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Ein fulminanter Start samt Welturaufführung

"Strohgäu Extra", vom 01.06.2010 02:41 Uhr
Rutesheim Das Ensemble Quattrocelli eröffnet mit seinen "Scenes"die zweite internationale Cello-Akademie. Von Rainer Enke

The Quattrocelli Scenes" heißt das Programm mit Filmmusiken der inzwischen weltweit renommierten Quattrocelli. Seit 2004 spielt das Quartett in der Besetzung Lukas Dreyer, Michael Peternek, Hartwig Christ und Akademie-Leiter Matthias Trück. Das funktioniert deshalb so gut, weil das Cello in der Lage ist, Töne von kraftvoller Tiefe bis hin zu reinstem Sopran zu erzeugen, wenn es von Könnern wie diesen vier Musikenthusiasten gespielt wird. So wird das Klangspektrum weit aufgefächert, zumal jeder Musiker jeden Part übernehmen kann.

Als Quattrocelli am Sonntagabend die Bühne betreten, gibt es in der ausverkauften Bühlhalle II begeisterten Jubel. Zum Thema Film passt die aufwendige Illumination, farbig wechselnde Lichtsäulen streben an den Wänden in die Höhe, die Bühne changiert passend zum Gespielten. Auch fast im Dunklen wird musiziert, denn selbstverständlich spielen die vier ohne Noten. Mit einem klassischen Werk, dem "Air" von Johann Sebastian Bach, beginnt träumerisch, eingehüllt in orangefarbenes Lichtambiente das gut zweistündige Programm. Bei den folgenden Filmmusiken haben die Musiker von Quattrocelli fast alle Arrangements selber geschrieben, denn es gibt kaum Stücke für diese Besetzung, geschweige denn für dieses Genre.

Die Palette ist breit gefächert: Da gibt es feine Flageoletts in einer Filmmusik von Hanns Eisler, die im Kontrast zur dissonanten, abgehackten Einleitung zu "Psycho" stehen; markante Bogenbewegungen im Scheinwerferkegel verstärken die Gruselstimmung. Quattrocelli sind nicht nur hervorragende Musiker, sondern verstehen es aufs Beste, auch komödiantische Elemente mit einzubauen. So unter anderem beim Liebesthema aus dem Film "Der Pate". Im Dunklen spielen Trück und Christ sich leise durch das emotionale Thema, Dreyer und Peternek mit schwarzen Sonnenbrillen tragen auf den Schultern, stilecht im Scheinwerferspot, einen Sarg - nein, es ist ein Cellokasten - auf die Bühne, und fallen sich am "Grab" schluchzend in die Arme. Die Musik spielt ungerührt weiter dazu.

Der Höhepunkt des Abends aber ist dem Komponisten und Jazzmusiker Lalo Schifrin zu danken. Von ihm erklingt zunächst die Filmmusik zu "Mission Impossible", dem US-Agententhriller aus dem Jahr 1996. Geheimnisvoll mit leisen, schnellen Bogenstrichen beginnt das Stück, dann setzt in energischem Rhythmus die Melodie ein, Pizzicati unterlegen die Soli, die reihum gehen, Dissonanzen verbreiten Spannung, teils wird kratzig mit dem Bogen am Frosch gespielt, bevor das Thema rund und geschlossen endet.

Doch dann spielen Quattrocelli noch ein Stück des 1932 geborenen Amerikaners - eine Welturaufführung. "Crosscurrents" ist ein vierteilige Komposition, die Schifrin dieses Jahr eigens für Quattrocelli geschrieben hat. "Unsere erste Auftragskomposition", bemerkt Trück nicht ohne Stolz. Er berichtet, wie angetan Schifrin von ihrer Interpretation von "Mission Impossible" war. Im März, während der einmonatigen USA-Tournee, trafen Quattrocelli Schifrin in Beverly Hills, besprachen und probten das Stück. Eine interessante Komposition ist es geworden: mit einer afro-kubanischen Einleitung, einer Ballade, einer Jazz-Improvisation zum gezupften Cello und mit einem Gospel-inspirierten Schluss. Da wird der Rhythmus auf den Corpus geklopft, breit fließende, lyrische Passagen wechseln mit Stakkati, Pizzicati und chromatischen Sequenzen in mitreißendem Duktus. Für diese konzentrierte Darbietung gibt es viel Extra-Applaus.

Bekannte Filmmusiken, vor allem aus Western, lockern die Anspannung wieder, und als Trück sein Cello wie eine Gitarre spielt - oder später Xylophon -, da ziehen Szenen aus "Spiel mir das Lied vom Tod" oder "Die Glorreichen Sieben" vor dem inneren Auge vorbei. Dieser Abend mit hervorragenden musikalischen Leistungen, komödiantischen Einlagen und einer Welturaufführung setzt einen markanten Auftakt zur zweiten Rutesheimer Cello-Akademie.

Cello-Akademie Das Festival dauert noch bis Samstag, 5. Juni. Bis dahin gibt es jeden Abend um 20 Uhr ein Konzert in der Bühlhalle II. Karten unter 0 71 52/3 19 54 77, weitere Informationen: www.cello-akademie-rutesheim.de

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