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Facebook Zetsche-Kritik verärgert Daimler

Christian Ignatzi , vom 24.05.2011 19:16 Uhr
  Foto: dpa
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Stuttgart - Der Automobilhersteller Daimler hat fünf seiner Mitarbeiter des Werks Untertürkheim zur Personalabteilung zitiert, weil sie auf dem Social Media Portal Facebook Konzernchef Zetsche beleidigt hatten. "Wir haben einen Hinweis bekommen, dass einige unserer Beschäftigten unseren Vorstand als Lügenpack bezeichnet hatten", bestätigt ein Daimler-Sprecher. In dem Internetportal Facebook können Mitglieder sich in virtuellen Gruppen zusammenfinden, in denen sie über gemeinsame Interessen oder Ansichten diskutieren.

Stein des Anstoßes war die Gruppe "Daimler-Kollegen gegen Stuttgart 21", in der Gegner des Bahnhofsprojekts ihre Meinung sagten, nach Ansicht ihres Unternehmens aber zu weit gingen. Ein Mitarbeiter hatte den Konzernchef als Lügenpack bezeichnet und mehrere seiner Kollegen ihm zugestimmt. Bei Facebook geht das anhand eines "Gefällt mir"-Buttons. Fünf der Beschäftigten nutzten aber kein Pseudonym und waren deshalb namentlich erkennbar. "Wir haben dann gemeinsam mit dem Betriebsrat das Gespräch mit den Mitarbeitern gesucht", sagt der Daimler-Sprecher.

Der Betriebsratsvorsitzende des Werks Untertürkheim, Wolfgang Nieke, widerspricht: "Das Gegenteil war der Fall, es hat keine Absprache mit dem Betriebsrat gegeben." Nieke habe gegen die geplante Vorladung interveniert, da die Mitarbeiter in ihrer Freizeit das Recht hätten, sich kritisch zu Zetsches Engagement für Stuttgart 21 in der Öffentlichkeit zu äußern. "Weil wir ein Recht auf freie Meinungsäußerung in unserem Land haben, haben wir das erst kürzlich bei der Änderung der Verhaltensrichtlinie klargezogen." Vorher durften sich die Daimler-Beschäftigten nicht privat gegen die Meinung des Unternehmens stellen, jetzt gilt diese Regel nur noch bei offiziellen Auftritten. "Ich habe dann im Gespräch mit dem Vorstand erreicht, dass die Mitarbeiter, die lieber arbeiten wollen, statt zu dem Gespräch mit der Betriebsleitung zu gehen, das auch tun dürfen", so Nieke.

Zu dieser Zeit war aber schon ein Teil der Gespräche geführt. "Folgen für unsere Mitarbeiter gibt es nicht", so der Daimler-Sprecher, "wir haben sie lediglich auf Verhaltensrichtlinien in unserem Unternehmen hingewiesen." Es sei nicht in Ordnung, wenn Kollegen oder Chefs beschimpft würden.

Nach Wolfgang Niekes Einschätzung hat Daimler bei Facebook interveniert und die Abschaltung der Gruppe erwirkt. Das Unternehmen selbst wollte das nicht bestätigen, gibt aber zu, den Kontakt zu Facebook gesucht zu haben: "Wir haben das Portal auf die Inhalte aufmerksam gemacht", sagt der Sprecher. Was dann passiert ist, wisse er nicht. Daimler versuche aber nicht, Internetzensur zu betreiben.

Tatsächlich existiert eine neue Facebook-Gruppe von Daimler-Mitarbeitern zu S 21, mit dem gleichen Namen wie vorher, aber ohne Inhalte und mit nur einem Mitglied.

Kommentare (39)
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MAI
29
23:56 Uhr, geschrieben von M.C.T!
Eigentor für Daimler
Es ist sicherlich nicht richtig, sich negativ und in beschimpfender Form gegen den Arbeitgeber auszusprechen. Aber hätte das Unternehmen nichts gemacht, die 5 Mitarbeiter sich äußern lassen, wäre dies auf kleiner Flamme weitergekocht und nichts passiert. Was haben wir nun, eine Presse die darüber berichtet, ein verärgerter Betriebsrat, 5 Mitarbeiter die eine noch bessere Meinung über Ihren Arbeitgebers haben. In Summe bezahlt die Zeche das Unternehmen mit einem Imageschaden, der nur sehr, sehr schwer wett zu machen ist und nicht gerade für das Unternehmen als Arbeitgeber spricht. Genauso wirft es kein gutes Licht auf die Personalabteilung und man kann sich fragen, wie wohl das Mitarbeiterverhältnis im Unternehmen ist. Fazit: aus einer Mücke einen Elefanten gemacht, ohne groß über die Konsequenzen nachzudenken!
MAI
29
23:56 Uhr, geschrieben von e_Booker
Es wird Zeit gegen die Hetzer und Spalter vorzugehen
Viele Verantwortliche und viele Bürger Baden-Württembergs mussten sich viel zu lange die ständigen Beleidigungen und schlimmeres anhören. Es kann nicht angehen, dass eine Minderheit für sich in Anspruch nimmt, über Recht und Gesetz zu stehen und im Namen einer "Rechtmäßigkeit" ethisch abolut verwefliche Taten begeht: Bürger und Steuerzahler hintergehen, Parlamente und Gerichte täuschen, Mail- und Telefonterror, bezahlte Foren-Schreiber und Pro-Demo-Teilnehmer, bespucken, beschimpfen, beschädigen von privaten Kraftfahrzeugen beim Abkratzen durchgestrichener S21-Aufkleber. SCHLUSS mit der Toleranz gegen die Intoleranten!
MAI
27
09:56 Uhr, geschrieben von John Smith
Umgangsformen
Was sind denn das bitteschön für Einstellungen? Natürlich darf jeder seine Meinung in seiner Freizeit kund tun aber jemanden als Lügenpack zu bezeichnen ist ja wohl eine Beleidigung. Und zu dem Vorwurf, dass ''die da oben'' die unteren immer schlagen-ich glaube kaum dass Herr Zetsche seine Mitarbeiter als Lügenpack oder faules Pack oder sonst etwas bezeichnet. Außerdem wer würde nach so einem Vorfall nicht seine Mitarbeiter zur Rede stellen? Es hatte ja keine ernsthaften Konsequenzen für die Betroffenen. Beim Thema S21 scheinen Einige jegliches Gefühl für Anstand und Verhältnismäßigkeit verloren zu haben. Es geht doch schon längst nicht mehr darum ob dieser Bahnhof sinnvoll ist oder nicht.
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