Fazil Say in Stuttgart Es ist immer mehr Ausdruck möglich

Von Armin Friedl 

Der Pianist und Komponist Fazil Say Foto: dpa
Der Pianist und Komponist Fazil SayFoto: dpa

Der türkische Komponist Fazil Say präsentiert in seinem Stuttgart-Konzert im Beethovensaal der Liederhalle zwei eigene Stücke, spielt mit der Camerata Salzburg auch ein Klavierkonzert von Wolfgang Amadeus Mozart.

Stuttgart - Die Seidenstraße ist für den türkischen Pianisten und Komponisten Fazil Say die „Hauptschlagader des Lebens zwischen der westlichen und östlichen Welt“, entsprechend ist sein Instrumentalstück „Silk Road“ ein Füllhorn an fernöstlichen Klangfarben und Melodiestücken, die vielversprechend mitteleuropäische Ohren betören. Die Musiker der Camerata Salzburg haben viel zu tun im sechsten Konzert der SKS-Russ-Reihe „Faszination Klassik“ im Beethovensaal der Liederhalle: Höchste Präzision in ungewöhnlichen Rhythmen für Klassiker, Spiele auf dem Saitensteg oder Geräuschhaftes wie das Beklopfen der Streichinstrumente.

Say fügt noch etliches hinzu, hat einige Saiten des Flügels präpariert für weitere Effekte, agiert trotz aller Turbulenzen souverän wie ein Zeremonienmeister über dem Ganzen. Dieses 1994 uraufgeführte Stück ist eine sehr gut gelungene Verschmelzung von fernöstlichen Musiktraditionen, hiesiger Musik und der Erkenntnis, dass rein folkloristische Reproduktionen nicht genügen. Ähnliches bewegt Say in der einleitend gespielten Chamber Symphony op. 62 von 2015, doch da geht die Rechnung nicht auf. Die Salzburger arbeiten sich aufopfernd an der Partitur ab, produzieren aber doch nur lauwarme Luft, abgesehen von einer kleinen Passagen im dritten Satz, einer kurzen Korrespondenz der Musiker mit ihrem ersten Cellisten.

Dann doch lieber Say und Mozart: Die Camerata unter der Leitung ihres Konzertmeisters Gregory Ahss feilt noch am ersten Thema des ersten Satzes des A-Dur-Konzerts Nr. 12, da bereitet Say auch schon mit seiner linken Hand gestisch seinen Einsatz vor, der prompt folgt mit viel gestalterischem Willen. Es ist seine Spezialität, zu zeigen, dass immer noch ein Quäntchen mehr Ausdruckskraft möglich ist, auch in den Sehnsuchtstönen des zweiten Satzes. Eine Zugabe ist das Mindeste.

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