„Es ist Liebe“ Sorgen in der Subkultur: Es wird eng!

Von Uwe Bogen 

Die Röhre am Wagenburgtunnel ist Geschichte Foto: dpa
Die Röhre am Wagenburgtunnel ist Geschichte Foto: dpa

Im Netz ist der Ansturm auf den Bürgerhaushalt der Stadt riesig: Bereits 425 000 Bewertungen – Server zeitweise zusammengebrochen.

Stuttgart - Immer mehr Bürger, die für ihre Ziele kämpfen, wählen dafür das Internet. Hat die Demo ausgedient? Ist das Marschieren auf der Straße im Vergleich zum Klicken im Netz wirkungslos? Dieser Eindruck entsteht, wenn man vom virtuellen Ansturm beim sogenannten Bürgerhaushalt in Stuttgart hört. Die Beteiligung war in den vergangenen Tagen so gewaltig, dass der Server zusammenbrach. „Wir haben die Rechnerleistung aufgestockt“, sagt Stadtsprecher Sven Matis, „jetzt läuft das System wieder rund.“ Es sei „durchaus außergewöhnlich“, dass ein zweiter Bürgerhaushalt besser läuft als sein Vorgänger im Jahr 2011. Zunehmend hat die Subkultur die Chancen entdeckt, die in diesem Angebot der Stadt steckt, die Bürger am Verteilen der Finanzen zu beteiligen.

Stuttgarter Kreative haben sich in dem Aufruf „Es ist Liebe“ zusammengeschlossen. „Es wird eng für unsere Subkultur“, heißt es darin. Ist die Party bald vorbei? Nach der Schließung mehrerer Clubs habe man für den Bürgerhaushalt zwei Vorschläge eingereicht. „Nur mit eurer Hilfe können wir die Subkultur unterstützen und neue Wege schaffen, um Clubschließungen und das Problem der mangelnden Veranstaltungsräume zu bekämpfen“, steht in dem Aufruf. Initiator Manuel Klink hat, wie er sagt, „viel Zuspruch“ erhalten. Enttäuscht ist er von den Clubs der Stadt: „Kaum einer der Clubs zeigt den Willen, sich aktiv zu beteiligen.“ Noch bis zum 8. April können sich Bürger, die mit ihrer Anmeldung auf der Webseite nachweisen müssen, dass sie in Stuttgart wohnen, an der Abstimmung beteiligen. Manuel Klink von „Es ist Liebe“ bedauert, dass die Stadt auf der Internetseite nicht mehr die Zahl der abgegebenen Stimmen anzeigt. Er weiß also nicht, wie weit es seine Vorschläge gebracht haben. Die 100 am besten beurteilten Anträge sollen dem Gemeinderat vorgelegt werden, der im Herbst über die Förderung abstimmt.

„Der Ansturm hat uns überrascht“, sagt Stadtsprecher Matis. Bisher sind über 425 000 Bewertungen eingegangen, beim letzten Bürgerhaushalt vor zwei Jahren waren es 243 403. Die Zahl der Vorschläge zur Förderung stieg von 1745 auf nunmehr 2943. Die Kommentare sind mit knapp 10 000 fast doppelt so hoch wie beim letzten Mal. Bisher beteiligten sich 10 391 Internetuser. Noch zwölf Tage lang kann man mitdiskutieren und abstimmen. Die meisten Vorschläge werden leer ausgehen – Demos auf der Straße gehen danach immer noch.

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