Stuttgart - Es war still geworden um Willi Stächele, nun ist das Rätselraten um die Zukunft des CDU-Politikers beendet. Der 60-Jährige wird künftig als Berater tätig sein. „Ich habe meine Zulassung als Anwalt beantragt, werde aber nicht im allgemeinen Prozessgeschehen, sondern an der Schnittstelle zwischen Politik und Wirtschaft beratend arbeiten“, sagte Stächele unserer Zeitung. Es habe in den vergangenen Wochen „bereits zahlreiche Anfragen“ von Firmen und Verbänden gegeben. „Ich freue mich, meine Erfahrungen aus der Politik entsprechend einzusetzen.“ Stächele, der über ein großes Netzwerk an Kontakten verfügt, betonte, trotz der neuen beruflichen Aufgabe wolle er sein Landtagsmandat im Wahlkreis Kehl behalten: „Ich werde es weiter mit ganzer Kraft ausfüllen.“
Immer wieder war in den vergangenen Wochen über einen kompletten Rückzug Stächeles aus der Politik spekuliert worden, nachdem er im Oktober – nur wenige Monate nach seiner Ernennung – als Landtagspräsident zurückgetreten war. Stächele hatte damit die Konsequenzen aus dem Urteil des Staatsgerichtshofs gezogen, der seine Rolle beim umstrittenen EnBW-Aktiendeal als verfassungswidrig verurteilt hatte. Stächele, damals noch Finanzminister in der CDU-FDP-Landesregierung, hatte im Dezember 2010 auf Drängen von Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) und ohne ausreichende Kenntnis der Akten das sogenannte Notbewilligungsrecht in Kraft gesetzt und damit zugelassen, dass der fünf Milliarden Euro teure Wiedereinstieg des Landes bei der EnBW ohne Zustimmung des Landtags geschah. Nach dem Urteil der Richter war der Druck auf ihn als Landtagspräsident gewachsen, weil er nicht mehr glaubhaft die Rechte des Parlaments vertreten könne.
Stächele hatte sich nach dem Rücktritt fast komplett aus dem politischen Alltagsgeschäft zurückgezogen. Er habe diese Phase gebraucht, um sich zu sammeln, sagt er. Nun strebe er die neue berufliche Herausforderung an. „Ich freue mich auf die Aufgabe als Berater, zumal ich alle politischen Ebenen kenne.“ Stächele war nach seinem Jura-Studium in Freiburg einst Bürgermeister seiner Heimatstadt Oberkirch, ehe er 1992 erstmals in den Landtag einzog und danach unterschiedliche Positionen innehatte, unter anderem auch das Amt des Bevollmächtigten für Europa- und Bundesangelegenheiten.