Einkaufen Das Gerber verlängert die Königstraße

Martin Haar, 17.02.2012 12:00 Uhr

Stuttgart - Wenn das Interesse am neuen Einkaufszentrum Gerber so groß sein wird, wie die Neugier der Stuttgarteran der riesigen Baustelle, dann ist der Erfolg programmiert. Die Projektentwickler haben sofort Rückmeldung bekommen, als die Baustelle nicht mehr von der Straße aus einsehbar war. Seitdem haben die Sichtblenden an den Bauzäunen kleine Sehschlitze. Der Wunsch des Bürgers nach Transparenz bei einem großen Bauprojekt war erfüllt. Und für die Projektentwickler Phoenix wurde noch deutlicher: Auf diesem Weg soll das gesamte Projekt bis zur Fertigstellung im April 2014 begleitet werden.

Dies hat aber auch zur Folge, dass sich Phoenix-Geschäftsführer Frank Lebsanft in allen Bereichen in die Karten blicken lassen muss – was bei der harten Konkurrenz im innerstädtischen Handel nicht gerade selbstverständlich ist. Letztlich führt diese Offenheit auch zu unangenehmen Fragen wie: Was will das Gerber-Management besser machen, als andere Passagen? Warum soll bald ein Standort funktionieren, der vorher „ein toter Platz“ (Lebsanft) war. Schließlich sollen in Zukunft im neuen Gerber täglich etwa 40 000 Menschen einkaufen. Ein ambitioniertes Ziel. Aber ein Ziel, das aus Sicht von Frank Lebsanft und seines Expertenteams kein unrealistisches sei. Denn man habe seine Hausaufgaben in allen Bereichen gemacht. Als Erfolgsfaktoren für eine Einkaufspassage gelten Punkte wie der Zugang und die Erreichbarkeit, der Branchenmix sowie die Innenarchitektur:

Marienstraße als Nabelschnur: „Die Marienstraße ist verbaut, zugestellt und zu klein“, sagt Gerber-Centermanager Helmut Koprian , „aber so eine Mall braucht eine Nabelschnur an die Fußgängerzone.“ Also eine pulsierende Lebensader, die die Stadt zusammenwachsen lässt. Genau das soll die runderneuerte Marienstraße bis Ende 2013 leisten. „Sie soll eine Verlängerung der Königstraße werden und die gleiche Qualität bekommen“, sagt Lebsanft. Mindestens genauso wichtig seien jedoch die potenziellen Kunden, die aus dem Westen, dem Süden und dem Heusteigviertel kommen – und zwar zu Fuß. Obwohl das Gerber 650 Parkplätze bietet. Koprian rechnet mit täglich 20 000 Besuchern aus diesen Vierteln, „die das Gerber als einen innerstädtischen Nahversorger zu Fuß erreichen“.

Das Innenleben: Wenn sich Menschen in einer Einkaufsmeile unbewusst wohl fühlen, dann sprechen Fachleute von einer guten „Aufenthaltsqualität“. In diesem Sinne versucht Innenarchitekt Peter Ippolito, einen Ort zu schaffen, an dem sich die Kunden im Schnitt eineinhalb Stunden aufhalten. Es soll keine „Einkaufsmaschine, sondern ein neuer Anziehungspunkt in der Stadt“ entstehen. Mit „starken Bühnen“ und ausreichend Sitzmöglichkeiten. In seinen Animationen unterscheidet sich das Innenleben des Gerbers auf den ersten Blick jedoch nicht von bekannten Passagen. Allerdings gebe es auf den drei Verkaufsebenen einen grundlegenden Unterschied - beispielsweise zur Königsbaupassage. „Die Durchspülung“, wie Centermanager Helmut Koprian diese Voraussetzung für gute Geschäfte nennt. Also die gute Erreichbarkeit und Vernetzung aller Ebenen durch Aufzüge und Rolltreppen. Kein Weg dürfe in solch einem Projekt in einer Sackgasse enden.

Der Branchenmix: Für die Vermarktung des Gerbers ist Michael Bräutigam von Colliers International zu ständig. Er will künftige Mieter und damit auch Kunden durch „Alleinstellungsmerkmale“ in das Einkaufszentrum locken. Gemeint sind Marken und Filialisten, die es nur im Gerber geben soll. Das Stichwort lautet Branchenmix. Dabei sollen die 5000 m² Verkaufsfläche der Lebensmittelhändler eine „Magnetfunktion“ (Bräutigam) haben . Sein Lieblingszitat lautet: „Center ohne Lebensmittler sind heute nicht mehr vermarktbar.“ Bisher hat er Verträge mit Edeka, dm Drogeriemarkt und Aldi abgeschlossen. als neue Marken in Stuttgart kommen die Modefilialisten Jack & Jones, Pieces, Vila, Only und Vero Moda hinzu. Insgesamt sind 40 Prozent der 24 000 m² Verkaufsfläche vermietet. Absolut unmöglich ist es aus Sicht von Helmut Koprian , an Möbelfirmen zu vermieten: „Die lassen wir schön im Stilwerk der Königsbaupassage, denn die sind nur am Wochenende belebt. Unter der Woche ist die Passage in diesem Bereich tot.“

Alle drei Faktoren sollen dem Gerbertäglich 40 000 Kunden bescheren, weil es im Gegensatz zu anderen Einkaufsmöglich-keiten auf andere Schwerpunkte setzt. Vor allem auf Urbanität. „Wir sehen uns als Ergänzung eines Stadtquartiers in einer gewachsenen Struktur“, sagt Michael Bräutigam.

 
 
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NOV
10
Stuttgarter, 09:22 Uhr

Überall Zugänge? An der Ecke Paulinenstraße/Marienstraße ist kein Eingang!

Ich finde das Gerber gar nicht schlecht, von der Idee wie von der Architektur her, auch wenn es viel zu groß geraten ist. Hier wären - in vergleichbarer Architektur - mehrere kleinere Einzelbauten mit offenen Gassen und begrünten Innenhöfen weit attraktiver gewesen. --------- Eine wichtige Anregung für die Gerber-Macher: Wenn man schon den Anspruch erhebt, die Innenstadt mit dem Stuttgarter Süden zu verbinden, warum gibt es dann keinen Zugang Marien-/Paulinenstraße?? Hier sollte dringend nachgebessert werden! Der Fußweg vom Gerber bis zur Karlshöhe hinauf und umgekehrt sollte genutzt werden können. Wer vom dortigen Biergarten in die Stadt geht, kommt zwangsweise an dieser Ecke vorbei. Nicht gerade einladend, wenn das Gerber hier nur eine verriegelte Rückwand darstellt (bis man dann witer zur Ecke Marien-/Sophienstraße gegangen ist, ist man schon zu konzentriert auf die Innenstadt und geht nicht wieder 'zurück' ins Gerber hinein). Auch städtebaulich nicht gerade förderlich, wenn dort 'die Welt aufhört'.

NOV
09
Kassenwart, 17:06 Uhr

Kassen der Kommunen sind leer

wie langweilig - noch ein Einkaufszentrum was keiner braucht. Sonst noch eine Idee Geld auszugeben?

FEB
17
AndreasE, 19:08 Uhr

wer soll wo noch einkaufen ?

da reißt Breuniger Teile der Innenstadt ab, da will der Mutterkonzern ECE am A1-Gelände von S21 auch noch Kaufkraft abziehen (Scheinkonkurrenz alla Mediamarkt vs. Saturn) und am Schluss merken die Leute, dass es im Internet billiger ist. dann macht alles wieder zu und wird abgerissen. Und ganz zum Schluss merken die Leute, dass Nürnberg München Esslingen Hamburg Waiblingen Tübingen Reutlingen und sogar Murrhardt wesentlich schöner sind. (Liste bis in's Unendliche ...) Stuttgart soll angeblich einmal eine schöne Stadt gewesen sein.

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