Esslinger Büchereidiskussion Standortentscheidung fällt erst im Februar oder März

Von Kai Holoch 

In der Küferstraße könnte der Neubau der Bücherei entstehen. Foto: Horst Rudel
In der Küferstraße könnte der Neubau der Bücherei entstehen. Foto: Horst Rudel

Das Büro Fritzen 27 ermittelt, wo sich in der östlichen Altstadt von Esslingen eine moderne Bücherei verwirklichen lässt. Derweil gibt es Streit um die Veröffentlichung einer Büchereikonzeption.

Esslingen - Die Entscheidung ist zunächst vertagt. Doch hinter den Kulissen wird weiter heftig um den idealen Standort für eine neue Esslinger Stadtbücherei gerungen. Im nichtöffentlichen Teil der jüngsten Gemeinderatssitzung hat die Verwaltungsspitze nun verkündet, dass die Grundsatzentscheidung für den Standort frühestens Ende Februar 2018, vielleicht sogar erst Ende März fallen soll. Bis dahin wird, das bestätigt ein Sprecher der Stadt auf Anfrage, das Esslinger Büro Fritzen 28 prüfen, welche konkreten architektonischen und raumtechnischen Vorteile ein Verbleib am bisherigen Standort oder der Neubau der Stadtbücherei zwischen Küferstraße und Kupfergasse haben würde.

Damit kommt die Verwaltung der Forderung verschiedener Fraktionen des Gemeinderats nach, die vor einer Grundsatzentscheidung detailliertere Untersuchungen für die beiden Standorte gefordert hatten. Dafür fallen nun 30 000 bis 50 000 Euro Planungskosten an. Gesucht wird die ideale Hülle für eine vom Büchereiteam und der Kulturverwaltung erarbeitete Büchereikonzeption, die seit vier Wochen vorliegt, von der Stadtverwaltung aber, so betont der SPD-Stadtrat Klaus Hummel, noch unter Verschluss gehalten werde.

Eine Bücherei mit Zukunftsperspektive

Allerdings hat Hummel bei einer Anhörung der SPD zum geplanten Büchereineubau schon einmal die Felder genannt, mit der sich die Konzeption auseinandergesetzt hat. Eine neue Bücherei müsse Informations-, Diskussions-, Bildungs- und Medien-Lernraum sein. Sie habe eine Aufgabe als Partner der Schulen, soziale Freizeiteinrichtung und müsse den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen Rechnung tragen. Integriert werden müssten eine Musikmediathek und eine internationale Abteilung ebenso wie ein Literaturcafé.

Idealerweise müsse die Bücherei rund um die Uhr an sieben Tagen die Woche genutzt werden können. In der neuen Bücherei sollen 120 Arbeitsplätze für die Nutzer bereitgestellt werden. 32 Mitarbeiter müssen angemessene Arbeitsbedingungen vorfinden. Zudem wird ein Veranstaltungssaal für 200 bis 300 Zuschauer benötigt.

Hummel bedauert es, dass die Verwaltung die neue Büchereikonzeption bisher noch nicht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat. Gerade angesichts der Vehemenz, mit der sich Teile der Bevölkerung für den Verbleib der Bücherei am bisherigen Standort einsetzten, sei die Informationspolitik kontraproduktiv und leiste Verschwörungstheorien Vorschub.

Dieser Darstellung widerspricht der Esslinger Kulturbürgermeister Markus Raab (CDU) heftig – und gibt den Schwarzen Peter zurück. Die Konzeption sei den Mitgliedern des Gemeinderats zugegangen. Zudem habe er, Raab, im Kulturausschuss die Frage gestellt, wie man nun mit der Konzeption umgehen und ob man sie der Öffentlichkeit zugänglich machen solle. Aus dem Gremium habe es kein eindeutiges Signal gegeben, das 23-seitige Papier zu veröffentlichen.

Raumprogramm und Konzept spielen zusammen

Aus Raabs Sicht spricht einiges für dieses Vorgehen. Denn es ergebe mehr Sinn, die einzelnen Punkte zu besprechen, wenn es dazu konkrete Raumvorschläge gebe. Wenn die SPD aber anderer Meinung sei und dafür eine Mehrheit im Gemeinderat finde, könne die Fraktion jederzeit beantragen, die Konzeption zu veröffentlichen.

Aus Sicht der CDU hätte der Gemeinderat die Grundsatzentscheidung für einen Neubau an der Küferstraße auch schon vor der Sommerpause treffen können. Allerdings nutzt die Fraktion die nun eingetretene Verzögerung, um ihrerseits Fragen an die Verwaltung zu stellen. Die CDU will etwa wissen, welcher Aufwand am bestehenden Standort notwendig ist, um vollständige Barrierefreiheit zu erlangen. Der kulturpolitische Sprecher der CDU, Edward-Errol Jaffke führt immer wieder die explodierten Baukosten bei der Sanierung des Alten Rathauses an, um das finanzielle Risiko im bestehenden historischen Gemäuer zu verdeutlichen.

Immerhin ist die Stadt Esslingen an einem Punkt schon einen Schritt weiter: Mit dem Besitzer des Hauses Küferstraße 13/1, das für einen Neubau abgerissen werden müsste, hat die Verwaltung einen Kaufpreis für das Gebäude schriftlich fixiert.

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