Drohbriefe an AfD-Abtrünnige Spur der Drohungen führt nach Waiblingen

Von Götz Schultheiss 

Opfer anonymer Drohbriefe: das ehemalige AfD-Vorstandsmitglied Hans-Olaf Henkel Foto: dpa /Maurizio Gambarini
Opfer anonymer Drohbriefe: das ehemalige AfD-Vorstandsmitglied Hans-Olaf HenkelFoto: dpa /Maurizio Gambarini

Die Spur der Drohbriefe an sechs ehemalige AfD-Mitglieder, darunter Hans-Olaf Henkel und Bernd Kölmel, führt in die Region Stuttgart. Sämtliche Briefe wurden von Waiblingen im Rems-Murr-Kreis aus versandt.

Waiblingen - Die Spur der Drohbriefe an sechs ehemalige AfD-Mitglieder, darunter Hans-Olaf Henkel und Bernd Kölmel, führt in die Region Stuttgart. Sämtliche Briefe wurden von Waiblingen im Rems-Murr-Kreis aus versandt.

„Im Briefzentrum Waiblingen werden alle Briefe aus dem Großraum Stuttgart zusammengeführt“, sagte ein Sprecher der Polizeidirektion Stuttgart am Sonntag unserer Zeitung. Die sechs Drohbriefe einer „AfD-Armeefraktion“ hätten alle den Waiblinger Stempel getragen. Der Vorgang sei in der Polizeidirektion deshalb zwar bekannt, aber eine Anzeige gegen die unbekannten Verfasser sei in ihrem Zuständigkeitsbereich bisher noch nicht eingegangen. Auf die Frage, ob der Staatsschutz in Baden-Württemberg in der Angelegenheit ermittle, hatte ein Sprecher des Landesinnenministeriums am Sonntag auf das Polizeipräsidium Stuttgart verwiesen.

Ehemalige AfD-Mitglieder haben ihre EU-Parlamentsmandate behalten

Auch bei der Polizeidirektion Waiblingen war nichts Näheres zu erfahren. „Wir kennen den Vorgang bisher nur aus Meldungen der Presseagenturen. Zuständig für den Fall ist immer die Polizeidienststelle, bei der Anzeige erstattet wurde, und die Polizei ist groß“, sagte ein Polizeisprecher. Für das ehemalige Mitglied des AfD-Bundesvorstands Hans-Olaf Henkel, der seinen Hauptwohnsitz in Berlin hat, müsste deshalb die Berliner Polizei zuständig sein. Doch auch dort herrschte typischer Sonntag-Betrieb. „Ich weiß von den Drohbriefen überhaupt nichts und kann heute mit Sicherheit nichts näheres in Erfahrung bringen “, sagte eine Sprecherin der Berliner Polizeibehörde.

Über die Drohbriefe an die ehemaligen AfD-Mitglieder, die inzwischen der neugegründeten Partei Alfa angehören, hatte zuerst die „Welt am Sonntag“ berichtet. Die Alfa-Mitglieder hatten nach der Wahl Frauke Petrys zur neuen AfD-Bundesvorsitzenden die AfD verlassen und sich der neuen- Partei des einstigen AfD-Gründers Bernd Lucke angeschlossen. Ihre Mandate im Europaparlament, in das sie als AfD-Kandidaten gewählt worden waren, behielten sie jedoch. Petry hatte sie mehrfach aufgefordert, die Mandate abzugeben.

Henkel vermutet hinter Drohbriefschreiber einen Einzeltäter

Laut der Nachrichtenagentur Reuters vermutet Henkel einen Einzeltäter hinter den Briefen. „Ich glaube nicht, dass dahinter eine terroristische Struktur steht“, wird er zitiert. Er könne es sich auch nicht vorstellen, dass die derzeitige AfD-Spitze etwas mit den Drohungen zu tun habe.

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