Viel Holz innen und außen an der Fassade, dazu ein großes Oberlicht und acht mal drei Meter große Panoramafenster, die vom Korber Kopf über das gesamte Remstal bis hin zum Stuttgarter Fernsehturm den Blick eröffnen: Das Kinderhaus am Bostonring in Pattonville, das gestern Richtfest gefeiert hat, verspricht, ein Wohlfühlort für Kinder und Erzieher zu werden. Von "Offenheit" und "Durchlässigkeit" sprach denn auch Jörg Lindenberger, der Architekt des Baus, in seinem Grußwort.
Rund 2,7 Millionen Euro soll der Bau insgesamt kosten, für den Ende März der erste Spatenstich gemacht wurde. 1000 Quadratmeter Nutzfläche werden voraussichtlich ab April kommenden Jahres für die Kinderbetreuung zur Verfügung stehen. Dazu kommt eine große Freifläche mit 3000 Quadratmetern, ein öffentlicher Spielplatz östlich des Kinderhauses und Veranden auf beiden Etagen. Die Trägerschaft für die Einrichtung des Zweckverbands Pattonville/Sonnenberg hat die Arbeiterwohlfahrt (Awo) übernommen. Sie wird vier Gruppen in die Kindertagesstätte aufnehmen: zwei für Kinder über drei Jahren und zwei für unter Dreijährige. Einzugsbereich für den neuen Kindergarten wird hauptsächlich der neue Pattonviller Bauabschnitt VII sein, kündigt Annette Pauleit, die beim Zweckverband für die Kindergärten zuständig ist, an. Aber je nach Bedarf würden auch Kinder aus anderen Teilen Pattonvilles aufgenommen.
Wie genau das Haus genutzt wird und mit welchen Kindergruppen es belegt wird, ist allerdings noch nicht festgelegt. Das Gebäude soll auch viele Möglichkeiten bieten: Flexible Wände erlauben unterschiedlichste Gestaltungsvarianten, und die Zimmer sind multifunktional angelegt. Es gibt ein Wickelzimmer, und eine Küche mit Essensausgabe bietet prinzipiell die Möglichkeit zur Ganztagesbetreuung. Die Flexibilität ist gewünscht, nicht nur was die Kinderbetreuung angeht. "Das Haus kann später zum Beispiel auch mal als Seniorenbegegnungsstätte genutzt werden", erklärt Wolfgang Stehmer, der Awo-Kreisvorsitzende, schließlich wüsste man nicht, wie sich die Geburtenrate entwickelt und wofür in Zukunft Bedarf bestünde.
Für den Zweckverband lobte der Vorsitzende Karl-Heinz Schlumberger den Bau. "Er ist geeignet für unter Dreijähige, als Hort, für was man möchte." Besonders hat es ihm aber der Ausblick angetan, den die Ortsrandlage ermöglicht. "Der ist beeindruckend", befand er. Ein wunderbares Haus sei am Entstehen. Angesichts der Konstruktion, die in ähnlicher Form auch beim neuen Hochberger Kindergarten zu finden ist, will Schlumberger geradezu eine "Renaissance des Holzbaus" ausgemacht haben. Den Richtspruch hielt Zimmerer Karl-Heinz Schaible, der in gereimter Form daran erinnerte, dass Kindergärten für die moderne Gesellschaft ungemein wichtig sind.