Erneuerbare Energien Förderkosten für Öko-Energie steigen

Von Walther Rosenberger 

Energie bleibt teuer Foto: fotolia
Energie bleibt teuerFoto: fotolia

Der Ölpreis ist auf Talfahrt,und auch andere Energieträger werden günstiger. Mit Blick auf die Strompreise steht der Südwesten sogar besonders gut da. Aber es gibt auch gegenläufige Trends bei den Kosten von Energie. Ein Überblick:

Strom – Nicht gerade günstig

Verglichen mit der Eurozone sind die Strompreise in Deutschland nach Daten des Leipziger Instituts für Energie (IE) sehr hoch. Inflationsbereinigt lag der Haushaltsstrompreis in Deutschland im Jahr 2014 einschließlich aller Steuern, Abgaben und Umlagen um knapp 47 Prozent über dem EU-Durchschnitt. Ursächlich dafür sind unter anderem Kostenbelastungen durch die Energiewende. So wird die sogenannte EEG-Umlage, über die der Ausbau erneuerbarer Energien gefördert wird, im kommenden Jahr wahrscheinlich erhöht. „Nach unseren Berechnungen wird die EEG-Umlage 2016 auf gut 6,5 Cent je Kilowattstunde steigen“, sagte IE-Geschäftsführer Werner Bohnenschäfer.

Aktuell beträgt die Umlage 6,17 Cent. Viele Experten hatten damit gerechnet, dass die Umlage 2016 gleich bleibt, oder gar fällt. Dieses Szenario wird laut Bohnenschäfer nun jedoch nicht eintreten, weil „finanzielle Puffer“ anders als im vergangenen Jahr fehlen. Damals sank die Umlage erstmals. Außerdem könnte der extrem heiße Sommer die Förderkosten weiter nach oben treiben, sagte Bohnenschäfer. Solaranlagen laufen in Deutschland seit Wochen unter Volldampf und speisen viel Solarstrom ins Netz ein. Allerdings wäre es falsch zu vermuten, dass Energie nur im Energiewendeland Deutschland teurer wird.

In den vergangenen sieben Jahren sind die Preise in Deutschland um knapp 30 Prozent nach oben geklettert, in der EU immerhin noch um knapp 14 Prozent. In Baden-Württemberg kommen die Haushalte ganz gut weg. Statistisch gesehen werden hierzulande je Kilowattstunde rund 27,3 Cent fällig – rund zwei Cent weniger als im teuersten Bundesland Hamburg. Bis zum Jahr 2020 wird der Strompreis laut IE-Prognosen leicht auf 32,5 Cent ansteigen.

Billigstrom – Nur für manche

Unternehmen bezahlen deutlich günstigere Strompreise als Haushalte, weil sie von staatlichen Steuern und Abgaben, die aktuell rund 52 Prozent des Haushaltsstrompreises ausmachen, teilweise befreit sind. Allerdings gibt es Unterschiede. Energieintensive Betriebe müssen für Strom nur rund ein Sechstel von Privatverbrauchern auf den Tisch legen. Mit 5,2 Cent bekamen sie 2014 Energie zum Spottpreis. Bei Mittelständlern mit geringeren Energieverbräuchen sieht es anders aus. Sie bezahlten rund die Hälfte von Otto Normalverbraucher – 15,5 Cent.

Gas – Im Südwesten teuer

Gas ist in Baden-Württemberg kein Billig-Brennstoff. Mit knapp sieben Cent pro Kilowattstunde liegen die Endverbraucherpreise rund einen halben Cent über dem Bundesdurchschnitt. In Ostdeutschland ist Gas billiger, was unter anderem an den kürzeren Transportwegen von Russland liegt. Zwischen 2013 und 2014 haben die Verbraucher kontinuierlich mehr fürs Gas gezahlt – eine Entwicklung, die sich in der Entwicklung der Großhandelspreise so nicht widerspiegelt. Die Fachleute vom IE gehen daher davon aus, dass es den Gasversorgern gelungen ist, ihre Gewinnspannen auszuweiten.

Öl und Sprit – Auf Talfahrt

Öl ist derzeit günstig. Zur Wochenmitte kostete ein Fass der Nordseesorte Brent nur noch gut 38 Euro. Im Moment merken das vor allem die Autobesitzer. Superkraftstoff ist für rund 1,30 Euro je Liter zu haben, Diesel kostet etwa 1,05 Euro. Ob und wie lange der Abwärtstrend anhält, ist ungewiss. Zumindest die hohe Spreizung zwischen Diesel- und Benzinnotierungen dürfte in den kommenden Wochen zusammenschrumpfen. Aktuell ist Benzin aufgrund hoher Fahraktivitäten auf dem größten Sprit-Markt der Welt – den USA – knapp. Die Lust Amerikas auf Mobilität endet aber meist pünktlich zu Beginn der kälteren Jahreszeit. Das entspannt die Lage.

Heizöl – Es geht abwärts

Heizöl wird günstiger – zumindest vermuten das die IE-Experten. „Nach unseren Prognosen werden die Heizölpreise für Haushaltskunden bis 2020 nicht wieder das Preisniveau von 2014 erreichen“, schreiben die Fachleute in ihrem diesjährigen Energiepreisbericht. Die Forscher schätzen, dass 100 Liter Heizöl im Jahr 2020 für insgesamt 65,6 Euro in den Tank fließen. Heute sind es durchschnittlich knapp 77 Euro. Allerdings weisen die Experten auf die Unsicherheit der Prognose hin, die beispielsweise politische Verwerfungen in Lieferländern nicht berücksichtigt und davon ausgeht, dass der Euro wieder an Stärke gegenüber dem Dollar gewinnt. Dieser Effekt würde sich preisdämpfend auf die Heizöl- aber auch die Spritpreise im Euroland auswirken.

Pellets – Wieder günstiger

2014 kostete eine Tonne Holzpellets in Deutschland 264 Euro im Durchschnitt. Damit sind Pellets wieder die billigste Art zu heizen – noch vor Erdgas und Öl. Dies war über lange Jahre nicht mehr der Fall, weil sich die Holzköttel aufgrund der hohen Nachfrage ab 2008 überproportional verteuert hatten – ein Trend, der nun gebrochen scheint. Wenn man allerdings die relativ hohen Anschaffungskosten für Pelletheizungen einrechnet, kippt die Rechnung auch nach aktuellen Daten wieder zu Gunsten einer Gasheizung. In Zukunft sollen die Pelletpreise nach IE-Prognosen leicht steigen.

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Biotechproduktion Zusammen schwach

Von 26. September 2016 - 20:54 Uhr

Die Politik scheint die Dynamik der Biotechproduktion zu unterschätzen, meint Rüdiger Bäßler. Das ist gefährlich, kommentiert unser Redakteur Rüdiger Bäßler.