In Ballungsräumen könnten Kunden heutzutage aus rund 20 Gasanbietern den günstigsten auswählen, ergänzt Thorsten Storck vom Heidelberger Verbraucherportal Verivox. Falls der Schornsteinfeger aber nur die Tarife einer Firma empfehle, würde "Markttransparenz verloren gehen".
Der Vorgang macht auch die Staatsanwaltschaft Stuttgart hellhörig. Dass die EnBW auch Heizungsbauer für solche Kundenvermittlungen belohnt, stört die Ermittler nicht. Doch für Personen, die wie der Schornsteinfeger für hoheitliche Aufgaben verpflichtet sind, gelten im Strafgesetzbuch strenge Regeln: "Ein Anfangsverdacht auf Vorteilsannahme beziehungsweise Vorteilsgewährung scheint hier nicht von vornherein ausgeschlossen", sagt Staatsanwalt Per Krafft aus dem Dezernat für Korruptionsdelikte. Die Frage sei, ob der Schornsteinfeger der EnBW Gegenleistungen aus Diensthandlungen gewähre. "Das muss immer im Einzelfall geprüft werden", erklärt Krafft. Man werde das Thema im Auge behalten, kündigt der Staatsanwalt an.
Die EnBW Gas GmbH weist die Kritik an der 2010 gestarteten Marketingoffensive zurück. "Wir sehen darin keine Probleme", erklärt Pressesprecher Hans-Jörg Groscurth: "Unternehmen und Schornsteinfeger sind voneinander unabhängig. Die Schornsteinfeger informieren nur, sie verkaufen nichts." Die präsentierten Tarife seien günstig, stünden aber jedem Neukunden zur Verfügung. Derzeit hat die EnBW rund 270000 Gaskunden. Das erklärte Ziel heißt Expansion. Wie viele Schornsteinfeger für die Neukundenwerbung angesprochen wurden, behält der Energiekonzern für sich. Es dürften rund 200 Schornsteinfeger sein.
"Das Geschäft mit der EnBW ist legal und legitim", meint Walter Baum, Obermeister der Schornsteinfeger-Innung im Regierungsbezirk Stuttgart. Die Branche stehe vor einer Umwälzung, weil 2013 das Schornsteinfegermonopol falle. Darum seien neue Einnahmequellen gefragt. "Mit 60 Euro Aufwandsentschädigung verdient sich aber kein Kollege eine goldene Nase", beteuert Baum.