Der Fund eines etwa 2600 Jahre alten Keltengrabes von der Heuneburg bei Herbertingen ist in Ludwigsburg sehnlichst erwartet worden. Dort sollen Mitarbeiter der Landesdenkmalpflege die im Sommer entdeckte und jetzt in einem riesigen Block ausgegrabene Ruhestätte in den nächsten Monaten untersuchen. Die Witterung war für den Schwertransport mit dem archäologischen Fund nicht gerade günstig. Doch am Mittwochabend kam er an. Simone Stork, die Leiterin des Keltenmuseums Hochdorf jedenfalls ist schon sehr gespannt, was die Denkmalpfleger in dem Grab von dem frühkeltischen Fürstensitz Heuneburg entdecken.
"Ich freu" mich ganz arg über neue Erkenntnisse", sagt Simone Stork. Dabei weiß sie sehr wohl, dass sie damit erst in einigen Monaten rechnen kann. Die Archäologin ist überzeugt davon, dass die Untersuchungen auch neue Aspekte über den Hochdorfer Fund zu Tage fördern werden. Im Jahr 1978 war das Grab des Keltenfürsten von Hochdorf entdeckt worden - und stieß auf ein weltweites Medienecho. Der britische Fernsehsender BBC etwa berichtete ständig über die Ausgrabung der letzten Ruhestätte des Keltenfürsten. Darin fanden sich nur deshalb goldbeschlagene Trinkhörner, Goldschalen und ein Löwenkessel, Fibeln und Schmuck, weil das Fürstengrab nicht von Räubern geplündert worden war. Das ist bei dem Heuneburger Fund auch wieder der Fall.
Das Besondere daran ist, dass noch Textilien und Eichenhölzer des Grabkammerbodens erhalten sind. "Das ist Gold wert", sagt die Museumsleiterin Stork. Denn normalerweise finden sich nach 2600 Jahren keine Spuren mehr von organischen Stoffen. Jetzt aber können Wissenschaftler exakt die Zeit bestimmen, wann die Bäume für das Grab gefällt wurden.
Auch haben sich in den vergangenen 32 Jahren seit Entdeckung des Hochdorfer Keltengrabes die Untersuchungsmethoden der Archäologen weiterentwickelt. Sie haben heute ganz andere Möglichkeiten der Dokumentation. "Von Hochdorf gibt es eine Diasammlung", sagt Simone Stork. Dank moderner Computerprogramme lassen sich von dem Heuneburg-Fund dagegen dreidimensionale Aufnahmen der Grabkammer erstellen. "Das ist so, als wäre man bei den Ausgrabungen dabei gewesen", schwärmt die Museumsleiterin über die technischen Möglichkeiten.
Zwischen dem Kreis Ludwigsburg und der Heuneburg bei Herbertingen im Landkreis Sigmaringen gab es schon in frühkeltischer Zeit Verbindungen. In dem Hochdorfer Fürstengrab wurde auch eine Scherbe Heuneburgkeramik gefunden, was auf Handelsbeziehungen schließen lässt. "Wie das Geflecht zwischen den Fürstensitzen aussah, weiß kein Mensch", sagt Simone Stork jedoch. Der neue Fund wird das Besucherinteresse an dem Hochdorfer Museum steigern, hofft sie: "Das tut uns gut." Gleichzeitig fürchtet sie aber, dass das Keltengrab von der Heuneburg "wieder Grabräuber auf den Plan rufen wird". Da hat das Stuttgarter Regierungspräsidium vorgesorgt: Es lässt den 80 Tonnen-Block von einem Sicherheitsdienst bewachen. Im neuen Jahr beginnt die eigentliche Forschungsarbeit. Schicht um Schicht wird das Grab freigelegt - laut Simone Stork eine "monatelange Fisselarbeit".