„Effi Briest“ im Forum-Theater Hauptsache männlich

Von Armin Friedl 

Martina Guse in „Effi Briest“ Foto: Haymann
Martina Guse in „Effi Briest“Foto: Haymann

Zwölf Rollen, zwei Schauspieler: Karin Eppler hat Theodor Fontanes Roman „Effi Briest“ für die Bühne bearbeitet und für das Forum-Theater inszeniert. Die Geschichte wird verständlich erzählt ohne größere Dramatik in einer Wohlfühl-Atmosphäre.

Stuttgart - „Wann haben Sie zum letzten Mal ,Effi Briest‘ gelesen, mussten Sie das tun?“, fragen Martina Guse und Udo Rau einleitend freundlich das Publikum und halten eine Effi-Taschenbuchausgabe in den Raum. Das Publikum im Forum Theater ist erst mal irritiert über diese direkte Ansprache, doch keine Sorge: Diese Inszenierung und Bearbeitung des Fontane-Romans durch Karin Eppler werden kein Mitmach-Theater.

Unbeschwert und vergnügt geht es weiter, lustvoll wechseln Guse und Rau zwischen zwölf Rollen: Guse ausgelassen schaukelnd als Effi, im Gespräch mit ihren Freundinnen, dann die liebevolle Mutter; Rau als Erzähler, als leicht seniler gestrenger Vater und als galanter Baron von Innstetten.

Punktgenau arbeiten die beiden Schauspieler die jeweiligen Befindlichkeiten heraus, die Inszenierung gibt viel Raum für die Rollenwechsel. Beide scheffeln so viele Sympathiepunkte: Jugendliche Unbedarftheit, stolzes Alter, Geschwätzigkeit, kleinkindliches Gurren, all diese Charaktereigenschaften kommen hier formvollendet zum Zuge. Dafür hat Eppler noch einige Rollen aus der Romanvorlage gestrichen.

Dem reinen Stückverlauf schadet das nicht. Untiefen werden aber geglättet. Dass der Baron als Ehemann der anfangs minderjährigen Effi doppelt so alt ist, geht unter. Was zählt, ist seine männliche Ausstrahlung, und die wird von Rau voll ausgespielt.

Die Wohlstandsgemeinschaft in Kressin in Hinterpommern strengt zwar an, aber es sind herzensgute Leute. So bleibt der Hund Rollo ein verlässlicher Gesell, der Chinese eine diffuse Gespensterfigur und der Major von Crampas wird zur männlichen Sehnsuchtsgestalt, die auf einmal von der jungen Effi Besitz ergreift, dann aber schnell abgewiesen wird. Und dennoch nimmt von da an die tödliche Abwärtsspirale der Effi ihren Lauf.

So gibt es in der Tat im Forum Theater ein Wiedersehen mit einer prominenten literarischen Gestalt, die sicher nicht alle in Schultagen freiwillig kennengelernt haben. Was diese Frau aber so umgetrieben hat, was der Autor damit ausdrücken wollte, das bleibt offen in so viel Wohlfühl-Atmosphäre.

Weitere Aufführungen bis 6. Februar, Karten unter 07 11 / 4 40 07 49 99

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