses, darunter der Kammerchor des Eberhard-Ludwigs-Gymnasiums, hängen an ihren Lippen. Schnell wird deutlich: Die diesjährige, zehnte Stauffenberg-Gedächtnisvorlesung, ist eine Sternstunde der Erinnerungskultur.

Mit den jährlichen Gedächtnisvorlesungen erinnert die Stauffenberg-Gesellschaft an die Frauen und Männer des Widerstands gegen die Nazi-Diktatur. Die Würdigung von Hermann Maaß lenkt den Blick auf eine lange vernachlässigte Seite dieses Widerstandes – den von Gewerkschaften und Sozialdemokraten. Hier war Maaß eine der zentralen Figuren.

Der Sozialdemokrat und überzeugte Christ stammte aus einer pommerschen Beamtenfamilie. Nach dem Studium der Psychologie, Philosophie und Soziologie engagierte er sich in der Jugendwohlfahrt und in der SPD. Obwohl er das NS-Unrecht und -Unheil kommen sah, ließ er Möglichkeiten zu emigrieren ungenutzt. Maaß sah seinen Platz in Deutschland. Als enger Mitstreiter des Sozialdemokraten und Nazi-Gegners Wilhelm Leuschner (1890-1944) arbeitete er an Plänen für eine Einheitsgewerkschaft, knüpfte Kontakte zur Widerstandsgruppe Kreisauer Kreis – und traf den Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Den Mann mit der Augenklappe . . .

Auch an die Stunden nach Bekanntwerden des gescheiterten Attentats vom 20. Juli hat Uta Maaß, damals 16 Jahre alt, eine präzise Erinnerung. „Ihr wisst, wer der Attentäter ist“, sagt Hermann Maaß an jenem Abend. „Es war der beeindruckende Offizier!“ Sie fragte: „Dann bist Du ja in tödlicher Gefahr?“ Die Antwort des Vaters: „Ja!“

Am 8. August wird Maaß verhaftet. Trotz Folter bewahrt er eine „unfassbare Haltung“, wie der Vorsitzende der Stauffenberg-Gesellschaft, Wolfgang Schneiderhan sagt. Am 20. Oktober wird Maaß vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und noch am selben Tag hingerichtet. Seine Frau erfährt drei Tage später davon – am Tag seines Geburtstages: „Es war, als habe ein Meteorit in unserem Haus eingeschlagen“, erzählt Uta Maaß. Ihre Mutter, „die in symbiotischer Einheit mit ihrem Mann lebte“, stirbt kurz darauf. „Sie verlöschte einfach.“ Zurück blieben sechs Kinder, die bei vier verschiedenen Vormündern in drei verschiedenen Besatzungszonen aufwachsen. „Wir sind nie wieder eine wirkliche Familie geworden“, sagt Uta Maaß, die heute „glückliche Großmutter“ ist. Nicht alle Geschwister entwickelten die Stärke, die sie besitzt.

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