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Erfahrung trifft auf Wagemut

"Kornwestheim und Kreis Ludwigsburg", vom 24.09.2011 02:41 Uhr
Kornwestheim Der Verein "Senioren helfen Junioren" bietet künftig in der Stadt eine Sprechstunde an. Von Werner Waldner

In der übernächsten Woche wird Volker Kamphausen das erste Mal im Kornwestheimer Rathaus sitzen und Menschen beraten, die ein Unternehmen gründen wollen. Was und wer ihn erwartet, das weiß der 62-jährige Finanzexperte - Kamphausen hat im Vorstand der Sparkasse Pforzheim/Calw gearbeitet - noch nicht. Aber Kamphausen macht nicht den Eindruck, dass ihn irgendwas überraschen kann.

Der Mühlackerer gehört zu dem Verein "Senioren helfen Junioren", in dem sich ältere Experten zusammengeschlossen haben, die ihren Ruhestand nicht daheim auf dem Sofa oder auf dem Golfplatz verbringen wollen, sondern die ihr Wissen jungen Existenzgründern weitergeben wollen. Kamphausen tut das seit vielen Jahren und er hat schon einer Reihe von Jungunternehmen geholfen - und vielen Menschen auch davon abgeraten, den Weg in die Selbstständigkeit zu gehen. Wer nach Einschätzung von Kamphausen kein Unternehmertyp ist oder die falsche Geschäftsidee hat, der darf nicht auf die Unterstützung des Vereins hoffen.

Ganz unterschiedlichen Unternehmungen haben Kamphausen und seine Kollegen schon auf den Weg geholfen. Kosmetikstudios, Mietwagenverleih, Kebap-Bude oder mobile Fußpflege - das Spektrum ist groß. Zu den Vorzeigeprojekten gehört das Hostel in Heidelberg, das eine junge Frau mit Hilfe des Vereins eröffnet hat. Eineinhalb Jahre, erzählt Kamphausen, habe die Suche nach einer geeigneten Immobilie gedauert. Der Verein habe der Frau zur Seite gestanden, weil er von der Geschäftsidee überzeugt gewesen sei. Mitunter raten die Senior-Experten auch zu einer Änderung der Geschäftsidee. Ein Existenzgründer wollte ein Textilkaufhaus mit Produkten nur für Männer gründen. "Senioren helfen Junioren" rieten ihm ab. Mindestens 70 Prozent der Artikel müssten für Frauen sein, empfahlen sie dem Jungspund. Wie recht die Senioren hatten: Mittlerweile, erzählt Kamphausen von dem Fall, verkaufe der Existenzgründer nur noch Frauenkleidung. . .

Leisten kann sich die Hilfe der Senioren fast jeder. 100 Euro nimmt der Verein pro Beratung. Läuft das Engagement auf eine intensivere Betreuung hinaus, dann sind Beträge zwischen 25 und 50 Euro pro Stunde fällig. Die Experten selbst erhalten von dem Geld keinen Pfennig. Das Geld fließt in die Vereinskasse, lediglich Fahrtkosten dürfen abgerechnet werden.

In einer Reihe von baden-württembergischen und rheinland-pfälzischen Städten ist der Verein bereits vertreten. Auch in Stuttgart bietet er Sprechstunden an, im Landkreis Ludwigsburg bisher noch nicht. Das ändert sich mit dem Engagement in Kornwestheim. Bürgermeister Dietmar Allgaier sieht das Angebot als gute Ergänzung zum Gründerzentrum Techmoteum, mit dem die Stadt Jungunternehmern aus den Bereich Technik, Mobilität und Umwelt gute Bedingungen für einen Start in die Selbstständigkeit biete. Das Techmoteum biete viel, bisher aber noch keine Unterstützung in inhaltlichen Fragen, so Allgaier. Diese Lücke schließe der Verein. Die Stadt dankt "Senioren helfen Junioren" mit einer Spende von jährlich 500 bis 1000 Euro - je nachdem, wie viele Möchtegernunternehmen Rat und Hilfe in den Sprechstunden suchen.

Im Verwaltungs- und Finanzausschuss des Gemeinderats stellte Volker Kamphausen den Verein, der seinen Sitz in Böblingen hat, am Donnerstagabend vor. Die Stadträte lobten das Engagement.

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