Es wird eng für Toilettenpapier, Tampons und Kondome

Von "Filder-Zeitung" 

Filder. Das Klärwerk im Plieninger Körschtal wird für 2,5 Millionen Euro mit zwei neuen Rechen ausgestattet. Von Judith A. Sägesser

Filder. Das Klärwerk im Plieninger Körschtal wird für 2,5 Millionen Euro mit zwei neuen Rechen ausgestattet. Von Judith A. Sägesser

Es ist der Ort, an dem es am meisten stinkt. Es ist der Ort, an dem das Abwasser ankommt. In der Klärwerk-Sprache heißt dieser Ort Rechengebäude, weil Rechen das Gröbste aus dem Wasser sieben. Die zwei Rechen in der Plieninger Anlage lässt der städtische Eigenbetrieb Stadtentwässerung derzeit erneuern. Die 30 Jahre alten Werkzeuge werden für 2,5 Millionen Euro ausgetauscht.

Der Vorteil der neuen Rechen liegt für Hartmut Klein auf der Hand. Er leitet im Tiefbauamt die Abteilung Klärwerke. Bei den bisherigen Rechen waren die einzelnen Stäbe 20 Millimeter voneinander entfernt. Bei den neuen sind es gerade einmal sechs Millimeter. Durch sie wird vergleichsweise wenig flutschen. "Der Feinrechen ist heute Standard", sagt Klein.

Der Rechen ist so etwas wie das Nadelöhr des Klärwerks. Hier muss all das Dreckwasser aus den Haushalten der Bezirke Degerloch, Sillenbuch, Plieningen und Birkach sowie Fasanenhof, Leinfelden-Echterdingen und Kemnat durch. Die Städte Ostfildern und Leinfelden-Echterdingen beteiligen sich bei Investitionen an den Kosten.

Regnet es nicht, fließen zwischen 200 und 300 Liter pro Sekunde ins Klärwerk Plieningen, und nach einem gewaltigen Wolkenbruch können es schon mal tausend Liter in der Sekunde sein. Die Rechen fischen Toilettenpapier, Tampons, Kondome, Steine und Holzstöcke raus. "Alles, was durch die Toilette oder den Gulli passt, kommt hier an", sagt Klein. Der Abfall landet in einem Container, und das Wasser fließt zur nächsten Waschstation.

Das Klärwerk Plieningen ist 52 Jahre alt. Und dennoch: "Es ist das modernste Außenklärwerk", sagt Klein. Nicht nur, dass es seine eigene Biogasanlage hat. Der erzeugte Strom wird im Betrieb verbraucht. Es ist noch nicht lange her, da haben die Stadtentwässerer 1,75 Millionen Euro in den Standort im Körschtal investiert. Für diesen Betrag haben sie die sogenannten biologischen Becken renoviert. In denen wird Sauerstoff ins Wasser gepumpt, als Nahrung für Bakterien. Diese Bakterien fressen den Schlamm und den Dreck, der es bis hierher geschafft hat.

Die neuerliche Sanierung wird von heute an gerechnet etwas mehr als ein Jahr dauern. Wobei die beiden Rechen bereits bis zum Sommer 2011 gewechselt sein sollen. Was zusätzlich Zeit kostet, ist die Modernisierung der Technik.

Bis der Rechentausch vollzogen ist, müssen die Bauarbeiter einiges leisten. Die Maßnahme ist nicht ohne, erklärt Klein. Schließlich muss auch während der Arbeiten Unrat aus dem Abwasser gesiebt werden. Dafür verlegt die Baufirma unterirdisch ein Betonrohr entlang des Rechengebäudes. Als nächstes soll ein Interimsrechen eingebaut werden. Das Rohr hat zwei Vorteile: Es ist eine Zwischenlösung, und es wird dem Klärwerk fortan zum Hochwasserschutz dienen. Wenn es nämlich einmal sintflutartig regnen sollte, ist der Druck auf die beiden normalen Rechen extrem hoch.

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