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Entwicklungshelfer setzt auf Nachhaltigkeit und Verantwortung

"Kornwestheim und Kreis Ludwigsburg", vom 22.05.2010 04:32 Uhr
Kornwestheim Franz Groll hat über sein Engagement für die Erdbebenopfer in Haiti berichtet. Gemeinsam mit einem Verein will er eine technische Berufschule bauen. Von Mark Schenkel

Eigentlich hatte sich Franz Groll bereits vor einigen Jahren einer Herausforderung gestellt. Der gelernte Maschinenschlosser und Ingenieur arbeite ab 1994 für fünf Jahre als Entwicklungshelfer im der Stadt Jérémie in Haiti. Mit seiner Frau Marie-Josée war er maßgeblich am Aufbau und der Leitung eines Berufsausbildungszentrums und zweier Montessorischulen in einem der ärmsten Länder der Welt beteiligt. Dann die Katastrophe vom 12. Januar: Ein verheerendes Erbeben erschüttert Teile der Insel und verwüstet das Land. Genau für diesen Tag hatte Groll eine Reise nach Haiti geplant. Nun will das Ehepaar noch einmal für zwei Jahre in den Karibikstaat gehen und beim Wiederaufbau helfen.

Auf Einladung des Kornwestheimer Ortsvereins der Linkspartei berichtete Franz Groll im Parkrestaurant von seinen Erfahrungen und von seinen konkreten Plänen: Der 66-Jährige, aktiv bei der Linken, war wieder in Haiti und hat Bilder mitgebracht, die unter die Haut gehen: von völlig zerstörten Gebäuden oder notdürftig eingerichteten Verschlägen auf dem Mittelstreifen einer vierspurigen Straße. "Das wird in den nächsten Jahren die Heimat für diese Menschen sein, der Aufbau der zerstörten Städte wird sehr lange dauern." Gemeinsam mit dem Verein Pro Haiti will Groll ein ambitioniertes Entwicklungshilfeprojekt umsetzen. Die 200 000 Einwohner der Hafenstadt Léogâne wurden vom Beben besonders hart getroffen: Weite Teile des Ort sind zerstört, tausende Menschen kamen ums Leben. Dort soll eine technische Berufsschule entstehen, an der Bauhandwerker ausgebildet werden.

Die Bauindustrie wird noch auf Jahre mit der Beseitigung der Schäden beschäftigt sein. Doch nicht nur ausgebildet wird an der Einrichtung: "Es soll von Anfang an auch produziert werden." Eines der Hauptprobleme von Haiti ist die geringe Industrieproduktion, bereits vor dem Erdbeben. "Es muss nahezu alles importiert werden", berichtet Franz Groll. Umso schwieriger wird es für das Land, irgendwann nicht mehr in Abhängigkeit von Geberländern und Hilfsorganisationen zu stehen. Also sollen Baustoffe, Türen und Fenster soweit möglich vor Ort hergestellt werden.

Internationale Organisationen haben das Land nach dem 12. Januar geradezu überschwemmt. Doch auch diese Hilfe hat zwei Seiten: "Die massiven Lebensmittellieferungen haben die heimische Landwirtschaft praktisch zerstört", so Groll: Der Anbau und Verkauf von Reis lohne sich schlicht nicht mehr. Viele Hilfsaktionen würden nur schlecht koordiniert und seien unübersichtlich.

Damit das Projekt in Léogâne besser läuft, setzen Groll und der Verein Pro Haiti auf zwei Säulen: einheimische Verantwortung und Nachhaltigkeit. "Wir werden von Anfang an einen haitianischen Direktor für die Schule haben. Außerdem werden lokale Bauhandwerker angeheuert und die Auszubildenden betreuen." Hilfe zu Selbsthilfe bleibe das Ziel, betont der 66-Jährige: "Es wird lange nur um die Beseitigung der Schäden gehen. Aber irgendwann wird es nicht mehr reichen, nur ein paar Fenster herzustellen. Langfristig sollen Güter produziert werden, die man auch exportieren kann."

Nicht nur über Zerstörung und die Ohnmacht über das Ausmaß der Naturkatastrophe berichtet der Referent: Er zeigt auch Bilder von der Tatkraft und dem Fleiß der Haitianer. In allen größeren Städten reihen sich selbst gezimmerte Verkaufsstände dort aneinander, wo früher die Geschäfte standen. Teilweise wurden diese Märkte auf den Ruinen eingestürzter Gebäude errichtet: "Inzwischen ist fast jeder in Haiti irgendwie ein Händler."

Info Weitere Informationen zum Hilfsprojekt in Léogâne auf der Homepage des Vereins Pro Haiti unter www.pro-haiti.de.

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