DTB-Pokal Zündstoff vor dem Turn-Spektakel

Von Marco Seliger 

Kein Auftritt im Mehrkampf in der Heimat: Elisabeth Seitz  muss beim DTB-Pokal zuschauen Foto: Getty
Kein Auftritt im Mehrkampf in der Heimat: Elisabeth Seitz muss beim DTB-Pokal zuschauenFoto: Getty

Der DTB-Pokal in der Porsche-Arena findet in diesem Jahr erstmals im Frühjahr statt. Lokalmatadorin Elisabeth Seitz vom MTV Stuttgart muss beim Mehrkampf aber zuschauen, Marcel Nguyen dagegen ist dabei.

Stuttgart - Die Sache wäre eigentlich einfach gewesen: Deutschlands Vorzeigeturnerin Elisabeth Seitz (22) darf als Lokalmatadorin des MTV Stuttgart als eine von zwei deutschen Starterinnen beim DTB-Pokal in der Porsche-Arena ran – die prominenteste und in den vergangenen Jahren beste deutsche Turnerin als Zugpferd beim Mehrkampf an diesem Samstag. Seitz als Star, Seitz als Publikumsmagnet. Klingt alles logisch, klingt irgendwie selbstverständlich. Doch die Dinge, sie laufen anders.

Elisabeth Seitz muss an diesem Samstag zuschauen, weil Bundestrainerin Ulla Koch die beiden deutschen Mehrkampf-Startplätze an Pauline Schäfer und Sophie Scheder (beide Chemnitz) vergab. „Es wäre für mich eines der tollsten Dinge gewesen, hier im Mehrkampf zu starten“, sagt Elisabeth Seitz, die über die Entscheidung maßlos enttäuscht ist. Denn nicht nur der Heim-Weltcup bleibt ihr verwehrt, sondern damit auch die Aussicht auf das Sieger-Preisgeld in Höhe von 16 000 Schweizer Franken (14 600 Euro). Die Teilnahme am Team-Wettbewerb am Freitag (Qualifikation) und Sonntag ist ein schwacher Trost für Seitz.

Ulla Koch dagegen verteidigte die Ausbootung. „Meine Athletinnen müssen sich auf mich verlassen können, ich muss ihnen in der Planung Sicherheit geben.“ Was die Bundestrainerin meint: Beim National Team-Cup vor zwei Wochen im bayrischen Buttenwiesen fand die interne nationale Ausscheidung für den DTB-Pokal statt. Tabea Alt vom MTV Stuttgart startete parallel dazu beim American Cup in Newark – ihre Ergebnisse wurden mit jenen aus Buttenwiesen verrechnet. Tabea Alt qualifizierte sich, zog sich nun aber einen Bluterguss im Knie zu und fällt für den DTB-Pokal aus, weshalb nun zwei Chemnitzerinnen in Stuttgart an den Start gehen.

STB-Präsident Drexler verärgert

Das Nominierungsprozedere jedenfalls sei mit den Athleten vorab klar besprochen worden, sagt Ulla Koch. Das Problem dabei war, dass Elisabeth Seitz in der Woche vor der nationalen Ausscheidung mit einer starken Erkältung kämpfte und dann in Buttenwiesen geschwächt die Qualifikation für Stuttgart verpasste – vorherige Wettkampfergebnisse zählten nicht mit in die Wertung. Der weibliche Star der deutschen Turnszene, der für den MTV Stuttgart startet, muss nun also beim DTB-Pokal in der Landeshauptstadt – dem einzigen Turn-Großereignis in Deutschland in diesem Jahr – zuschauen. Das ist zumindest eine sonderbare Konstellation, die nicht nur Seitz selbst missfällt.

Auch Wolfgang Drexler, Präsident des Schwäbischen Turnerbundes (STB), ist verärgert. „Das ist ein schwerer Wermutstropfen für uns“, sagt Drexler – allein schon deshalb, „weil die schwäbischen Zuschauer die Athleten aus dem heimischen Bereich auch gerne anfeuern.“ Der STB-Präsident fordert für die Zukunft eine „bessere Abstimmung mit dem Deutschen Turnerbund“. Was Drexler meint: Einer von zwei Mehrkampf-Startplätzen beim DTB-Pokal könnte künftig vorab für eine lokale Größe reserviert werden. Bundestrainerin Ulla Koch signalisierte in dieser Richtung Gesprächsbereitschaft. Es sei in diesem Jahr vonseiten des STB aber nicht kommuniziert worden, dass der Start einer Lokalmatadorin gewünscht sei. Ulla Kochs Tenor: Wenn ich das gewusst hätte, wäre das auch kein Problem gewesen.

Die Fronten, sie scheinen nun erst einmal verhärtet zu sein. Auf der einen Seite steht der Leistungssport-Gedanke Ulla Kochs mit klaren und verlässlichen Richtlinien – und Turnerinnen, die in diesem klar festgesteckten Rahmen konkurrieren. Auf der anderen Seite gibt es auch so etwas wie Fingerspitzengefühl für die jeweilige Situation, die Veranstaltung und die Athletin.

Bretschneider geht für Hamüchen an den Start

Wie es auch gehen kann, zeigt Ulla Kochs Amtskollege Andreas Hirsch, der Bundestrainer der Männer. Der betont schon seit längerer Zeit, dass es für ihn nicht nur Excel-Tabellen gebe, sondern auch sein Bauchgefühl. Und mit dem könne man Daten in Tabellen vor Wettkämpfen auch mal verschieben. Für seine Nominierung für den DTB-Pokal bedeutete das, dass Lokalmatador und Starturner Marcel Nguyen in jedem Fall einen von den zwei deutschen Startplätzen bekam. Der andere war für Fabian Hambüchen reserviert – doch der leidet an Schulterproblemen, weshalb nun der Chemnitzer Andreas Bretschneider an den Start geht.

Wie auch immer: Der DTB-Pokal findet in diesem Jahr aufgrund der Terminänderungen der Weltcupserie erstmals im Frühjahr statt – die Änderung geht auf die Jahresplanung des Weltverbandes zurück, der künftig im Herbst mit der WM nur noch einen Höhepunkt vorsieht.

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