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Ein Vaihinger Wald, der zu Esslingen gehört

"Filder-Zeitung", vom 04.09.2010 02:43 Uhr
Waldgeschichten, Teil V (und Schluss). Der Katzenbachwald in Büsnau war lange Zeit Grundlage des Reichtums der ehemaligen FreienReichsstadt. Der Pächter des Katzenbacher Hofs hat auch heute noch die Aufgabe, einen Teil des Waldes zu pflegen. Von Alexandra Kratz

In diesen Tagen sind viele Vaihinger im "Wald Katzenbach" unterwegs. Wenn es im Sommer sonnig und warm ist, zieht es sie zum Katzenbacher Hof. Doch sowohl das Ausflugslokal als auch der Wald, von dem es umgeben ist, gehören eigentlich gar nicht zu Vaihingen, sondern bereits seit dem 13. Jahrhundert zu Esslingen, weshalb das Gebiet bis heute offiziell Esslinger Spitalwald heißt.

Wer wissen möchte, wie es dazu gekommen ist, muss weit in der Geschichte zurückblicken. Im Mittelalter gingen oft ganze Ortschaften von Hand zu Hand bis sie an einen reichen Besitzer kamen, der das Erworbene auch halten und pflegen konnte. So kaufte das "Spital der Armen und Dürftigen zu Esslingen" - besser bekannt als das Katharinenhospital Esslingen - 1295 ganz Möhringen und zwei Jahre später Vaihingen von den sich in finanziellen Nöten befindenden Pfalzgrafen zu Tübingen. Der Wald Katzenbach gehörte allerdings nicht den Grafen, sondern dem Ritter Konrad von Bernhausen. Doch auch diesem war das Geld lieber als der Besitz. Am 10. Mai 1297 verkaufte er das rund 285 Hektar große Gebiet für "110 Pfund Pfennig guter Haller Münze" an das Esslinger Spital. So schreibt es der Ortshistoriker und ehemalige Vaihinger Bezirksvorsteher Walter Mezger in seiner früheren Zeitungskolumne "Wussten Sie?".

Doch nicht nur die historische Urkunde weist auf die Eigentümer des Waldes hin. Wer sich in der Gaststube des Katzenbacher Hofs umschaut, wird ein Bild mit dem Esslinger Adler entdecken. Den Hof gab es übrigens bereits im 13. Jahrhundert. Walter Mezger schreibt, dass er damals etwa 72 Morgen Land umfasste. Zeitweise wurden auf dem Gehöft 30 bis 40 Stück Vieh gehalten. Die Stadt Esslingen vertraute den Hof "jeweils treu ergebenen Pächtern mit zuverlässigem wehrhaften Gesinde" an. Der Pächter hatte vor allem die Aufgabe, den Wald zu schützen. Denn den württembergischen Grafen war der ausgedehnte Waldbesitz der feindlichen Reichsstadt in ihrer unmittelbaren Nähe ein Dorn im Auge. Daher ließen sie ihre Untertanen meist gewähren, wenn diese Holz aus dem Wald holten oder ihr Vieh dort weiden ließen, obwohl das verboten war.

Doch diese Zeiten sind längst vorbei. Heute hat die Familie Unterkofler den Hof gepachtet. Seit 1968 bewirtschaften die gebürtigen Österreicher das Traditionshaus - mittlerweile in zweiter Generation. Den Wald schützen muss Reinhold Unterkofler nicht mehr. Doch er, seine Ehefrau und seine Mutter servieren längst nicht nur Speisen und Getränke für Ausflügler. Im Arbeitsauftrag des Pächters steht nach wie vor auch die Pflege des Walds im unmittelbaren Einzugsgebiet des Hofs. Da kommt es Unterkofler zugute, dass er gelernter Forstwirt ist. "Bis vor 20 Jahren waren wir noch für den gesamten Esslinger Spitalwald zuständig. Mittlerweile aber macht das die Stadt Esslingen selbst", sagt er.

Es ist auch nicht mehr der ursprüngliche Katzenbacher Hof aus dem 13. Jahrhundert, den die Familie Unterkofler bewirtschaftet. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts ließ Esslingen die landwirtschaftlich genutzten Flächen bis auf fünfeinhalb Morgen wieder aufforsten. 1896 wurden die alten Gebäude abgebrochen. Ein Forsthaus mit Gaststube - das heutige Ausflugslokal - wurde gebaut. Als Kulturdenkmal steht es mittlerweile unter Denkmalschutz.

Nahezu unverändert geblieben ist hingegen das Gebiet des Waldes. Kleinere Korrekturen gab es nur, als König Friedrich 1812 den Katzenbach- und den Steinbachsee anlegen ließ, um die Trinkwasserversorgung für die Stuttgarter zu verbessern. Bis 1849 bildete der Katzenbachwald eine eigene Gemarkung. Erst dann wurde er in die Vaihinger Gemarkung eingegliedert, allerdings ohne dass das Einfluss auf die Eigentumsverhältnisse gehabt hätte. Die Stadt Esslingen wusste den etwas abseits gelegenen Wald seit jeher durchaus zu nutzen. In den vergangenen Jahrhunderten war das Holz der Bäume neben dem Weinbau die wichtigste Einnahmequelle und damit einer der Pfeiler für den Reichtum und das politische Gewicht der Freien Reichsstadt. 430 Klafter Holz - was in etwa 1000 Festmetern entspricht - entnahm das Spital jährlich und verwendete es unter anderem zum Brennen von Kohle. Auch heute noch gehört der Katzenbachwald mit seinen vielen Nadelbäumen zum ertragreichsten Teil des Esslinger Waldes. Offiziell trägt er übrigens den Namen "Stadtwald Esslingen am Neckar Stiftswald Katzenbacher Hof". Diese Bezeichnung hat der Stiftswaldstraße im Lauchhau ihren Namen gegeben.

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