Erste Aufnahme eines Schwarzen Lochs Jäger der Schwarzen Löcher

Von Markus Brauer/dpa 

Seit einem halben Jahrhundert sprechen Wissenschaftler von Schwarzen Löchern, aber fotografiert haben sie noch nie eins. Das könnte sich jetzt ändern. Mit einem weltweiten Netzwerk von Teleskopen hoffen Forscher auf das lang ersehnte erste Bild.

Cambrigde/Hamburg/Stuttgart - In Science-Fiction-Filmen wie „Interstellar“ (2014), „Star Trek“ (2009), „Event Horizon – Am Rande des Universums“ (1997), „Operation Jupiter“ (1984) oder „Das schwarze Loch“ (1979) kann man die mysteriösen kosmischen Phänomene bestaunen. In der Wirklichkeit aber warten Astronomen auf der ganzen Welt sehnlichst darauf – auf das erste Bild von einem echten Schwarzen Loch.

Im April soll es losgehen

Wirklich gesehen hat sie noch niemand. Das will eine Gruppe von Forschern nun ändern. Mit einem weltumspannenden Netzwerk von Teleskopen namens „Event Horizon“-Teleskop – unter anderem am Südpol, in Europa und Nord- und Südamerika – wollen sie in diesem April versuchen, erstmals computersimulierte Aufnahmen von einem Schwarzen Loch zu machen.

„Es gibt große Aufregung“, sagt Projektleiter Shepherd Doeleman vom Harvard-Smithsonian Center für Astrophysik in Cambridge (US-Staat Massachusetts). „Wir stellen unser virtuelles Teleskop seit inzwischen fast zwei Jahrzehnten zusammen und im April werden wir die Beobachtungen machen, die erstmals die Chance haben, den Ereignishorizont eines Schwarzen Loches in den Fokus zu bringen.“

Einstein und die Schwarzen Löcher

Im Jahr 1915 stellte der Physiker Albert Einstein erstmals die Theorie auf, dass es im Universum Orte der absoluten und unvorstellbaren Extreme geben könnte, die alles anziehen und kein Licht nach außen lassen. Schwarze Löcher sind eine Vorhersage der allgemeinen Relativitätstheorie des Physik-Nobelpreisträgers, ihre mögliche Existenz wurde aber schon von dem französischen Mathematiker und Physiker Pierre-Simon Laplace um 1800 diskutiert.

Mit Hilfe der allgemeinen Relativitätstheorie lassen sich die Existenz punktförmiger Singularitäten herleiten, in denen Materie und Strahlung auf Nimmerwiedersehen verschwinden. Einstein versuchte in den darauffolgenden Jahrzehnten zu beweisen, dass Himmelsobjekte von so hoher Dichte, deren Schwerkraft selbst das Licht nicht entkommen kann, unmöglich seien. Doch 1939 konnte der amerikanische Physiker Julius Robert Oppenheimer belegen, dass die Existenz von Schwarzen Löchern physikalisch nicht nur wahrscheinlich, sondern unvermeidlich sei.

„Black Hole“ – Schwarzes Loch

Schwarze Löcher sind also die schwärzesten Körper, die wir kennen. In ihnen soll sich ein Großteil der Dunklen Materie verbergen. Auch wenn sich überall in den unendlichen Tiefen des Weltalls riesige Mengen davon befinden, weiß niemand, woraus diese seltsame Materieform bestehen könnte. Sie leuchtet nicht, sie absorbiert auch kein Licht. Mit normaler Materie tritt sie praktisch nur über ihre Schwerkraft in Wechselwirkung, über die dieser überwiegende Teil der Galaxis bemerkbar wird.

Ein halbes Jahrhundert ist es her, dass der Begriff Schwarzes Loch für derlei Phänomene allgemein eingeführt wurde. Der amerikanische Physiker John Archibald Wheeler suchte 1967 bei einer Konferenz ein Ersatzwort für den englischen Zungenbrecher „Gravitationally completely collapsed object“. Kurzerhand nahm er den Vorschlag eines Zuhörers auf, der solche Phänomene kurz „Black Whole“ nannte.

Sagittarius A* in der Milchstraße

Im vergangenen Jahr hatte das „Event-Horizon“-Teleskop-Netzwerk schon einmal versucht, das Schwarze Loch Sagittarius A* in der Milchstraße (der Heimatgalaxie des Planeten Erde) und ein weiteres abzulichten – ohne Erfolg. „Nichtssagende Kleckse“ seien zu sehen gewesen, schrieb damals das „Science“-Magazin.

Aber in diesem Jahr sind weitere leistungsstarke Teleskope dazugekommen. Einmal im Jahr wird das Teleskop-Netzwerk in Richtung der Schwarzen Löcher gerichtet, diesmal an fünf Nächten zwischen dem 5. und 14. April. Dann stehen die Chancen auf passendes Wetter an den beteiligten Teleskopen gut. Aber sicher ist das nicht. Und wenn das Wetter schlecht ist, wird wieder kein Schwarzes Loch auf den Bildern zu sehen sein.

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