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FDP-Parteitag Südwest-FDP macht sich für Mindestlohn stark

Hilmar Pfister, vom 29.12.2011 07:00 Uhr
Die FDP will bürgernaher werden Foto: dpa
Die FDP will bürgernaher werden Foto: dpa

Stuttgart - Sie wollen die Avantgarde im Bundesverband sein. Dafür versprechen die Südwest-Liberalen, offener, transparenter und bürgernaher zu werden.

Vor ihrem Landesparteitag am 5. Januar in Stuttgart bringt sich der Landesverband in Position. Sein Vizevorsitzender Hartfrid Wolff kündigte am Mittwoch mehrere Anträge an. Einer soll der Anstoß für mehr Mitgliederbeteiligung geben. Vor der Wahl eines Landesvorsitzenden – so der Plan – werden die Mitglieder künftig befragt. Das Votum dieser Mitgliederbefragung dürfe aber nicht bindend sein. Außerdem will man bei der Südwest-FDP künftig auf Volkes Stimme hören. Das soll so gehen: Mit 1000 Unterschriften können auch Nicht-Parteimitglieder ein Thema auf einem FDP-Landesparteitag zur Diskussion stellen. Diese Art der Bürgerbeteiligung steht jedem offen, „von Verdi bis zum Bund für Umwelt- und Naturschutz“, sagte Wolff. Für seinen Parteifreund, den Reutlinger Bundestagsabgeordneten Pascal Kober, stellt das keine Gefahr dar. Im Gegenteil. „Das ist eher eine Chance für uns als ein Risiko“, sagte er, „ich glaube, das wird spannend.“

Das Ziel heißt „frischen Wind in die Partei zu bringen“, wie sich Wolff ausdrückt. Dem dürfte auch ein anderer Antrag des Landesverbands dienen: der auf Einrichtung einer Kommission aus Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern sowie Wissenschaftlern. Dieses Gremium soll eine Lohnuntergrenze festlegen, sprich einen Mindestlohn benennen. „Wir müssen Politik stärker von den Menschen her erklären, nicht von einer Wirtschaftstheorie her“, sagte Kober. Mit dem Thema Mindestlohn, davon ist er überzeugt, werde man als Partei wieder ganz nahe ans Wahlvolk rücken. „Die Menschen haben ein sensibles Gespür dafür, dass es nicht sein kann, dass 1,5 Millionen Menschen unter fünf Euro in der Stunde verdienen.“ Gesetzlich festgeschrieben werden soll diese Lohnuntergrenze nicht. Stattdessen soll sie „für die Politik bindend sein“.

Niebel und Mehrländer unterstützen den Südwesten

Die Südwest-Liberalen seien nicht die Einzigen in der Partei , die den Mindestlohn fordern, betonte Wolff. Den Antrag unterschrieben hätten auch Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel und Horst Mehrländer, ehemaliger Staatssekretär im baden-württembergischen Wirtschaftsministerium. „Damit beteiligen wir uns an der gesellschaftlichen Diskussion um den Wert der Arbeit“, sagte Wolff.

Beim Landesparteitag am 5. Januar wolle auch FDP-Bundestagsfraktionschef Rainer Brüderle zu den Delegierten sprechen.

Kommentare (14)
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DEZ
30
17:57 Uhr, geschrieben von Stephan
Linksgrüne Neidhammel, Täuschungen und Klassenkampf-Parolen
Es ist immer wieder interessant, wie uninformiert einige Foristen sind und offensichtlich jeder Propaganda auf den Leim gehen bzw. gegangen sind. Der Spitzensteuersatz wurde zuletzt von Rot-Grün unter Kanzler Schröder GESENKT. Sind nun SPD und GRÜNE Klientelparteien der "Reichen und Bonzen"? Das Geschrei hätte ich hören möchten, wenn Die FDP hieran beteiligt gewesen wäre. Apropos "Hotelsteuer": Diese Steuer gibt es "so" nicht, sie steht mit dieser Bezeichnung umgangssprachlich für die Senkung des Mehrwertsteuersatzes von 19 auf 7 %, wie sie CDU und FDP - gemäß ihren langjährigen Aussagen vor der Bundestagswahl - im Koalitionsvertrag vereinbart und dann auch entsprechend umgesetzt haben. Diese Steuer zahlt der Hotelgast im Rahmen seines Zimmerpreises und der Kanzelwand-Besucher mit seinem Ticket für die Bergbahn. Dieser Reduzierung vorausgegangen waren jahrzehntelange Bemühungen des Fremdenverkehrs-, Hotel- und Gaststättengewerbes, das speziell in Bayern und Baden-Württemberg mit den Konkurrenten im benachbarten Ausland im harten Wettbewerb steht. Vor der Bundestagswahl haben auch andere Parteien den reduzierten Steuersatz gefordert, wie etwa die SPD in Bayern und sogar die LINKE in Mecklenburg-Vorpommern. Wenn sich die FDP weiterhin klar zur sozialen Marktwirtschaft bekennt und zumindest verhindert, dass fleißige Arbeitnehmer und Mittelständler von 100 Euro Lohnerhöhung statt 65 Euro an Steuern und Abgaben immer noch mehr zahlen sollen, dann hat die liberale Partei eine gute Zukunft. Dies muss dann entsprechend offensiv kommuniziert werden, so dass der Bürger nicht das Wort STEUERSENKUNG hört, sondern WENIGER ABGABENABZOCKE. Falls die FDP nur noch grüne und entschieden linke Positionen nachäffen würde, macht sie sich obsolet.
DEZ
29
22:51 Uhr, geschrieben von RPR
Politik nach Meinungsumfragen statt nach wirtschaftlicher Vernunft
Sollte die FDP nun nach vermeintlich in der Bevölkerung beliebten Themen suchen und ihr Programm nach Meinungsumfragen richten statt nach Vernunft zu handeln, sehe ich schwarz für die Liberalen. Die Idee des Mindestlohns ist und bleibt falsch. Der Mindestlohn bleibt, wenn niedrig angesetzt, wirkungslos, oder führt, wenn hoch angesetzt, zur Verschlechterung der Chancen von Arbeitnehmern gerade mit geringer Qualifikation, also zu höherer Arbeitslosigkeit. Dies zu leugnen ist unredlich und verstößt gegen die Verpflichtung von Politikern, zum Wohle des Volkes zu handeln. Deutschland braucht nicht noch eine Partei, die den Menschen das Blaue vom Himmel herunter verspricht zu Lasten zukünftiger Generationen. Die FDP muss sich auf ihre liberalen, marktwirtschaftlichen Wurzeln besinnen um wieder den Weg des "Wohlstands für alle"zu beschreiten.
DEZ
29
15:34 Uhr, geschrieben von Heckengäuhannes
Erfolgspolitik ? von der Flick-Affäre angefangen und mit dem Rösler-Debakel noch nicht zu Ende. Barfuß durch Scherben soll sehr ungesund sein.
Auch für die gewindbeutelte FDP. Sie hat die Zahnärte und das Beherbergungsgewerbe belohnt und den anderen mehr netto vom brutto vorgelogen. Doch jetzt müssen die Niedrigverdiener den Vermögenszuwachs der Reichen teuer bezahlen. Weiter mit Vollgas und marktradikalen, von jeder Verantwortung befreiten Demokraten in den Abgrund - ohne Geschwindigkeitsbegrenzung.
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