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Falschberatung Die Banken schalten auf stur

Sabine Marquard , vom 19.10.2010 10:48 Uhr
Die Zentrale der Investmentbank Lehman Brothers in New York, aufgenommen am 15. Sept. 2008. Zehn Tage zuvor meldete die Bank Insolvenz an, der Beginn der Finanzkrise. Foto: AP
Die Zentrale der Investmentbank Lehman Brothers in New York, aufgenommen am 15. Sept. 2008. Zehn Tage zuvor meldete die Bank Insolvenz an, der Beginn der Finanzkrise. Foto: AP

Stuttgart - Bankberater verfolgen oft ihr eigenes Interesse und nicht das ihrer Kunden. Besonders kritisch ist, wenn der Anleger dadurch große Verluste erleidet. Wer sich geschädigt fühlt, kann gegen seine Bank vor Gericht ziehen. Er tut sich jedoch schwer, recht zu bekommen.

Spätestens seit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers ist das Vertrauen zwischen Kunden und Banken auf dem Tiefpunkt. Damals stellte sich heraus, dass Zigtausenden Lehman-Zertifikate zur Altersvorsorge angedreht wurden, die nach der Insolvenz wertlos wurden. Das Desaster markiert einen Wendepunkt. "Viele Anleger sind durch den Niedergang von Lehman wachgerüttelt worden", sagt Marc Tüngler, Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Sie fragen sich, ob sie bei dem, was sie ins eigene Depot gepackt haben, gut beraten waren.

Totalverlust des Kapitals ist möglich

Die Verunsicherung hält seither an. "Wir haben 25.000 Anfragen pro Jahr wegen möglicher fehlerhafter Anlageberatung", sagt Tüngler. "Das Schicksal der anderen führt zur Kontrolle der eigenen Anlage", stellt der Rechtsanwalt fest.

Der Vertrieb von Lehman-Zertifikaten an unbedarfte Kunden war in vielen Kreditinstituten große Mode. Ebenso sind reihenweise geschlossene Immobilienfonds als Produkt zur Altersvorsorge losgeschlagen worden. Über 20.000 Anleger haben beispielsweise Anteile an DG-Immobilienfonds erworben, schätzt Petra Brockmann von der Kanzlei Hahn Rechtsanwälte. Zahlreiche DG-Fonds sind inzwischen insolvenzgefährdet. Viele Anleger, die glaubten, eine sichere und wertbeständige Anlage zu kaufen, "stehen vor dem Nichts", sagt Brockmann.

Den wenigsten war offenbar bewusst, dass es sich bei einem geschlossenen Immobilienfonds um eine Anlage mit unternehmerischen Risiken handelt, bei der ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals möglich ist. "Wenn geschlossene Fonds zur Altersvorsorge verkauft wurden, spricht einiges dafür, dass keine anlegergerechte Beratung stattfand", betont Brockmann.

Kommentare (3)
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OKT
20
11:17 Uhr, geschrieben von Jan Schulze
Endlich
Herzlichen Glückwunsch zu diesem Artikel. Endlich schreibt eine überregionale Zeitung über dieses Thema. M. E. sind sehr viele Anleger von der Thematik betroffen. Die Banken haben im großen Stil Schindluder mit dem Geld der Anleger getrieben (z. B. DGI-Anlagen 30, 31, 34 und 35 der Volksbanken). Das in Vertrauen auf die Seriösität der Banken angelegte Geld zur Altersversorgung wurde durch überzogenen Provisionen verjubelt. Ich wünsche mir, dass auch andere Zeitungen in Deutschland den Mut haben, über dieses wichtige und skandalöse Thema zu berichten und dieses zu kommentieren - im Sinne Ihrer Leser.
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OKT
19
15:10 Uhr, geschrieben von Heiderose Wedekind
Banken schalten auf stur
Auch ich habe die Erfahrung machen müssen, dass mit zur Altersvorsorge ein geschlossener Immobilienfond verkauft wurde, der nach 15 Jahren Missmanagement durch Betreiber und die DG Anlage heute nur noch Schulden hat und unsere Einlage vollständig verbraucht ist. Da das Altenheim noch steht und voll belegt ist, habe ich als Anleger noch Hoffnung bei den geringen Zinsen vielleicht doch noch einen Teil meines Geldes zu bekommen. Ich finde es wichtig, wenn in der Presse immer wieder auf solche Machenschaften der Anlagemanager hingewiesen werden.
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OKT
19
14:29 Uhr, geschrieben von Anonymer Benutzer
Welch Überraschung
Banken handeln aus Eigeninteresse? Das war mir ganz neu. Wie können die das nur? Zum Glück sind andere Unternehmen da mehr am Kunden.
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