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Einzelhandel Der Gutschein als Wunderwaffe

Jürgen Bock, vom 04.01.2012 19:32 Uhr
 Foto: ddp
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Stuttgart - Im Schlussspurt hat sich das Weihnachtsgeschäft für die Stuttgarter Händler doch noch gelohnt und damit auch das gesamte Jahr 2011 gerettet. Wie es weitergeht, ist offen. Bisher haben sich die Kunden von Euro-Krise und düsteren Prognosen unbeeindruckt gezeigt.

Zwischen Weihnachten und Silvester staunte mancher Besucher der Stuttgarter Innenstadt nicht schlecht. Menschenmassen schoben sich über die Königstraße, in den Geschäften herrschte zeitweise ein Andrang wie vor den Feiertagen, und die Radiosender verkündeten, dass die Parkplätze knapp würden. "Die Stadt ist unheimlich voll gewesen. Das Wetter war angenehm, und viele Menschen haben Gutscheine eingelöst oder Geschenke umgetauscht", sagt Citymanager Hans H. Pfeifer. Auch in dieser Woche sind die Läden gut besucht.

Im Zweifel gleich einen Gutschein

Dabei hat sich die Hauptbeschäftigung der Kunden nach Weihnachten deutlich gewandelt. Wurde früher häufig umgetauscht, gilt das Hauptaugenmerk inzwischen dem Einlösen von Gutscheinen. "Die Geschäfte haben diesmal so viele davon verkauft wie kaum einmal zuvor", sagt Horst Lenk, Präsident des Handelsverbands Baden-Württemberg. Die Leute hätten es inzwischen satt, "dass die Lieben gleich wieder zum Umtausch losrennen müssen". Im Zweifel greifen viele deshalb lieber zum Gutschein. "Diese Tendenz hat sich in den vergangenen Jahren immer mehr verstärkt", bestätigt Thomas Benedetti. Der Chef der Kaufhof-Filiale am Hauptbahnhof hat festgestellt, dass diesmal auffällig viele Kunden mit Gutscheinen und Geschenkkarten gekommen sind.

Bei der Frage, wofür die Leute ihr Geld ausgegeben haben, geht die Schere in diesem Jahr weiter auseinander als sonst. "Wir haben das Phänomen, dass es große Gewinner und deutliche Verlierer gibt", sagt Lenk. Laut einer Umfrage des deutschen Handelsverbands lag das gute alte Buch in der Beliebtheit weit vorn, gefolgt von Parfüm und Spielzeug. Auf Platz vier der beliebtesten Geschenke folgen bereits die Gutscheine. "Das bestätigt unseren Eindruck", so Lenk. Auf der anderen Seite haben all jene gelitten, die warme Winterbekleidung oder Sportartikel anbieten. Bisher hat es schlicht keinen richtigen Winter gegeben.

Das hat für die Kunden auch Vorteile. Weil dicke Mäntel, Pullover oder Schneehosen wie Blei in den Regalen liegen, müssen die Händler bereits jetzt mit hohen Rabatten reagieren. "Es gibt schon Reduzierungen, wie man sie sonst zu dieser Zeit nie bekommen würde", sagt Lenk und geht noch einen Schritt weiter: "Winterbekleidung konnte man noch nie so günstig kaufen wie in diesem Jahr."

Schlussspurt rettet das Geschäft

Der Schlussspurt direkt vor und nach Weihnachten hat den Händlern das Geschäft gerettet. Der Dezember-Anfang war nämlich ziemlich schleppend verlaufen. Insgesamt jedoch haben sich die Umsätze im Jahr 2011 einmal mehr als stabil erwiesen. "Das letzte Quartal hat noch mal Schwung aufgenommen", sagt Kaufhof-Chef Benedetti. Man sei insgesamt in Stuttgart "mit einem blauen Auge davongekommen", denn der Jahresbeginn 2011 sei generell schwierig gewesen. Dazu haben nach Einschätzung zahlreicher Einzelhändler auch die vielen Demonstrationen in der Stadt beigetragen, die besonders Kunden aus dem Umland abgehalten hätten. Doch auch bei diesem Thema gebe es jetzt eine gewisse Entspannung.

Der Handelsverband Baden-Württemberg rechnet landesweit mit einem geringfügig gestiegenen Umsatz im vergangenen Jahr. "Wir werden ein knappes Plus zwischen einem und 1,5 Prozentpunkten erreichen", wagt Lenk eine Prognose. Das sei "kein Grund für Luftsprünge", zeige aber, dass der Binnenmarkt unbenommen von allen internationalen Krisen sehr robust sei. "Der Handel hat in den vergangenen Jahren bewiesen, dass er sehr konstant ist", sagt Lenk. Es habe zwar nie so große Gewinnsprünge wie in der Industrie gegeben, aber auch keine dramatischen Einbrüche. "Mich freut", so Lenk, "dass der deutsche Verbraucher trotz vieler Negativmeldungen immer positiv geblieben ist. Ich hoffe, dass das auch 2012 so bleibt."

Diese Hoffnung teilt der Verbandspräsident mit vielen Händlern. Es bleibt dabei aber eine große Unsicherheit. "Die deutschen Konsumenten sind sensibler als andere, wenn es etwa um die Euro-Krise geht", sagt Benedetti, "aber sie legen deshalb bisher noch nicht zu viel Geld auf die Seite und verkriechen sich auch nicht im Keller." Deshalb gehe man mit positiven Erwartungen ins neue Jahr.

Diese Einschätzung teilt auch Citymanager Pfeifer. "Sehr angenehm finde ich, dass die ganzen Miesmacher mit ihrer Schwarzmalerei zuletzt nicht recht behalten haben." Solche Prognosen hätten wenig mit der Wirklichkeit zu tun. Zumindest bisher.

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