Empfänger-Rechte Postbote Nachbar

Sandra Markert, 03.01.2013 14:00 Uhr
Immer wieder gehen Sendungen verloren, kommen beschädigt an oder werden bei Nachbarn abgegeben, die sie behalten. Zumindest bei Privatpaketen hat der Empfänger dann meist Pech gehabt.

Stuttgart - Bücher und Bekleidung im Internet und damit ­unabhängig von Ladenöffnungszeiten zu bestellen ist für Berufstätige praktisch. ­Wäre da nicht die Sache mit der Zustellung. Mal steht der verpackte Laptop einfach vor der Tür, mal klebt der Abholschein für alle zugänglich im Hausflur. Und die Botschaft „Ihre Sendung liegt beim Nachbarn . . .“, sorgt je nach Verhältnis und Päckcheninhalt auch nicht unbedingt für Freude.

Darf der Nachbar zum Postboten werden?
Bei den meisten Paketdiensten steht diese sogenannte Ersatzzustellung an Nachbarn in den Vertragsbedingungen. Bis vor kurzem mussten die Dienste noch nicht einmal eine Benachrichtigungskarte ausfüllen. Erst ein Urteil des Oberlandesgerichts Köln legte 2011 fest, dass der Empfänger zumindest über sein Paket beim Nachbarn informiert werden muss – und zwar mit einer Karte im Briefkasten. Diese einfach an die Tür zu kleben ist den Zustellern nur dann erlaubt, wenn es keinen Briefkasten gibt oder dieser nicht zugänglich ist. Treffen diese Gründe nicht zu und ein anderer Hausbewohner holt das Päckchen ab, haftet der Zustelldienst. Wer fremde Post abholen möchte, muss sich allerdings als rechtmäßiger Empfänger identifizieren (etwa mit einem Personalausweis) beziehungsweise bräuchte eine gefälschte Vollmacht. Grundsätzlich muss kein Nachbar ein fremdes Paket annehmen. Sobald er unterschreibt, muss er es aber sorgsam verwahren – und darf es dem Empfänger auch nicht einfach vor die Tür stellen.

 
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Kommentare (4)
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Frank Descher Ist schon länger als 1 Jahr her
Bei uns kam es mehrmals vor, daß Pakete laut Sendungsauskunft angeblich von mir persönlich oder vom Nachbar angenommen wurden, der nichts davon wußte, und das Paket einen Tag vor der Tür lag. Trotzt Androhung einer Anzeige wegen Urkundenfälschung machte sich DHL nicht mal die Mühe, auf E-Mail oder Fax zu antworten.
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Trixie Ist schon länger als 1 Jahr her
Mir ist das mal passiert. Ich habe dann bei der Fa, bei der ich bestellt hatte angerufen und nach meiner Unterschrift gefragt. Die hat sie mir dann per Mail zugeschickt. Wir haben dann festgestellt, daass der Paketbote mit meinem Namen unterschrieben hat. Daraufhin haben wir ihn wegen Urkundenfälschung angezeigt. Ich weiß, dass die Paketboten meist nur bei Subunternehmen angestellt sind, aber das gibt ihnen nicht das Recht, mit falschen Namen zu unterschreiben.
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Peter Koch Ist schon länger als 1 Jahr her
Leider kommt es immer wieder vor (in den Weihnachtswochen wiederholt bei uns in der Straße), dass Pakete, für die der Zusteller eine Unterschrift einholen muss, einfach vor der Haustür abgelegt wurden. Kein Nachbar hatte als Ersatzempfänger unterzeichnet. Das bedeutet, der Zusteller unterschreibt selbst, um sich nicht die Mühe zu machen, bei Nachbarn zu klingeln oder eine Benachrichtigung auszufüllen. Das widerum hängt mit dem Zeitdruck zusammen, dem die Paket- und Briefzusteller aller Anbieter ausgesetzt sind. Die Zusteller sind sich offensichtlich nicht im klaren über ihr Handeln. Denn durch die Fälschung einer Unterschrift machen sie sich einer Straftat schuldig.
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Kai-Uwe Bevc Ist schon länger als 1 Jahr her
Ein kleines, aber feines Detail wurde da vergessen: IdR spricht man sich unter Nachbarn für sowas ab. Daher sollte es normalerweise eine Vereinbarung darüber geben. Die kann sehr wohl so lauten, dass man angenommene Pakete im geschlossenen Treppenhaus deponieren darf. _ Darüber hinaus gibt es auch immer noch die Garagenvereinbarung mit dem Zusteller. _ Klar ist, dass in beiden Fällen die Gefahr auf den Empfänger übergeht.
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