Ein bissiges Insekt mit einer Vorliebe für Nacktschnecken

Von "Fellbach und Rems-Murr-Kreis" 

Fellbach. Der Schwarze Raubkäfer ist ein nützliches, aber für Menschen nicht ganz ungefährliches Tier. Von Dieter Schmidtke

Fellbach. Der Schwarze Raubkäfer ist ein nützliches, aber für Menschen nicht ganz ungefährliches Tier. Von Dieter Schmidtke

Der mehr als drei Zentimeter große Schwarze Raubkäfer "Ocypus olens", auch Moderkäfer genannt, wandert seit einigen Jahren aus dem Wald in die Städte. Das wehrhafte Insekt und seine Larve leben räuberisch. So vertilgen sie auch viele Schädlinge. Leider ist der Käfer nicht ganz ungefährlich. Eltern wie Kinder sollten daher über seine Lebensweise Bescheid wissen.

Der Käfer, der zur Familie der Kurzflügler gehört, jagt in der Bodenschicht des Waldes nach Würmern und Schnecken, Tausendfüßlern, Spinnen und Insekten. Doch vermehrt taucht der wehrhafte Käfer in Städten auf. Vielleicht gelangten seine Eier mit frischem Rindenkompost aus dem Wald in Hausgärten und Parkanlagen. Die aus den Eiern schlüpfenden Larven fanden dort alle die Kleintiere, die im Wald zu ihrer Nahrung gehörten.

Die Wärme liebenden Insekten schätzen den besonnten Asphalt von Gehwegen und Steinplatten in Gärten, um sich an kühleren Tagen aufzuwärmen. Aus diesem Grund trifft man in der Stadt den Schwarzen Raubkäfer besonders häufig am frühen Morgen und am späten Nachmittag an. Wie alle wechselwarmen Tiere braucht er die Morgensonne, um seine Betriebstemperatur zu erreichen.Gegen Abend speichert er Wärme für die Nacht. Wird der Käfer dabei gestört, dann flüchtet er nicht, sondern hebt dem Störenfried drohend sein Hinterteil entgegen. Meist reicht dieses Abwehrverhalten aus, um den Feind abzuschrecken. Erst wenn man sich an das wehrhafte Insekt näher als etwa 20 Zentimeter heranwagt, greift es an.

Aus der Hinterleibsdrüse schießt der Raubkäfer eine übel riechende Flüssigkeit auf den Gegner. Diese hat ihm wohl den lateinischen Namen "Ocypus olens", stinkender Kurzflügelkäfer, eingebracht. Bei Kleinkindern kann das chemische Gemisch die zarte Haut verätzen. Bei Erwachsenen löst es auf Schleimhäuten schmerzhafte Entzündungen aus. Werden gar die Augen getroffen, sollte man sie sofort mit viel Wasser auswaschen, um Hornhautverätzungen zu vermeiden. Wird der Käfer angefasst, kann er mit seinen kräftigen Kieferzangen empfindlich zubeißen.

Im Mittelalter muss der Schwarze Raubkäfer in Dörfern und Städten häufiger vorgekommen sein. Dafür sprechen die Namen, die er bekam. Moderkäfer nannte man ihn, weil er sich auch an Aas heranmachte. Was jedoch der Aberglaube dem Käfer andichtete, gehört der Vergangenheit an. Oft brachte man das schwarze, hässliche Insekt mit dem Teufel in Verbindung. So nannte man ihn in England "the Devil·s coach horse" (des Teufels Kutschengaul).

Wer dem Käfer begegnete, der hatte mit kommendem Unheil zu rechnen. In Irland glaubten manche Leute sogar, der Teufel nehme zeitweise die Gestalt des Moderkäfers an. Vielleicht haben diese Schauergeschichten dazu beigetragen, dass der Schwarze Raubkäfer gleich für zwei Horror-Romane des amerikanischen Autors Richard Lewis herhalten musste: 1979 erschien "The Devils Coach Horse" und 1980 "The Black Horde" (Die schwarze Horde). In beiden Büchern machen Schwarze Raubkäfer Menschen das Leben zur Hölle.

Tatsächlich aber helfen diese wehrhaften Insekten und ihre Larven ganz erheblich bei der biologischen Schädlingsbekämpfung. Besonders Nacktschnecken und Raupen fallen ihnen zum Opfer. Unfälle mit Menschen kommen höchstens vor, wenn man mit bloßen Händen im Kompost wühlt oder die Käfer aus Versehen anfasst. Außerdem sollte man Moderkäfer beim Sonnen in Ruhe lassen. Dann kann eigentlich gar nichts passieren. Kinder sollten freilich über die Gefahren, die von den Schwarzen Raubkäfern ausgehen können, Bescheid wissen und diese Insekten nicht unnötig reizen. Auf dem Kappelberg geht der Schwarze Moderkäfer sogar auf die ebenfalls wehrhaften Ameisenlöwen los.

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