Elektronische Bücher Die Selbst-Verleger kommen

Daniel Gräfe, 18.08.2012 08:00 Uhr

Berlin/Stuttgart - 58 Jahre ist der Berliner Autor Gerald Uhlig-Romero, aber für seinen Verlag, die Deutsche Verlags-Anstalt, fühlt er sich zu jung. „Die wissen überhaupt nicht mehr, was Sache ist“, sagt er. „Dabei verändern die Neuen Medien die Branche radikal.“ Deshalb wurde Uhlig-Romero im vergangenen Jahr zu seinem eigenen Verleger. Auf der Internetplattform epubli lud er seinen Roman „Stoffwechsel“ hoch, gestaltete ihn und bot ihn zum Verkauf an. „Ich habe einfach genug davon gehabt, mich um das Buchcover zu streiten und im Katalog nur eine kleine Nummer zu sein.“

Die Selbst-Verleger kommen, und Online-Plattformen wie epubli, BookRix oder Amazon helfen ihnen auf ihrem Weg. Sie agieren als Vertriebszentrale für Autoren und machen damit traditionellen Verlagen Konkurrenz. Autoren können für ihre Texte selbst Details wie die Schrifttype oder den Einband bestimmen und sich für 19,90 Euro im Jahr eine Buchhandelsnummer geben lassen, mit der sich ihr Werk praktisch überall verkaufen lässt – ob gedruckt oder als elektronisches Buch. Damit umgehen sie auf dem Weg zum Leser die traditionelle Verlagsstruktur mit Lektoren, Marketing, Buchkatalog und Zwischenhändlern. Erfreulicher Nebeneffekt: Die meisten Texte hätten bei einem traditionellen Verlag ohnehin keine Chance – sei es aus Gründen der Qualität, sei es, dass er nicht in das Programm passt. Über epubli & Co. darf dagegen jeder publizieren, solange es nicht gegen die Gesetze verstößt. Zwar erhalten die Schriftsteller dabei ­keinen Vorschuss, der bei einem Verlag in der Regel ein paar Tausend Euro beträgt, dafür bekommen sie vom Erlös pro verkauftem Buch weitaus mehr – bis zu 80 Prozent sind es bei epubli. Bei den großen Publikumsverlagen beträgt er für ein Taschenbuch im Schnitt nicht viel mehr als acht Prozent und für ein E-Book 20 bis 25 Prozent.

„Wir stellen lediglich die Infrastruktur – das ist das Modell der Zukunft“

„Wir bringen die Werke der Autoren auch in andere relevante Vertriebskanäle wie Amazon, Apple, Google oder Barnes & Noble. Außerdem kümmern wir uns auch um Details wie die Abrechnungen“, sagt Max Franke von epubli, das mehrheitlich zur Stuttgarter Verlagsgruppe Holtzbrinck gehört. „Wir stellen lediglich die Infrastruktur – das ist das Modell der Zukunft.“ Seit 2008 veröffentlichte epubli nach eigenen Angaben 10.000 Titel. Seit 2010 bietet man auch E-Books an, bisher sind es 2500 Ausgaben. Viele Autoren ließen ihr Werk als E-Buch ­herunterladen, aber auch drucken, heißt es.

So wie der Leverkusener Schriftsteller Thorsten Nesch. Als sein Verlag seinen Thriller „Die Lokomotive“ nicht veröffentlichen wollte, nahm er die Sache selbst in die Hand. Für 14 Euro bietet er das Buch an, gedruckt wird nach Nachfrage – Publish on demand heißt das im Fachjargon. Die E-Buch-Variante kostet 2,99 Euro – rund 300-mal wurde sie bisher verkauft. Die gedruckte Version wollte kaum einer haben. Zum Leben reichen Nesch die Einnahmen bei weitem nicht. Deshalb hält sich der freie Autor unter anderem mit Lesungen und Seminaren über Wasser.

Doch künftig soll das anders werden: Nesch will besser die globalen Vertriebsmöglichkeiten des Internets nutzen. Seine E-Books sollen auch die Leser in den USA und England erreichen, deshalb lässt er derzeit zwei seiner Bücher übersetzen. Das Kalkül: 330 Millionen Menschen sprechen Englisch als Muttersprache, aber nur 100 Millionen Deutsch. Außerdem sei der Anteil der E-Book-Leser in Amerika weitaus größer als hierzulande.

 
 
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