Einen naturnaheren Arbeitsplatz hat wohl niemand in Fellbach. Der Blick aus dem Fenster geht in den Wald, gerade klettert ein Eichhörnchen einen Baumstamm hinauf. "Wenn ich frühmorgens hierher komme, sehe ich schon mal ein Reh oder ein paar Wildschweine im Wald verschwinden. Und im Winter zieren den Schnee rund ums Haus viele Tierspuren", sagt Revierförster Stefan Baranek, der mitten in der Waldeinsamkeit am Laptop sitzt. Üblicherweise ist er zwischen 7 und 9 Uhr in seinem Büro, aber fest hält er an diesen Zeiten nicht: "Wie der Landwirt arbeite auch ich vom Wetter abhängig, setze Prioritäten und schiebe Schreibtischarbeit schon mal auf einen Regentag."
Dann erledigt Baranek Telefonate, macht Abrechnungen für Firmen, die im Stadtwald arbeiten, und füllt Verträge aus für Kunden, die Holz kaufen. . "Dieses Jahr sind wir knapp mit dem Holz, wir können gar nicht alle Anfragen bedienen", sagt Baranek. Auch seine Buchführung und die Dokumentation erledigt er in seinen zwei bis drei Bürostunden täglich.
Am Scheibtisch bereitet Baranek auch Waldführungen vor, die er ab und zu anbietet. Es handelt sich um ein Stück aus Fichtenholz, die Einbauschränke in der Hütte passen dazu. "Die Möbel hat der ehemalige Jagdpächter selbst gebaut, ich habe alles so übernommen", sagt Baranek. Auf dem Schreibtisch liegen ein Gehörn und der Unterkiefer eines Rehbocks. Auch an der Wand der Hütte hängen Jagdtrophäen, die Lampen über dem großen Tisch werden von einem Hirschgeweih gehalten. Ein ausgestopfter Steinmarder und ein Auerhahn sind stille Zuschauer. Die Jagdhütte ist gleichzeitig Besprechungsraum. "Jäger oder Bürgermeister - sie saßen alle schon hier bei mir auf der Eckbank", sagt der Förster.
Stefan Baranek ist ein ordentlicher Mensch und hat nur die Unterlagen auf dem Schreibtisch liegen, die er gerade braucht. Ist er mit der Arbeit fertig, wird alles im Schrank oder in der Schreibtischschublade verstaut: "Ich mag es nicht, wenn zu viel herumliegt, hier kommt wohl mein Sternzeichen Jungfrau zum Zug", sagt er schmunzelnd. Auf dem kleinen Regal neben dem Scheibtisch stehen ein geschnitzter Holzpilz, ein kleines Stück eines versteinerten Baums und eine Fotografie seiner jüngsten Tochter. Kaffee- oder Teetasse sind nicht zu sehen: "Hier oben trinke ich bloß Sprudel, und der Kasten ist mal wieder leer."
In der Jagdhütte hat Baranek sogar Strom. Quer durch den Kappelberg verläuft die riesige Wasserleitung der Landeswasserversorgung. In einem Stollen treibt das Wasser eine Turbine an, und die erzeugt "echten Ökostrom", der ins Netz eingespeist wird. Vom Stromverteiler am Wiflinger haben Waldarbeiter schon vor Jahren eine Leitung in die Forsthütte verlegt, so brennt elektrisches Licht über dem Schreibtisch, und für kalte Tage steht ein Radiator im Eck. "Aber im Winter heize ich den gusseisernen Ofen an", sagt Baranek. Das ist gemütlicher, und Holz gibt es zur Genüge.
Baraneks zweiter Schreibtisch steht zu Hause. Dort hat er Internetanschluss und muss manchmal nach Feierabend oder am Wochenende E-Mails schreiben oder recherchieren. Auch dieser Schreibtisch ist nicht von der Stange.Baranek hat ihn - wie fast die ganze Einrichtung - selbst gebaut. "Ich schreinere gerne", sagt er. Auf die Schreibtischplatte ist er besonders stolz: "Sie stammt von einer abgestorbenen Ulme in Oeffingen und hat durch die geölte Oberfläche einen wunderschönen warmen Rotton". Diese Platte ist wesentlich härter und strapazierfähiger als der Fichtenschreibtisch in der Forsthütte, den mit den Jahren immer mehr kleine Macken zieren. Sowohl zu dem Platz, an dem die Ulme stand, als auch zu der Schreibtischplatte hat Stefan Baranek einen besonderen Bezug. Und dem Holz der Ulme werden große Kräfte zugeschrieben, für die Anthroposophen ist sie der "Baum des Kosmos".