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Dominikanische Republik Karibik: Klarer Fall von schön

Martin Cyris aus Samaná, vom 29.01.2012 05:00 Uhr
Kopfüber in die Tiefe: Wagemutiger am Wasserfall Salto de Limón. Foto: Cyris
Kopfüber in die Tiefe: Wagemutiger am Wasserfall Salto de Limón. Foto: Cyris

Gummistiefel? Das war das Letzte, an das wir als Ausrüstungsgegenstand gedacht hatten. Badehose und Bikini, viel mehr braucht es normalerweise nicht in der Dominikanischen Republik. Vielleicht noch Hotpants, einen Schlauch von einem Abendkleid, Adiletten und Muscle-Shirts. Aber Gummistiefel? Wer keine im Gepäck hat, dem kann geholfen werden: Am Rande des Dorfes El Limón im Nordwesten des Karibikstaates steht eine Holzhütte, bis unters Dach vollgepackt mit den Kunststofflatschen. In jeder Größe. Der ganze Aufzug kommt optisch freilich etwas gewöhnungsbedürftig daher: oben Sommer-, unten Herbstlook. Wie auch immer, die Treter passen wie angegossen.

Gegossen hat es zuletzt stark im Nordwesten der Dominikanischen Republik. Mindestens einmal pro Tag kann es im dominikanischen Winter zu einem kurzen, aber heftigen Regenschauer kommen. Zwar brennt danach häufig wieder die Sonne, aber die Waldwege bleiben matschig. Erst recht zum Salto de Limón. Dutzende Pferde traben im Entenmarsch den rund zwei Kilometer langen Weg von der Stiefelverleihstation zum Wasserfall hin und wieder zurück, mit Touristen auf dem Rücken. In der Hochsaison in zwei bis drei Schichten täglich. Da wird die Pampe jedes Mal aufs Neue umgepflügt. Der Matsch sollte von einer Visite nicht abschrecken. Denn der Salto de Limón ist einer der schönsten Wasserfälle der Welt, wildromantisch seine Lage. Der Weg dorthin führt durch üppigen, tropischen Wald. Und ist dank der Pferde bequem zu bewältigen.

Am Beginn des Wegs schnaubt es aus Dutzenden Nüstern. Ein Auflauf wie auf dem Pferdemarkt. Die Tiere warten auf Ihre Fracht. Und genauso viele Guides. Jedes Pferd wird auf dem kleinen Marsch von einem Führer an die Hand genommen. So haben auch Reitanfänger die Möglichkeit aufzusitzen. Über ein Podest geht es in den Sattel. Der besteht nicht etwa aus Leder, sondern aus bunten Kleiderfetzen. Wenn es an irgendetwas in der Dominikanischen Republik nicht mangelt, dann an Improvisationstalent. Die Sättel werden von Hausfrauen in Heimarbeit gefertigt, scharfe Scheren sorgen für fotogenen Fransenlook. Bunte Farbtupfer setzen auch die Früchte, die entlang des Wegs wachsen: Mangos, Papayas, Orangen, Kakao und Kaffee. Jose Manuel, mein Guide, reißt ein Blatt eines Orangenbaums ab und hält es mir unter die Nase: intensives Tropenaroma, das womöglich selbst den inzwischen verstorbenen Orangenpapst Onkel Dittmeyer wieder zum Leben erwecken würde. In den Obstcontainern auf dem langen Weg nach Europa verduftet dieses unvergleichlich karibische Aroma unwiederbringlich.

Paula, das Pferd, hat dafür keinen Sinn. Die Stute achtet darauf, wo sie hintritt. Kleine Felsbrocken im Schlamm machen den Pfad zu einem Hindernisparcours. Die Pferde sind das ganze Kapital ihrer Besitzer. Sie werden auf zahlreichen Ranches rund um El Limón gehalten. Reiseagenturen fordern täglich den Bestand an. In der Hochsaison bis zu 100 Furys. Die Guides sind in der Regel junge Erwachsene aus den umliegenden Dörfern. Dank des Wasserfalls plätschert Geld in ihre Kassen. Ansonsten leben 80 Prozent der Bevölkerung auf der Halbinsel Samaná von der Landwirtschaft. Hauptsächlich auf Kokosplantagen. Kokosnüsse gibt es im Überfluss. Klima und Böden sind enorm fruchtbar. Von schätzungsweise 24 Millionen Palmen im ganzen Land stehen auf der kleinen Halbinsel allein sieben Millionen Exemplare auf rund 700 Quadratkilometern.

Das wäre ungefähr so, wie wenn in Berlin achteinhalb Millionen Eichen stünden. Stellenweise erinnert der Bewuchs eher an einen Palmen- denn an einen Regenwald. Stichwort Regen: Nach einer Dreiviertelstunde ist die Naturschönheit erreicht. Es gießt in Strömen– obwohl der Himmel blau ist. Der Rio Limón stürzt mitten in der Wildnis rund 30 Meter abwärts. Wir stehen vor dem Salto de Limón. Kaskadenartig ergießt sich das Wasser, das wie ein seidener Schleier bemooste Felsen verhüllt. Eine Szenerie wie eine Filmkulisse. Die Sonne zaubert faszinierende Kristalltöne aufs fallende Wasser und ins Becken, in dem Ausflügler ein erfrischendes Bad im klaren Wasser nehmen. Über einen breiten Sturzbach rauscht der Rio Limón talwärts.

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