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Essen "Ernährungsregeln sind für die Tonne"

Sandra Markert, vom 16.08.2011 11:03 Uhr
 Foto: Fotolia
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Stuttgart - Abends keine Kohlenhydrate essen, dafür fünfmal täglich Obst und immer viel Wasser trinken: Der Ernährungswissenschaftler Uwe Knop hält all diese Regeln für Quatsch. "Essen Sie, worauf Sie Lust haben, und dann, wenn Sie Hunger haben", sagt er.

Herr Knop, wann hatten Sie zuletzt das Gefühl, sprichwörtlich vor Hunger zu sterben?

Ich frühstücke nicht, deswegen kommt das häufiger vor. Je nach Tagesablauf geht es schon aufs Mittagessen zu, bis ich zum ersten Mal was esse und mein Bauch mir signalisiert: Jetzt ist der Hunger wirklich ausgereizt.

Kein Frühstück? Aber damit lassen Sie doch die wichtigste Mahlzeit des Tages aus!

Diese Ernährungsregel können Sie wie jede andere auch in die Tonne treten. Es gibt keinerlei Beweis dafür, dass Frühstück für irgendwen gut oder schlecht ist. Wer morgens keinen Hunger hat, soll sich kein Vollkornmüsli mit vielen Früchten reinzwängen, nur weil das angeblich gesund sein soll. Vertrauen Sie lieber auf Ihren Körper.

Dann essen, wenn man Hunger hat. Klingt selbstverständlich und banal. Trotzdem haben Sie ein ganzes Buch darüber geschrieben.

Ich habe in den vergangenen Jahren über 300 aktuelle Studien zum Thema Ernährung kritisch analysiert, um zu zeigen, dass die Ernährungswissenschaft keinerlei Beweise für irgendwelche Ernährungsregeln liefert. Aussagen wie "Obst ist ein gesundes, Fleisch ein ungesundes Lebensmittel" sind reine Spekulation. Wichtig ist vor allem, den echten Hunger wiederzuentdecken und das zu essen, was einem schmeckt. Jeder Mensch isst anders und sollte seine eigenen Ernährungsregeln finden.

Aber diese Studien, die Sie gelesen haben, wurden doch von Ernährungswissenschaftlern herausgebracht, wie auch Sie einer sind.

Genau deswegen betrachte ich die Studien und die Art, wie sie in den Medien wiedergegeben werden, ja so kritisch. Die meisten Ernährungsempfehlungen basieren auf reinen Beobachtungen und verknüpfen einfach nur statistische Zusammenhänge, die dann aber gern zu Wahrheiten aufgewertet werden.

Geht das etwas konkreter?

Ich konstruiere Ihnen ein stark vereinfachtes Beispiel: 2001 befragen Forscher 100000 Leute zu ihrem Essverhalten. 2011 zeigt sich bei den dickeren Leuten: Statistisch betrachtet, haben sie häufiger in gefütterten Pantoffeln gefrühstückt als die dünnen. Also lautet die Erkenntnis: "Frühstück in gefütterten Pantoffeln macht dick." Das ist absoluter Unsinn. Aber so funktioniert Ernährungswissenschaft: Beobachtungsstudien liefern nur Hinweise und vage Vermutungen für richtiges Essen, aber niemals Beweise. Unsere Gesundheit hängt nicht von einzelnen Lebensmitteln ab, sondern vor allem von unseren Genen, der Umwelt und dem sozialen Gefüge, in dem wir leben.

Warum machen wir uns inzwischen überhaupt so viele Gedanken über unsere Ernährung - statt einfach draufloszuessen?

Wir leben in einem Schlaraffenland. Hochwertige Nahrungsmittel sind in unglaublicher Vielfalt zu günstigen Preisen für fast jedermann und überall erhältlich. Hungernde Menschen in Afrika hingegen würden einen Teufel tun, die ganzen Inhaltsstoffe von Lebensmitteln zu lesen, sie wollen einfach nur ihren Hunger stillen. Wir aber haben über Jahrzehnte unzählige Ernährungsregeln gehört: Fünfmal am Tag Obst und Gemüse essen, Rotwein schützt das Herz, Süßstoff ist besser als Zucker. Diese Regeln haben viele von uns in unserem Kopf abgespeichert, und sie beeinflussen unser natürliches Essverhalten.

Kommentare (4)
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NOV
16
18:28 Uhr, geschrieben von swifty
Ja, so ist das
Dem Interview ist nichts hinzuzufügen. Der Mann hat recht. Dieser ständige Abnehmwahn. Margarine statt Butter, Süßstoff statt Zucker. Das ist doch alles Quatsch. Und wer sagt denn das Spargeldünn gesund ist. Man sollte reichhaltige Speisen essen und wissen wo die herkommen. Und wer Fleisch im Supermarkt kauft ist selber schuld. Bischen die Birne anstrengen ist manchmal auch gut. Guten Appetit!
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AUG
18
22:50 Uhr, geschrieben von Till
An sich ja nicht falsch
...das Problem ist aber im Interview beschrieben. Wir haben ein Überangebot auch an falschen Sachen. Schaut den Film "SuperSizeMe" an - und ja ich kenne Leute die wochenlang täglich bei FastFoodKetten gegessen haben weil sie das so wollten. Woher soll denn ein Otto-Normal-Bürger, der mit Tiefkühlpizza, McDonalds und Döner bombardiert wird wissen wie gut ein gewöhnlicher Salat schmeckt und wie zufrieden man manchmal nach dem Genuss eines solchen sein kann. Allein die Tatsache, dass der hier interviewte Experte die Beobachtungsstudien durch den Kakao zieht und dann aber die Genetik schuldig am Körpergewicht sein soll, disqualifiziert ihn. Woher kommen denn diese angeblichen Erkenntnisse? Aus Beobachtungsstudien...
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AUG
17
12:01 Uhr, geschrieben von Hans Carlsson
So ist es!
Ich empfehle jedem, der ständig nur ans Abnehmen denkt und meint, nur dünne Menschen seien gesund, mal eines der Bücher des Lebensmittelchemikers Udo Pollmer zu lesen. Er erklärt z. B. für jeden verständlich, daß sogenannte Light-Produkte totaler Unsinn sind und das Übergewicht eher fördern!
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