Stuttgart - Zwar tummeln sich von heute an beim Fantasy-Filmfest auf den Leinwänden des Stuttgarter Kinos Metropol wieder jede Menge Vampire, Zombies und Monster. Doch immer öfter verirren sich auch Autorenfilme ins Festivalprogramm.
Männer, die immer kleiner, Spinnen, die immer größer werden, Monster aus dem Sumpf, dem All oder aus Frankensteins Labor: Traditionell taugen Horror- und Fantasystoffe bloß für die sogenannten B-Movies Hollywoods, für billige, zweitrangige Kinoware, die sich bestenfalls als Beiprogramm eines aufwendig produzierten Hauptfilms eignet.
Seit Filmemacher wie Peter Jackson ("Herr der Ringe") oder Sam Raimi ("Spider-Man"), die sich zunächst im Horrorgenre verdient machten, das Mainstreamkino bestimmen, ist das Fantastische kein Nischenprogramm mehr. Und dass heute die Genres Horror, Fantasy, Science-Fiction und Mystery bis ins Autorenkino reichen, zeigt die aktuelle Ausgabe des Fantasy-Filmfests, das an diesem Mittwoch um 20 Uhr vom französischen Film "Die Meute" eröffnet wird. In Franck Richards Debüt bekommt es Emilie Dequenne zwar mit blutrünstigen Untoten zu tun. Das hielt die Filmfestspiele in Cannes aber nichts davon ab, den Streifen in einem Special Screening zu zeigen.
Auch Daniel Stamm, der an der Filmakademie Ludwigsburg studiert hat, arbeitet sich mit "Der letzte Exorzismus" an einem klassischen Horrorstoff ab. Und die jungen Wilden des Genrekinos toben sich immer noch am liebsten in Vampir- und Zombiefilmen aus, machen Filme, die schlicht "Vampires" oder "Suck" heißen. Das Festivalprogramm lässt aber keinen Zweifel daran, dass das Böse, Unheimliche und Monströse eigentlich im Menschlichen selbst lauert.
Als programmatisch darf da Michael Winterbottoms "The Killer Inside Me" gelten, der in diesem Jahr bereits im Berlinale-Wettbewerb gezeigt wurde. Während sich der Countrypolka-Gassenhauer "Shame On You" auf den alten Plattenspielern dreht, verwandelt sich der unscheinbare Polizist Lou Ford (Casey Affleck) in einen Psychopathen. Diese Südstaaten-Version von "American Psycho" hätte man von einem Autorenfilmer wie Winterbottom, der Dauergast auf der Berlinale ist und 2003 mit dem Flüchtlingsdrama "In This World" den Goldenen Bären gewann, nicht unbedingt gerechnet.
Und dann ist da noch "Das Experiment" von Paul Scheuring mit Adrien Brody und Forest Whitaker - das US-amerikanische Remake des gleichnamigen Films von Oliver Hirschbiegel: ein Film, der das fatale Eskalieren einer perfiden psychologischen Versuchsanordnung protokolliert und Unterdrückungsmechanismen offenlegt.
Auch Alain Corneau war immer am Psychologischen interessiert. Der französische Regisseur, der in Nacht zu Montag im Alter von 67 Jahren gestorben ist, war noch nie verdächtig, ein Faible für Trash zu haben. 1992 hatte sein Historiendrama "Die siebente Saite" bei der César-Verleihung unter anderem die Preise in den Kategorien Film und Regie gewonnen. Beim Fantasy-Filmfest wird sein letzter Film namens "Crime d'amour" zu sehen sein, in dem er Kristin Scott Thomas und Ludivine Sagnier als konkurrierende Karrierefrauen in ein Spiel aus Erniedrigungen und Manipulationen verstrickt.
Da es auch der japanische Filmpoet Takeshi Kitano mit dem Yakuza-Drama "Outrage" ins Festivalprogramm geschafft hat, muss man sich um die Zukunft des Fantastischen keine Sorgen machen.
Fantasy-Filmfest: 1. bis 8. September in Stuttgart im Kino Metropol