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Entbindungen in Stuttgart Geburtskliniken im Konkurrenzkampf

Von Carolin Stihler 

Der Neubau der Kinderklinik Olgahospital und Frauenklinik auf dem Areal hinter dem Katharinenhospital Foto: Klinik
Der Neubau der Kinderklinik Olgahospital und Frauenklinik auf dem Areal hinter dem KatharinenhospitalFoto: Klinik

Viele werdende Mütter spricht das Angebot der Frauenklinik im Neubau an. Doch bei der Konkurrenz stößt das Werben mit der Wand-an-Wand-Lösung zum Olgahospital auf Kritik.

Stuttgart - Der Konkurrenzkampf unter den Stuttgarter Geburtskliniken hat sich verschärft, seit die Frauenklinik zusammen mit dem Olgahospital im Mai 2014 in den Neubau in der Kriegsbergstraße gezogen ist. Denn das Angebot der Frauenklinik in direkter Nähe zur Kinderklinik ist bei werdenden Müttern beliebt. Das belegen die Geburtszahlen: Trotz des Umzugs von Bad Cannstatt in die Stadtmitte und der damit verbundenen Querelen verzeichnete die Geburtsklinik 2014 ein Spitzenjahr mit 3038 Geburten – 304 Geburten mehr als im Jahr zuvor. Für das laufende Jahr geht das Klinikum sogar von 3330 Geburten aus.

Die Geburtenrate in Stuttgart steigt wieder leicht an, und die drei großen Stuttgarter Geburtskliniken ziehen auch werdende Eltern aus dem Umland an. Trotzdem buhlen die Kliniken um jeden Patienten, und der Ton wird rauer. „Etwas Neues ist anfangs reizvoll, und wir haben deshalb die Konkurrenz zu spüren bekommen“, sagt Privatdozent Dr. Manfred Hofmann, Leiter der Gynäkologie und Geburtshilfe im Marienhospital.

927 Geburten verzeichnete die Klinik im Jahr 2014 – und damit rund 70 Geburten weniger als im Vorjahr. „Das holen wir jetzt aber wieder auf“, gibt sich Hofmann kämpferisch. Mit Angeboten wie einer kostenlosen Nacht für Väter im Familienzimmer will er das schaffen. Schließlich wolle das Marienhospital mit familiärer Atmosphäre punkten. Dazu gehöre es auch, Müttern durchschnittlich einen Tag länger im ­Krankenhaus zu gewähren, als es in der Frauenklinik üblich sei. „Außerdem muss die Frauenklinik Schwangere ablehnen und Neugeborene in andere Kinderkliniken ­verlegen, weil sie Kapazitätsprobleme hat“, sagt ­Hofmann. Das werde sich mit der Zeit ­herumsprechen.

Die Frauenklinik behandelt auch komplexe Schwangerschaften

Dass in der Frauenklinik „in sehr seltenen Fällen“ Schwangere abgelehnt werden, will Prof. Jürgen Graf, Klinischer Direktor des Klinikums Stuttgart, gar nicht abstreiten. „Das liegt daran, dass wir einen Großteil der Risikoschwangerschaften und Mehrlingsgeburten auch aus dem Umland übernehmen“, sagt Graf. Über den großen Andrang sei man im Klinikum anfangs auch überrascht gewesen. So sei es vorgekommen, dass die fünf Kreißsäle belegt waren und man dann einen weniger komplizierten Fall ablehnen musste. „Da stoßen auch wir an Kapazitätsgrenzen.“ Dass Neugeborene in andere Kliniken verlegt werden, liegt laut Graf daran, dass sie in Wohnortnähe untergebracht werden, sobald es der Gesundheitszustand erlaubt. „An den komplizierten Geburten verdienen wir nicht mehr Geld – ganz im Gegenteil“, sagt Graf. Doch aufgrund der speziellen Stärke des Perinatalzentrum zusammen mit der Klinik für Neonatologie und neonatologische Intensivmedizin im Olgahospital sehe sich das Klinikum in der Pflicht, die komplizierten Fälle zu betreuen.

Bei der Konkurrenz stößt das Werben mit der Wand-an-Wand-Lösung von Frauenklinik und Olgahospital auf Kritik: „Da wird auch eine Angst unter den Frauen verbreitet, dass sie zur Geburt eine Kinderklinik in der Nähe haben müssen“, sagt Hofmann. Dabei hätten auch andere Geburtskliniken einen Kinderarzt an Ort und Stelle. „Falls es einen Notfall geben sollte, ist ein Kinderarzt in drei Minuten zur Stelle“, sagt Hofmann.

Auch das Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK) mit dem Charlottenhaus sieht sich bei Notfällen gewappnet. Die Abteilung kooperiere eng mit der Kinderklinik in Ludwigsburg, außerdem sei ein Kinderarzt rund um die Uhr anwesend, sagt eine Sprecherin der Klinik. Neugeborene müssten deshalb kaum mehr in andere Kinderkliniken verlegt werden. Durch dieses Angebot hat sich das Robert-Bosch-Krankenhaus für die Einrichtung eines Perinatalen Schwerpunkts qualifiziert, der Anfang 2011 eingerichtet wurde.

Zwei Wasserschäden führten zu hohem Erlösausfall in der Frauenklinik

Im Klinikum Stuttgart fühlt man sich missverstanden: „Wir wollen keine Ängste schüren. Eine Geburt ist keine Krankheit, und in den meisten Fällen ist kein Kinderarzt nötig“, erklärt Graf. Doch bei seltenen, komplexeren Fällen habe man im Olgahospital Experten, die damit umgehen könnten.

Dabei lief die Anfangsphase für Frauenklinik und Olgahospital alles andere als optimal. Gleich zwei Wasserschäden beeinträchtigten die Freude am Neubau massiv. Der erste Wasserschaden war in einer Bettenstation, auf der in der Zeit von November 2014 bis April 2015 drei Zimmer mit insgesamt sechs Betten nicht genutzt werden konnten. Dies wurde dadurch kompensiert, dass Einzelzimmer doppelt belegt wurden. Der Erlösausfall lag bei rund 40 000 Euro. Der zweite Wasserschaden auf einer Bettenstation in der Zeit von Januar bis April 2015 betraf ein weiteres Zimmer. Dadurch wurden zwei Betten in Mitleidenschaft gezogen worden, was nicht anderweitig kompensiert werden konnte. Die Folge: ein Erlösausfall von 70 000 Euro.

Nun – da die Folgen des Wasserschadens beseitigt sind – kann die Frauenklinik endlich unter Volllast arbeiten. Damit kann sich die Zahl der Geburten noch steigern – und so wird der Wettbewerb noch intensiver.

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