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Ein Bier gegen die Maisversteppung

"Fellbach und Rems-Murr-Kreis", vom 06.08.2010 02:40 Uhr
Welzheim Die Geislinger Brauerei Kaiser will dafür sorgen, dass sich der einst traditionelle Braugersteanbau im Schwäbischen Wald für die heimischen Landwirte wieder lohnt. Von Harald Beck

Es nieselt leicht "auf dem Wald", wie die Einheimischen dort oben in Welzheim zu ihrer Heimat sagen. Kein Problem, denn auf dem Asphaltfeldweg beim Eierhof steht ein schützender Zeltpavillon. Nicht ohne Grund ergänzt ihn ein Stand mit ordentlich aufgereihten Bierflaschen und -gläsern. Kellerpils steht zur Auswahl oder Frühlingsmärzen. Natürlich geht es bei der Veranstaltung am Rand der Felder nicht in erster Linie ums Biertrinken, sondern um den Anbau von Braugerste. Die gedeiht - fast reif - direkt daneben auf einem zwei Hektar großen Feld.

Eine absolute Ausnahme sei dieses Braugerstefeld im Schwäbischen Wald inzwischen, sagt Ulrich Kumpf, Braumeister und Mitgeschäftsführer der Geislinger Kaiser-Brauerei - und das, obwohl die Braugerste hier einst das Landschaftsbild mitgeprägt habe. Heute sprächen Fachleute hingegen bereits von einer "Maisversteppung". Um gegen diese Entwicklung anzugehen, habe sich auf Initiative der Bierbrauerfamilie Kumpf ein Bündnis gebildet, das sich auf die Fahnen geschrieben hat, den Braugersteanbau im Schwäbischen Wald zu fördern. Das Ziel sei, ein regionales Bier zu brauen - "a gscheits Bier", wie Kumpf betont.

Erfahrungen mit regionalen Rohstoffen haben die schwäbischen Bierbrauer bereits. Denn im Bereich der Schwäbischen Alb hat die Brauerei, die unter anderem pro Jahr rund 750 Tonnen Braugerste verarbeiten lässt, schon vor 23 Jahren eine Erzeugergemeinschaft für Braugetreide ins Leben gerufen. Dieser gehörten inzwischen 28 Landwirte an, denen ein Preis für ihr Produkt geboten werde, der weniger den Schwankungen und Abwärtstrends des Marktes unterworfen sei, weil er jährlich gemeinsam in Vorverträgen ausgehandelt werde. Und meist, so sagt Kumpf, falle der Endpreis sogar noch höher aus.

Im Welzheimer Raum ist nun der 36-jährige Nebenerwerbslandwirt Achim Sailer vom Eierhof der Pilotpartner der Geislinger Bierbrauer. Er meint, dass er wohl inzwischen der einzige in der Umgebung sei, der weiterhin Braugerste anbaue. Die erzielbaren Preise seien zuletzt einfach zu niedrig gewesen. Dass er nun mit dem neuen Partnern doch wieder zwei Hektar angepflanzt hat, das liege unter anderem daran, dass die Abnahme garantiert sei und er anstelle der zuletzt erzielten knapp zehn Euro je Doppelzentner nun wohl mit mindestens 17,50 Euro rechnen könne.

Zur Vorstellung dieses Braugersteprojektes hat sich gestern auch der Rems-Murr-Landrat Johannes Fuchs hinauf in den Welzheimer Wald begeben. "Die Idee und die Initiative hat mich überzeugt", sagte er in seinem Grußwort am Feldrand. Die Braugerste habe schließlich Tradition und leide unter der Konkurrenz der "bioenergetischen Landwirtschaft".

Auch unter ökologischen Gesichtspunkten sei das Projekt zu begrüßen, weil weniger Stickstoff in die Böden gedüngt werde. Was die Braugerste angeht, habe er nichts dagegen, wenn aus den 15 Tonnen, die Sailer für sein Feld erwartet, bald 150 würden. Fuchs" Appell an die örtlichen Landwirte: "Die Idee dieser Direktvermarktung sollten wir stärken."

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