In Stuttgart findet im Juni 2015 der Deutsche Evangelische Kirchentag statt Foto: dpa

Beinahe hätten 50 000 Kirchentagsbesucher für das große Christentreffen im Juni 2015 in Stuttgart keinen Schlafplatz gefunden. Denn das Baurechtsamt der Stadt untersagte zunächst die Unterbringung in Schulen. Begründung: Fehlender Brandschutz in 3300 Klassenzimmern.

Stuttgart - Der Evangelische Kirchentag hatte schon immer auch einen Hauch von Pfadfinderromantik. Wenn in provisorischen Unterkünften übernachtet wird, erleben die Teilnehmer aus der ganzen Welt den besonderen Charme des protestantischen Christentreffens. „Bitte bringen Sie Isomatte, Schlafsack und Essgeschirr (Teller, Becher und Besteck) mit“, heißt es in einem Internet-Hinweis (www.kirchentag.de) für Gäste der Gemeinschaftsquartiere.

Doch die etwa 50 000 Freunde dieses Gruppenerlebnis hätten ihre Isomatten fast zu Hause lassen können. Das Stuttgarter Baurechtsamt wollte die Schlafgelegenheiten in 3300 Klassenzimmern an Stuttgarter Schulen so nicht genehmigen. Dort herrschte Sorge um die Sicherheit der Gäste bis 35 Jahre, die in den Klassenräumen pennen wollten. Die Auflagen des Brandschutzes für die jeweils 12 bis 16 Kirchentagsbesucher pro Raum lasse dies nicht zu.

Einzige Ausnahme: Jedes Klassenzimmer wird mit einem Brandmelder nachgerüstet, wie es das von Januar an geltende Landesgesetz vorschreibt. Falls es nach dem 1. Januar in einem Wohnraum ohne Rauchmelder brennt und Personen zu schaden kommen, haftet der Immobilienbesitzer. Im Falle der Klassenzimmer wäre dies die Stadt. „Dieser Verantwortung können wir uns nicht entziehen“, sagt ein Sprecher der Stadt im Auftrag von Baubürgermeister Matthias Hahn (SPD), „wir können uns nicht einfach über Landesgesetze hinwegsetzen.“ Bei der Stadt ist man sogar der Meinung, man sei den Veranstaltern des Kirchentags kulant entgegen gekommen: „Wir haben auf Brandmelder in den Fluren verzichtet.“ Dort könnten nun Patrouillen diese Aufgaben übernehmen.

„Die Summe für die Brandmelder stürzt den Kirchentag nicht Finanznöte“

Ausgehend von bis zu 30 Euro für einen Qualitäts-Brandmelder müssen nun knapp 100 000 Euro investiert werden. Ungeachtet der Kosten für die Montage der Melder. „Dieses Geld haben wir nicht in unserem Schuletat“, sagt Sport- und Kulturbürgermeisterin Susanne Eisenmann (CDU), „die Stadt kann diese Kosten nicht tragen.“

Für den Kirchentag ist dieser Betrag ebenfalls kein Pappenstil. Auch wenn sechsstellige der Betrag im Gesamtbudget eher gering erscheint. Der Etat für 2500 Veranstaltungen, an denen etwa 120 000 Menschen in fünf Tagen von 3. bis 7. Juni 2015 teilnehmen liegt bei 18 Millionen Euro. Davon steuern die Stadt Stuttgart und das Land Baden-Württemberg je 2,5 Millionen Euro bei.

„Die Summe für die Brandmelder stürzt den Kirchentag nicht Finanznöte“, sagt Alexander Matzkeit, ein Sprecher des Kirchentags. Aber sie schmerzt die Veranstalter dennoch.

Aus diesem Grund hatte die Verhandlungsdelegation des Kirchentags in den Gesprächen mit der Stadtverwaltung versucht, einen Kompromiss zu erzielen. Wie beim Kirchentag in Hamburg 2013 sollten Wachdienste in den Nächten von Mittwoch bis Sonntag die Sicherheit der Schlafenden gewährleisten. Doch die Stadt lehnte den Vorschlag im November dieses Jahres ab.

„Jetzt gehen wir eben pragmatisch mit der Sache um und übernehmen die Sache und lamentieren nicht“, sagt Matzkeit. Soll heißen der Deutsche Evangelische Kirchentag schafft die Brandmelder auf eigene Kosten an, installiert die Geräte, schraubt sie in eigener Regie wieder ab und lagert die Melder bis zum Kirchentag 2017 in Berlin und Wittenberg ein. Möglich sei aber auch, dass die Brandmelder beim 100. Deutschen Katholikentag 2016 in Leipzig zum Einsatz kommen. Das wäre dann eine ökumenisch-ökonomische Lösung.

Wissen, was wichtig ist – abonnieren Sie hier den StN-Newsletter