Fechten Groß, schnell und elegant

Von Jürgen Roos 

Großes Talent: Fechter Phillip Hodak. Foto: Pressefoto Baumann
Großes Talent: Fechter Phillip Hodak.Foto: Pressefoto Baumann

Florettfechter Phillip Hodak vom PSV Stuttgart ist eines der größten württembergischen Talente in seiner Sportart.

Stuttgart - Größe gleich Eleganz. Diese Rechnung geht in vielen Sportarten auf. Für Phillip Hodak (15) gilt sie uneingeschränkt. Er misst 1,90 Meter – Tendenz steigend. Der Florettfechter vom PSV Stuttgart ist eines der größten württembergischen Talente in einer besonders eleganten Sportart.

Wenn Phillip Hodak seine Gegner durch die Schutzmaske ins Visier nimmt, dann muss er den Blick meistens leicht nach unten richten. Manchmal hat das damit zu tun, dass der Stuttgarter auf einem höheren Niveau ficht als seine Kontrahenten. Aber meistens ist es ganz einfach so, dass Hodak mindestens einen Kopf größer ist. Größe kann im Florettfechten ein Vorteil sein. Muss aber nicht. „Wegen seiner Größe hat Philipp natürlich auch eine höhere Reichweite“, sagt Trainer Michael Kühner, „aber trotz seiner Größe ist er auch enorm schnell.“

Und geschickt ist er auch. Denn geht es beim Fechten in die Nahdistanz, so kann die Länge der Gliedmaßen auch mal hinderlich sein. Nicht bei Hodak. „Selbst im Nahkampf bleibt er trotz seiner Länge beweglich und agiert sehr clever“, sagt der Trainer. Zu ­sehen war das kürzlich beim Ermer-Turnier des TV Cannstatt in der Scharrena: War Tuchfühlung angesagt, dann führte Phillip Hodak das Florett ein ums andere Mal um den eigenen Kopf herum und setzte damit entscheidende Treffer von oben. Und das sah dann wiederum verdammt elegant aus.

Auf der Planche muss der Stuttgarter die Gegner gezwungenermaßen von oben herab behandeln. Legt er seine Maske ab, kommt ein fast schüchterner Jugendlicher zum ­Vorschein. Der sich gleich die Frage gefallen lassen muss, warum es ihn trotz kroatischer Wurzeln nicht zum (Fuß-)Ballsport gezogen hat. Die Antwort ist einfach: Im Stuttgarter Stadtteil Heslach aufgewachsen, hat Hodak schon als Dreijähriger die Fechter in der Turnhalle des Mörike-Gymnasiums beobachtet und war so begeistert, dass ihm die ­Eltern mit sieben erlaubten, sich einen Traum zu erfüllen. „Man ist nur für sich ­allein verantwortlich“, sagt Hodak, „das ist das Faszinierende an diesem Einzelsport.“

Mitglied im Perspektivkader

Inzwischen ist er die Nummer eins in der württembergischen Rangliste, er ist ­Mitglied im Perspektivkader des Deutschen Fechter-Bundes (DFeB) und trainiert mindestens dreimal die Woche in der Fechthalle unter der Untertürkheimer Kurve der ­Mercedes-Benz-Arena. Dort hat der DFeB ein Zentrum für Nachwuchsleistungssport eingerichtet, in dem Michael Kühner auf sechs festen Bahnen jungen Fechterinnen und Fechtern Lektionen erteilt.

Zurzeit muss Phillip Hodak manchmal auf eine Trainingseinheit verzichten, weil er sich auf den Abschluss an der Schickhardt-Realschule vorbereitet. Fechten ist reinster Amateursport, Schule und Ausbildung gehen vor. Hodak will Physiotherapeut werden und hat sich an der Sportschule Kiedaisch beworben. Ein Wechsel in eines der großen Fechtzentren in Tauberbischofsheim oder Bonn kommt für ihn nicht infrage. „Ich will hier nicht weg“, sagt er. Schon jetzt ist die Doppelbelastung aus Schule und Leistungssport nicht immer leicht zu schaffen. Zum Training kommen ein-, zweimal pro Monat Turniere – inzwischen in ganz Europa. Der PSV Stuttgart übernimmt die Fahrtkosten zu den Wettbewerben, die in Mödling (Österreich), Aix-en-Provence (Frankreich) oder Krakau (Polen) stattfinden. Die übrigen Ausgaben für Ausrüstung, Verpflegung und Übernachtungen muss die Familie selbst ­bezahlen. „Meine Eltern stehen voll hinter mir“, sagt Phillip Hodak.

Beim international topbesetzten Ermer-Turnier in der Scharrena lief’s nicht so besonders für den Stuttgarter. Der landete auf dem 28. Rang. 21 deutsche Konkurrenten vor ihm, das linke Knie ein wenig verdreht. ­Womöglich hatte er schon die Abschlussprüfung im Hinterkopf. Oder war er vor heimischem Publikum besonders nervös. Oder beides. Auch beim Fechten spielt sich vieles im Kopf ab. Und im laufenden Gefecht muss der Athlet das ganz allein mit sich ausmachen. Ob der 1,90-Meter-Mann von Größerem träumt? „Mein Ziel ist es, immer unter den besten acht in Deutschland zu bleiben“, sagt Hodak. Trainer Michael Kühner formuliert die nahen Ziele: „Der Junge hat das Potenzial, nächstes Jahr um die Fahrkarten zur U-17-EM mitzufechten.“

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