Es ist eine Randbemerkung bei der Präsentation durch den Stuttgart- 21-Architekten Christoph Ingenhoven zu Beginn der Woche gewesen. Die Mahnung seines einstigen Partners bezüglich der Gestaltung des Tiefbahnhofs wischte er als "nicht sachgerecht" hinweg: Frei Otto hatte in unserer Zeitung davor gewarnt, die gut 30 Kilometer langen Tunnelstrecken des Bahnprojekts Stuttgart 21 könnten unwägbare Baurisiken mit sich bringen, der schwäbische Gipskeuper sei ein schlechter Baugrund für Tunnels aller Art. Frei Otto, der "Doyen deutscher Ingenieurskunst" (FAZ und "Süddeutsche") hatte auf den Engelbergtunnel, quasi vor seiner Warmbronner Haustür, verwiesen. Dort hatte das störrische, weil aufquellende Gestein schon bei den Probebohrungen buchstäblich Druck gemacht. Gefährdet sei die Standsicherheit des Bauwerks angeblich nicht, so das Regierungspräsidium. Aber seit dem Bau anno 1998 sind Millionenbeträge für die Sicherheit unter Tage fällig geworden: keine Bau-, sondern Unterhaltskosten.
Wenn Ingenhoven dem Ordinarius des Instituts für leichte Flächentragwerke nun mangelnde Kompetenz vorwirft, ist das vollkommen daneben. Frei Otto hat nie Tunnels gebaut. Ingenhoven aber auch nicht.
Bleibt am Ende die Frage, was denn eigentlich mit der nun anstehenden Rechnung der Tunnelsanierer zu tun ist. Zurücksenden? Einfach ablehnen? Weil nicht sein darf, was nicht sein kann? Man kann zu Stuttgart 21 stehen, wie man will. Frei Otto, der 85-jährige, unbequeme Mahner, hat auf ein technisches Problem hingewiesen. Wer sich als Planer dem von vorneherein verschließt, handelt nicht nur borniert, sondern geradezu fahrlässig.