Eindruck von den Nazi-Gräueln

Von "Fellbach und Rems-Murr-Kreis" 

Kernen (wz). UFW und SPD im Gemeinderat wollen, dass die Gemeinde Exkursionen in die KZ-Gedenkstätte Dachau bezahlt.

Kernen (wz). UFW und SPD im Gemeinderat wollen, dass die Gemeinde Exkursionen in die KZ-Gedenkstätte Dachau bezahlt.

Jährlich ein Betrag von 1500 Euro aus der Gemeindekasse ist es den Gemeinderäten von UFW und SPD wert, wenn Haupt- und Realschüler aus der Karl-Mauch-Schule und der Rumold-Realschule im Rahmen des Geschichts- und Gemeinschaftskundeunterrichts die Gedenkstätte im ehemaligen Konzentrationslager Dachau besuchen: Im Unterricht an Hauptschule und Realschule erhalten die Schülerinnen und Schüler schon einen Einblick in das Grauen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland. Der Besuch werde bleibende Eindrücke bei den Jugendlichen hinterlassen, hoffen die beiden Fraktionsvorsitzender Hans Dietzel (UFW) und Hans Peter Kirgis (SPD).

Die beiden haben den Antrag zum Haushaltsplan der Gemeinde Kernen für das Jahr 2011 namens ihrer Fraktion unterzeichnet. Zusammen haben beide Fraktionen 11 Sitze und damit im einschließlich dem Bürgermeister 23-köpfigen Gemeinderat schon fast die Mehrheit. Mit weiteren Unterstützern ist zu rechnen. Die Anträge zum neuen Haushaltsplan werden im Technischen und im Verwaltungsausschuss des Gemeinderats Kernen am Mittwoch, 16. und Donnerstag, 17. Februar, jeweils 19 Uhr im Schulungsraum des Rathauses im zweiten Obergeschoss diskutiert. Endgültig entscheidet der Gemeinderat bei der Haushaltsverabschiedung voraussichtlich am Donnerstag, 3. März, 19 Uhr im Feuerwehrgerätehaus Stetten.

Die Gemeinderäte aus SPD und UFW hoffen, die jungen Leute durch eine solche Reise "zur Auseinandersetzung mit dem Holocaust anregen zu können sowie sie zu kritischen Konfrontationen mit (neo-)faschistischem Gedankengut und rechtsextremen Parolen zu befähigen". Die Kosten für Exkursionen von Schülern der Karl-Mauch-Schule und der Rumold-Realschule sollen deshalb von der Gemeinde übernommen werden. Die Exkursionen werden damit nach dem Willen von Hans Peter Kirgis und Hans Dietzel zum festen Bestandteil des Unterrichts.

Der Antrag geht unter anderem auf den SPD-Gemeinderat Paul Eißele zurück, der sich die Prävention gegen Rechtsextremismus auf die Fahnen geschrieben hat. Er sagt über Kernen: "Auch hier gibt es dieses Gedankengut, werden NPD-Plakate aufgehängt, wenn es auch nicht so auffällig ist wie in den großen Städten." Auch bisher seien schon Schulklassen aus Kernen nach Dachau gefahren. Allerdings kam es vor, dass Schüler den Preis für die Fahrt von 20 Euro nicht zahlen konnten und in der Schule blieben. Eißele sagt: "Wir wollen, dass für die Schüler keine Kosten entstehen, damit alle mitfahren können."

Als Paul Eißele als Schüler der Rumold-Realschule einst selbst an einer Exkursion nach Dachau teilnahm, fand diese direkt vor der Abschlussfahrt statt. "Man kann sich die Stimmung vorstellen", sagt er und schließt daraus: "Das muss gesondert laufen." Im vergangenen Jahr hat der SPD-Gemeinderat eine solche Schülerfahrt in die KZ-Gedenkstätte begleitet, und berichtet: "Die Schüler waren ruhig und konzentriert." In den zwölf Jahren seines Bestehens von 1933 bis 1945 waren im KZ Dachau 200 000 Menschen inhaftiert, 41 500 von ihnen wurden ermordet.

In der Gedenkstätte befindet sich ein pädagogisches Zentrum als Anlaufstelle für die Schülergruppen. Mit ihren Eindrücken hinter der Mauer, dem Stacheldraht und Wachturm werden die jungen Leute nicht allein gelassen. "Eine pädagogische Lehrkraft hat die Führung begleitet. Anschließend wurde mit ihr diskutiert", sagt Paul Eißele. Die Fraktionsvorsitzenden Kirgis und Dietzel bestärkt diese Erfahrung: "Es ist unabdingbar, den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit zu geben, die KZ-Gedenkstätte in Dachau zu besuchen."

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