Energiekonzern Energiewende kostet 1350 Jobs

Klaus Köster, 22.12.2012 08:00 Uhr

Stuttgart - Rund 100 Milliarden Kilowattstunden hat die EnBW von Januar bis September dieses Jahres abgesetzt – diese Energie würde ausreichen, um alle 40 Millionen Autos in Deutschland jeweils 20.000 Kilometer weit mit einem E-Motor fahren zu lassen. Doch zugleich bedeutet diese Zahl für den Konzern ein Minus von 13 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres. Hinzu kommt, dass die boomende Erzeugung von Strom aus Wind- und Sonnenenergie massiv auf die Preise an den Börsen drückt, über die die EnBW einen Teil ihres Stroms verkauft.

EnBW will insgesamt 750 Millionen einsparen

Um diese Belastungen aufzufangen, will die EnBW nun das bereits beschlossene Sparprogramm „Fokus“ beschleunigen. Statt Ende 2014 soll es bereits Ende des kommenden Jahres voll greifen und Jahr für Jahr 750 Millionen Euro einsparen. Ein zentrales Element ist der Abbau von 1350 Stellen im Konzern. Auf ein entsprechendes Papier haben sich Konzernleitung und Arbeitnehmervertreter geeinigt. Dabei will das Unternehmen auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten, die ohnehin durch eine Betriebsvereinbarung bis 2016 ausgeschlossen sind. Vielmehr will das Unternehmen versuchen, Mitarbeiter durch die Zahlung von Abfindungen oder durch Altersteilzeit zum freiwilligen Ausscheiden zu bewegen. Der Karlsruher Konzern erklärte, man reagiere mit der Beschleunigung „konsequent auf die unverändert schwierigen energiewirtschaftlichen Rahmen- und Marktbedingungen“.

Vor allem in der Verwaltung sollen Stellen abgebaut werden

Der Abbau wird sich nicht gleichmäßig über die Belegschaft erstrecken; der Schwerpunkt liegt vielmehr auf Stellen in der Verwaltung, auf die knapp 80 Prozent des geplanten Abbaus entfallen soll. Operative Funktionen, wie sie etwa zum Betrieb des Leitungsnetzes erforderlich sind, werden gut ein Viertel des Abbaus ausmachen.

Auch Beschäftigte, die ihre Stellen behalten, werden nach der Vereinbarung Einbußen hinnehmen müssen: Die Erfolgsbeteiligung für Mitarbeiter wird in den kommenden drei Jahren im Durchschnitt um 18 Prozent eines Monatsgehalts abgesenkt. Bei einem Monatsgehalt von 4000 Euro bedeutet dies eine jährliche Einbuße von 720 Euro.

 
 
Kommentare (6)
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JAN
04
Dieter Machmüller, 15:12 Uhr

Hier glauben doch tatsächlich einige Kleingeistige das nach dem Austieg aus dem Ausstieg und Kehrtwende zum Energetischem 'weiter so', alles wieder gut und Billig würde! Leute Ihr glaubt also auch das ein Zitronenfalter Zitronen faltet...

Wenn ich mir hier einige von den Kommentaren der Skeptiker der Energiewende so durchlese befällt mich ob der Einfältigkeit der Argumentation das kalte Grausen. Viele Schreiben ohne Basiswissen (was nach vier Jahren Grundschule normalerweise erreicht sein sollte...). Manche argumentieren mit nicht ganz wertfreiem vorgekautem der Intressenverbände der Energiwirtschaft. Die meisten jedoch aus reinem Bauchgefühl heraus: bei denen kommt der Strom aus der Steckdose, so war das immer schon und so soll es auch bleiben. Billiger darf es allenfalls werden, aber ansonsten nix kosten! Leute wacht auf!!!!!!!!!!! Selbst wenn wieder zurückgedreht würde zum 4. mal würde sich am Preis für die KW/h nichts ändern! Die Preise für Strom sind immer schön gestiegen. Mit und ohne Energiewende. Zur Erklärung verweise ich auf die Bilanzen der Energieversorger, hier der Blick bitteschön auf Gewinne nach Steuern setzen. Ein Anstieg von 5,768 Mrd € auf über 23,035 Mrd € im Zeitraum 2002 bis 2009. 2010, 2011 und mit Sicherheit auch in 2011 sind die Gewinne weiter gestiegen (Konsolidierte Zusammenfassungen müsste ich erst selbst erstellen oder suchen. Dazu habe ich keine Lust! Sucht selber, so lernt Ihr nebenbei noch etwas), Investitionen in Netze und Infrastruktur gleichbleibend auf niedrigem Niveau. Preise für die KW/h sind dramatisch angestiegen. Hier wird von den Claqeuren der 'neuen' alten AKW-Mähren immerwieder dem Paradigmenwechsel hin zu den regenerativen Energien der Schwarze Peter umgehangen. Ohne jedweden Nachweis! Nein, nicht die EEG ist schuld an den massiven Preisanstiegen für die Privathaushalte (lediglich 27% aller Stromverbraucher) sondern der Fakt das die EVUs Ihre Gewinne exorbitant nach oben Schrauben. Die restlichen Stromverbraucher (73%) haben sich erfolgreich dagegen wehren können, sie lassen sich auch von den nuneinmal notwendigen Zukunftssicherungskosten für die Umstellung auf die regenerativen befreien. Investitionen und Umbauten die die 27% Privathaushalte nur marginal bedürfen (finanzielle Absicherung des Netzausbau i.e. Nord-Süd, Windpark Anbindung etc.) und anderes dürfen wir Privathaushalte alleine stemmen. Die die dieser Investitionen bedürfen, profitieren nicht nur unverschämt überproportional, sondern haben es geschafft alle Kosten dafür uns aufzuhalsen dank willfähriger und schmieriger Politiker der derzeitigen Möwenpick-Koalition. Und dann auch noch herzugehen, das Märchen von dem drohenden Arbeitsplatzverlust von 1.350 Jobs bei der Energiewende abzuladen und nicht dem sträflichen Versagen von CDU/FDP Landes-Politik und fahrlässiger Konzeptionslosigkeit schlägt dem Fass den Boden raus...

DEZ
22
Albert Seitzer, 21:02 Uhr

Falsch

Nicht nur das Beispiel ist falsch, auch die Überschrift ist falsch. Gerade, weil die EnBW die Energiewende in die falsche Richtung macht, gefährdet sie Arbeitsplätze und die Versorgungssicherheit der Bürger mit ausreichend Strom. Außerdem treibt sie den Strompreis für Normalverbraucher in die Höhe. Wenn die EnBW diesen fatalen Kurs beibehält wird sie einen riesen Schaden anrichten und selbst Pleite gehen beziehungsweise ein Subventionsfass ohne Boden. Wenn man nicht bereit ist, einen zukunftsfähigen Kurs zu fahren, dann ist sich selbst todsparen genau richtig (Griechenlandisierung). Allerdings müßte man sich bei einem vernünftigen Kurs gegen Berlin stellen. Geht das noch?

DEZ
22
Werner G., 15:57 Uhr

Warum??

'Hinzu kommt, dass die boomende Erzeugung von Strom aus Wind- und Sonnenenergie massiv auf die Preise an den Börsen drückt, über die die EnBW einen Teil ihres Stroms verkauft.' Und ich dachte bisher, wegen den abgeschalteten AKWs fehlt Strom und deshalb steigt der Strompreis. Aber es ist wohl doch nur die Gier der Konzerne...

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