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Eröffnet, demoliert, und jetzt gesperrt

"Nord-Rundschau", vom 03.08.2010 02:46 Uhr
Stammheim. Am Donnerstag wurde der Treffpunkt für Jugendliche eingeweiht, gestern musste er geschlossen werden. Von Chris Lederer

Die offizielle Eröffnung des Bauwagens an der Ottmarsheimer Straße sollte eigentlich mit einem kleinen Fest am Donnerstag gefeiert werden. Ein Fest, organisiert vom örtlichen Jugendrat. Ein Fest, zu dem auch vor allem Stammheimer Jugendliche und Anwohner kommen sollten. Tatsächlich ließen sich bei der Eröffnung mehr Erwachsene blicken als Jugendliche. Nur drei von elf Mitglieder des Jugendrats waren dort. Dazu unter anderem eine Hand voll Anwohner sowie Bezirksvorsteherin Tina Hülle, ihre Stellvertreterin Susanne Laufenberg, zwei Bezirksbeiräte und die Stadträtinnen Silvia Fischer (Grüne) und Judith Vowinkel (SPD). "Ich bin schon enttäuscht vom Jugendrat, dass nur so wenige Mitglieder gekommen sind und auch sonst überhaupt keine Jugendlichen da sind", sagte Bezirksvorsteherin Tina Hülle. Ihrer Meinung nach hätten die Jugendlichen bei ihren Altersgenossen mehr für die Einweihungsfeier werben sollen. Das Projekt an sich hält Hülle nach wie vor für sinnvoll, auch wenn sich Anwohner gegen den Standort ausgesprochen hätten. "Der Bauwagen als Treffpunkt war ein Wunsch der Jugendlichen. Irgendwo müssen sie hin. Jetzt muss man sehen, wie der Wagen angenommen wird, dann sieht man weiter." Die Anwohner, die bei der Einweihung vor Ort gewesen seien, hätten durchaus auch Verständnis für das Projekt geäußert. Susanne Laufenberg ergänzt: "Wenige Anwohner haben den Bauwagen an sich kritisiert, sondern sie haben berichtet, dass es in der Vergangenheit an der Stelle schon immer Probleme mit lärmenden Jugendlichen gegeben habe. "Ich hatte gehofft, dass Nutzer und Anwohner bei der Einweihung ins Gespräch kommen, aber das war Mangels Nutzer nicht der Fall."

Die Jugendräte, die zur Einweihung gekommen waren, zählen sich selbst nicht zur Zielgruppe. "Ich selbst treffe mich bei Freunden oder anderswo", sagt Jugendratssprecherin Sara Schäfer. Sie hoffe aber, dass die Jugendlichen, die sich am Bauwagen treffen, damit pfleglich umgehen.

Ein frommer Wunsch. Die Erfahrungen, die bislang mit dem hölzernen Unterschlupf gemacht wurden, lassen nichts Gutes ahnen. Schon vor der offiziellen Einweihung hatten Unbekannte eine Holzbank darin demoliert und abgefackelt. Am Samstag, also nur zwei Tage nach der Einweihung, waren erneut Teile der hölzernen Innenverkleidung abgerissen und Bleche verbogen. "Mütter haben uns darauf hingewiesen, dass das abgesplitterte Holz und die scharfkantigen Bleche gefährlich seien", sagt Revierleiter Dieter Steinmann. "Wir haben die Verantwortlichen Stellen bei der Stadt informiert." Steinmann sieht das Projekt kritisch. "Wenn man nur einen Bauwagen hinstellt, der sich selbst überlassen wird und nicht beaufsichtigt wird, dann ist so ein Projekt auf lange Sicht zum Scheitern verurteilt." Es reiche aus, dass ein paar Chaoten dort gelegentlich wüteten. Es werde immer wieder Probleme wegen Müll und Lärm und Sachbeschädigungen geben. "Was wir in Stammheim bräuchten, wäre Mobile Jugendarbeit", wird Steinmann nicht müde zu betonen.

Jugendhausleiter Michael Klamm fährt zwar hin und wieder bei seinen Runden durch den Stadtbezirk auch am Bauwagen vorbei, er stellt aber klar: "Es handelt sich hier um einen Unterschlupf in öffentlichem Raum, mehr nicht. Der Bauwagen ist kein betreuter Jugendtreff." Wenn er unbeaufsichtigt sei, müsse man mit Beschädigungen rechnen. "Es tut weh, das mitanzusehen, aber die Jugendlichen sind selber schuld, wenn sie den Wagen demolieren - sie sägen an dem Ast, auf dem sie sitzen."

"Wenn man nur das Negative sieht, könnte man jedes Jugendprojekt von vornherein lassen", sagt Roland Kelm, der städtische Koordinator für Jugendbeteiligungen. "So ein Projekt ist immer auch ein Wagnis." Man müsse auch die Chance sehen, die so ein Treffpunkt den Jugendlichen biete. "Der Stammheimer Bauwagen ist ein tolles und einmaliges Projekt in Stuttgart - es ist spannend zu sehen, ob es auch klappt."

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