Entführter Bahlsen-Keks Geldstrafe fürs Krümelmonster?

Carolin Sadrozinski, 04.02.2013 18:11 Uhr
Der Dieb des vergoldeten Bahlsen-Kekses will seine Beute zurück geben. Damit ist der Fall aber noch lange nicht abgeschlossen. Warum, erklärt ein Stuttgarter Strafrechtler.

Hannover - Der vergoldete Bahlsen-Keks könnte bald wieder an der Fassade des Unternehmens glänzen. Sein als Krümelmonster bekannt gewordener Dieb hat angekündigt, das etwa 20 Kilo schwere Wahrzeichen zurückgeben zu wollen. Das aus Schlagzeilen zusammengeschnipselte Schreiben ging am Montag bei der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ ein. Darin heißt es: „Weil der Werni den Keks so lieb hat wie ich und der jetzt immer weint und den Keks ganz dolle vermisst geb ich den zurück!!!“ Mit Werni ist Firmenchef Werner M. Bahlsen gemeint. Wann die Übergabe stattfinden soll, ist nicht bekannt.

Der Keks-Krimi, der weltweit für Schlagzeilen gesorgt und dem Dieb zahlreiche Sympathiebekundungen beschert hat, ist damit allerdings nicht erledigt. Selbst wenn sich der Dieb mit Bahlsen einigen würde, müssten die Behörden weiter wegen Diebstahls und versuchter Erpressung ermitteln, erklärt der Stuttgarter Strafverteidiger Achim Wizemann: „Wenn sich jemand wie Robin Hood verhält, macht er sich strafbar“, sagt er. Allerdings wirke es sich strafmildernd aus, wenn ein Dieb nicht aus Eigeninteresse handelt. Im konkreten Fall könnte er mit einer Geldstrafe davonkommen. Theoretisch sei auch eine Freiheitsstrafe möglich.

Auch PR-Aktion wäre eine Straftat

In einem ersten Brief hatte der Erpresser Bahlsen aufgefordert, Kekse an ein Kinderkrankenhaus und 1000 Euro an ein Tierheim zu spenden. Andernfalls lande das Wahrzeichen im Müll. Das Unternehmen hatte daraufhin angeboten, 52 000 Kekspackungen an 52 soziale Einrichtungen zu spenden, wenn sein Wahrzeichen wieder auftaucht.

Es ist immer noch unklar, ob die Briefe tatsächlich vom Dieb oder von einem Trittbrettfahrer stammten, sagte eine Polizeisprecherin. Dass es sich um eine PR-Aktion des Keksherstellers handeln könnte, hält Wizemann für unwahrscheinlich. „Dann hätte das Unternehmen eine Straftat vorgetäuscht und sich selbst strafbar gemacht“, sagt der Anwalt. So etwas könnte relativ hohe Geldstrafen nach sich ziehen. „Da verstehen die Gerichte keinen Spaß.“

 
 
Kommentare (5)
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WeißundBlau Ist schon länger als 1 Jahr her
Ja, nur passt der furtum usus - danke dass Sie ihn erwähnt haben - nicht ganz. Dieser furtum usus (Gebrauchsanmaßung) meint, dass etwas nur unberechtigt benutzt aber später wieder - innerhalb angemessener Frist, ohne dass sich der Verlust für das Opfer als endgültig darstellt - zurückgebracht wird. Zum Zeitpunkt der Wegnahme muss also subjektiv bereits der Wille vorhanden sein, die Sache zurückzugeben. War es das aber, sprich hatten die Täter, Zeugen sprachen von zwei dunkel gekleideten Männern, vor den Keks seinem Eigentümer wieder zurückzugeben? Zumindest die Verlautbarungen der Täter lassen daran zweifeln. Es hieß ja bekanntlich, der Keks käme erst nach einer gewissen Spende zurück, also war keine Absicht erkennbar das Diebesgut wieder zurückzugeben.
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A. Kupf Ist schon länger als 1 Jahr her
Im subj. TB fehlt es an der Zueignungsabsicht. Desweiteren könnte man hier auch einen straflosen furtum usus annehmen. Schöner Fall für juristische Erstsemester.
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WeißundBlau Ist schon länger als 1 Jahr her
Diebstahl bleibt Diebstahl und somit ein Straftatbestand. Da gibt es, rein juristisch, keinen Zweifel. § 242 Strafgesetzbuch Diebstahl sagt hierzu, dass '(1) Wer eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. (2) Der Versuch ist strafbar.' ist. § 253 Strafgesetzbuch Erpressung hierzu: '(1) Wer einen Menschen rechtswidrig mit Gewalt oder durch Drohung mit einem empfindlichen Übel zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassung nötigt und dadurch dem Vermögen des Genötigten oder eines anderen Nachteil zufügt, um sich oder einen Dritten zu Unrecht zu bereichern, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. (2) Rechtswidrig ist die Tat, wenn die Anwendung der Gewalt oder die Androhung des Übels zu dem angestrebten Zweck als verwerflich anzusehen ist. (3) Der Versuch ist strafbar. (4) In besonders schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr. Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn der Täter gewerbsmäßig oder als Mitglied einer Bande handelt, die sich zur fortgesetzten Begehung einer Erpressung verbunden hat.' Der Diebstahl des Kekses ist eindeutig eine Straftat, genauso wie die Erpressung eine ist. Unter Umständen könnten auch die Verantwortlichen für das Krümelmonster gegen die Täter vorgehen. Werden sie wohl aber nicht machen; immerhin hat ja das Krümelmonster Hilfe bei der Aufklärung versprochen. Andererseits wurde das Krümelmonster, das keinen Keks stiehlt und gegessene Kekse nicht zurückgibt - ist aber auch klar - für eine Tat verantwortlich gemacht, die es nicht begangen hat. Wie gesagt, Straftat bleibt Straftat.
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Albert Seitzer Ist schon länger als 1 Jahr her
Wer daraus eine Straftat konstruieren will ist ein echter Rechtsverdreher. Das ganze ist offensichtlich, ein sogar gutmütiger, Scherz, schädigt niemand, im Gegenteil, alle Beteiligten haben ihren Spaß. Sollte dieser Fall eine Behörde ernsthaft beschäftigen, dann stimmt was nicht. Dazu ist auch noch Fasching. Tatsächlich entwickelt sich unser Rechtssystem in eine katastrophale Richtung. Große Betrügereien mit immensem Schaden werden vom Parlament legalisiert und strafrechtlich somit nicht verfolgt. Ein paar Beispiele: Betrugszertifikate, Leerspekulationen, S21, BER, Philhamony, verfassungswidriger Kauf der EnBW, usw.. Kennzeichen eines derartigen korrupten Systems ist, dass gleichzeitig die Geschädigten zur Kasse gebeten und sogar bestraft werden. So dürfen zum Beispiel Abmahnbetrüger legal Kinder abzocken. Dazu wird sogar eine Straftat konstruiert, die oft auf falschen ID-Nummern basiert. Es kann mir doch keiner erzählen, dass die Abgeordneten so blöd sind, dass sie das nicht wüßten!
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Andrea Ist schon länger als 1 Jahr her
Also zu dieser Sache sage ich mal: es kommt darauf an, was wirklich hinter dieser Sache stehen soll. Wenn es wirklich ein verunglückter lieb gemeinter Gag war (Forderung waren 52.000 Kekspackungen an die Kinderkrebsstation im Kinderkrankenhaus Hannover-Langenhagen und eine Spende an ein Tierheim), dann könnte man über eine gütliche Einigung ohne Strafanzeige reden. Aber als Bedingung dafür würde ich folgende Dinge sehen: 1. Rückgabe dieses goldenen Kekses ohne Vorbedingungen 2. Offenbarung, wer hinter dieser Maske steckt. Denn wenn es ein guter Bekannter vom Chef von Bahlsen oder ein Promi sein sollte, dann wäre hier sogar ein persönliches Gespräch besser. Denn immerhin hat dieses Krümelmonster den Chef von Bahlsen mit 'Werni' angesprochen, was den Schluss zulässt. Wenn diese beiden Bedingungen erfüllt sind, dann kann man auch über eine gütliche Beilegung ohne Strafanzeige reden und es vielleicht wirklich noch in einen PR-Gag umwandeln. Aber nur dann.
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