Europa League Dortmund top, Leverkusen flop

Von red/dpa 

Nach dem 3:0 ist dem BVB der Einzug ins Viertelfinale kaum mehr zu nehmen. Foto: dpa
Nach dem 3:0 ist dem BVB der Einzug ins Viertelfinale kaum mehr zu nehmen.Foto: dpa

Mit einer reifen Leistung hat Borussia Dortmund seinen Status als Mitfavorit in der Europa League eindrucksvoll untermauert. Bayer Leverkusen hingegen findet nicht zurück in die Erfolgsspur. Es droht das Aus - wie vor fünf Jahren gegen Villarreal.

Dortmund - Reife Leistung, spektakuläre Tore, klarer Sieg - Borussia Dortmund hat seinen Status als Mitfavorit der Europa League eindrucksvoll untermauert und einen weiteren Schritt in Richtung Titel gemacht. Nach dem überlegenen 3:0 (1:0) im Achtelfinal-Hinspiel gegen Tottenham Hotspur ist dem wie entfesselt auftretenden Tabellenzweiten der Fußball-Bundesliga der Einzug in die Runde der besten acht Clubs schon fast nicht mehr zu nehmen.

Pierre-Emerick Aubameyang (30. Minute) und Nationalspieler Marco Reus per Doppelpack (61./70.) münzten die große Überlegenheit des BVB am Donnerstagabend in die verdienten Treffer um. Das offensiv enorm variable Team von Trainer Thomas Tuchel erteilte dem zuvor hochgelobten Premier-League-Zweiten eine bittere Lehrstunde.

Eine Woche vor dem Rückspiel in der englischen Hauptstadt haben die Londoner kam noch Erfolgssaussichten, auch wenn bisher noch nie ein deutsches Team an der White Hart Lane gewann. Vor 65 848 Zuschauern in der ausverkauften Dortmunder Arena spielten sich die Gastgeber zeitweise in einen Rausch, eilten von Torchance zu Torchance und vergaßen nur in der ersten Hälfte ein wenig das Toreschießen. Die vergleichsweise knappe 1:0-Führung zur Pause spiegelte nicht ansatzweise die Kräfteverhältnisse auf dem Platz wieder, doch gegen Ende legten die Dortmunder noch die ersehnten weiteren Treffer nach.

Superstar Harry Kane schmort auf der Bank

Die Engländer, die Stürmerstar Harry Kane anfangs überraschend auf der Ersatzbank gelassen hatten, liefen ausschließlich hinterher und präsentierten sich gänzlich blamabel. Dem BVB-Dauerdruck hatten Mauricio Pochettinos Profis um den früheren Kölner Kevin Wimmer kein bisschen entgegenzusetzen, vom in der Premier League gefürchteten Forecheckingspiel der Londoner war rein gar nichts zu sehen.

Schon vor Aubameyangs Treffer hätte Dortmund deutlich führen müssen. Eine erste Möglichkeit ließ Gonzalo Castro, der für den angeschlagenen Nationalspieler Ilkay Gündogan ins Team gerückt war, ungenutzt (6.). Keine 60 Sekunden später war Erik Durm nah dran am 1:0, jagte den Ball aber haarscharf am Tor vorbei. Zwei Chancen, die erst den Auftakt des Dortmunder Sturmlaufs kennzeichneten.

Danach ging’s munter weiter: Aubameyang (11.) zielte zunächst knapp drüber, ehe er kurz darauf jubelnd abdrehte: Einen Schuss von Henrich Mchitarjan ließ der französische Nationalkeeper Hugo Lloris nach vorn abprallen, der Torjäger war zur Stelle und schob ein - allerdings aus einer Abseitsposition (14.). Der türkische Referee Cüneyt Cakir wertete den vermeintlichen Führungstreffer zu Recht nicht.

Aubameyang mit 33. Pflichtspieltor

Für das 1:0 mussten sich die Westfalen eine weitere gute Viertelstunde gedulden. Reus, Castro und Marcel Schmelzer passten sich auf der rechten Seite quasi mühelos das Bällchen zu, die Flanke landete wie bestellt auf dem Kopf des freistehenden Aubameyang, dessen Jubel diesmal länger anhielt als zuvor. Für den Gabuner war es bereits der 33. Pflichtspieltreffer in dieser Saison. Von einer Medienmeldung über eine angebliche Offerte von Real Madrid in Höhe von fast 100 Millionen Euro, die tags zuvor für Wirbel gesorgt hatte, ließ sich der stark aufspielende Torjäger keineswegs beirren.

Mchitarjan (41.) hätte in der Folge ebenso nachlegen können wie Castro (51.), der aus spitzem Winkel auf Aubameyang-Vorlage den Pfosten traf. Die Treffer Nummer zwei und drei blieben stattdessen Reus vorbehalten: Eine Kopfballvorlage von Neven Subotic hämmerte der Nationalspieler aus kurzer Entfernung volley unter die Torlatte, dem 3:0 ging ein herrlicher Dropkick des Mittelfeldprofis voraus.

Leverkusen verliert in Villareal

Auch die Rückkehr von Roger Schmidt auf die Trainerbank hat Bayer Leverkusen beim Europacup-Jubiläum nicht aus der Krise geholfen. Nach dem Drei-Spiele-Bann in der Fußball-Bundesliga stand der Coach wieder an der Seitenlinie und musste von dort das 0:2 (0:1) der Werkself am Donnerstag im Achtelfinal-Hinspiel der Europa League beim spanischen Tabellenvierten FC Villarreal mitansehen. Damit stehen die Leverkusener, die nur einen Punkt aus den letzten vier Liga-Spielen holten, vor dem Rückspiel in einer Woche gehörig unter Druck.

Im 200. Europacup-Spiel der Vereinsgeschichte schoss Cedric Bakambu vor 17 000 Zuschauern im Estadio El Madrigal den Sieg mit zwei Treffern für Villarreal heraus (4. und 56.). Dazu sah Tin Jedvaj in der Nachspielzeit wegen Handspiels die Gelb-Rote Karte (90.+4). Bayer droht wie schon beim letzten Duell mit den Spaniern vor fünf Jahren das Aus im Achtelfinale. Und für Schmidt, der im schwarzen Jackett den nächsten sportlichen Tiefschlag in der Coaching-Zone vernahm, wird es allmählich ungemütlich.

Dabei hatte Schmidt den früheren Champions-League-Halbfinalisten am Wochenende extra beobachtet und dafür sogar das Spiel seiner Mannschaft in Augsburg (3:3) verpasst, wofür er kritisiert wurde.

In der Defensive oft desorientiert

Allzu groß waren die Erkenntnisse beim Kurztrip nach Spanien offensichtlich nicht, denn Bayer wirkte vor allem in der Defensive oftmals desorientiert. Auch das Offensivspiel lahmte, von den kreativen Führungsspielern Hakan Calhanoglu und Karim Bellarabi gingen kaum zündende Ideen aus. Die Gastgeber waren dagegen in puncto Passsicherheit, Beweglichkeit und Schnelligkeit deutlich überlegen.

Schon die Anfangsphase verschlief Bayer komplett. Konnte Leno in der dritten Minute noch gegen Roberto Soldado parieren, war der Keeper eine Minute später machtlos. Die Abwehrreihe war völlig indisponiert, als Soldado den Ball auf Bakambu spielte und dieser freistehend zur Führung einschob.

Leno war es dabei zu verdanken, dass nicht vor der Pause Soldado gar auf 2:0 für Villarreal erhöhte. Mit einem Reflex klärte Leno gegen den Stürmer, als Jonathan Tah seinen Gegenspieler außer Acht ließ (40.). Ohnehin erwischte der Ex-Hamburger nicht den besten Tag, bei einem Befreiungsschlag wäre ihm beinahe ein Eigentor unterlaufen (29.).

Leverkusen in der Offensive harmlos

Derart brenzlig wurde es auf der Gegenseite nicht. Ein Kopfball des Mexikaners Javier „Chicharito“ Hernandez war noch die beste Chance, wenngleich Villarreal-Torhüter Alphonse Aréola nicht wirklich gefordert wurde (24.). Der Keeper hatte zuvor schon bei einer Hereingabe von Weltmeister Christoph Kramer vor dem gut postierten Stefan Kießling geklärt (10.).

Im zweiten Durchgang wurde es bei Bayer kaum besser. Unerklärliche Fehler brachten die Spanier immer wieder gut ins Spiel - und auch prompt zum zweiten Tor. Nach einem Ballverlust von Julian Brandt im Anschluss an eine Leverkusener Ecke ging es schnell in die andere Richtung. Bakambu marschierte allein aufs Tor zu und tunnelte gar noch Leno.

Und es kam noch schlimmer für Bayer, vor allem personell. So musste Kramer verletzt vom Platz getragen werden, nachdem er aus kurzer Entfernung den Ball ins Gesicht bekommen hatte. Erinnerungen ans WM-Finale wurden wach. In der Nachspielzeit verhinderte Leno einen dritten Gegentreffer beim Kopfball von Leo Baptistao.

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