Doktorarbeit Gutachter wirft Schavan Täuschungsabsicht vor

dpa, 14.10.2012 14:34 Uhr

Düsseldorf/Berlin - Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) muss um ihren Doktortitel bangen - und um ihre politische Zukunft. Ein Gutachter wirft ihr nach Medienberichten bewusste Täuschung bei ihrer Promotionsarbeit vor.

Es ergebe sich das "charakteristische Bild einer plagiierenden Vorgehensweise", stellte der Prüfer der Universität Düsseldorf fest, wie das Nachrichtenmagazin "Spiegel" und die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) am Sonntag übereinstimmend aus der Analyse zitierten.

Schavan wehrte sich gegen den Vorwurf: "Die Unterstellung einer Täuschungsabsicht weise ich entschieden zurück", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. In der SZ betonte sie, wie sehr sie die Vorwürfe schmerzten: "Es trifft mich. Es trifft mich im Kern. Es trifft den Kern von dem, was mir wichtig ist." Schavan räumte allenfalls kleinere Fehler ein. "Ich habe sorgfältig gearbeitet. Hier und da hätte man auch noch sorgfältiger formulieren können."

Die Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität überprüft seit mehreren Monaten Schavans Doktorarbeit aus dem Jahr 1980 auf Plagiatsvorwürfe. Wie "Spiegel" und "SZ" berichten, hat der Gutachter Stefan Rohrbacher auf 60 von 351 Seiten Mängel gefunden. "Eine leitende Täuschungsabsicht ist nicht nur angesichts der allgemeinen Muster des Gesamtbildes, sondern auch aufgrund der spezifischen Merkmale einer signifikanten Mehrzahl von Befundstellen zu konstatieren", heißt es demnach in der vertraulichen Analyse.

Allerdings sei noch nicht sicher, ob Schavan ihren Doktortitel verliere. Die Entscheidung treffe nach Auskunft der Universität Düsseldorf in den kommenden Tagen der Fakultätsrat auf Grundlage des Berichts. Rohrbacher ist Professor für Jüdische Studien und Prodekan an der Uni Düsseldorf sowie Vorsitzender des zuständigen Promotionsausschusses. Nach "Spiegel"-Informationen tagt der Promotionsausschuss an diesem Mittwoch. Das Gremium gibt eine Empfehlung an den Fakultätsrat, der schließlich zu entscheiden hat.

Anders als bei früheren Plagiatsvorwürfen gegen Politiker - etwa im Fall des zurückgetretenen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) - ging es bei Schavan nicht um die Übernahme kompletter Textstellen aus anderen Veröffentlichungen. In einem Internet-Blog wurde Schavan vor allem vorgeworfen, Quellen nicht vollständig aufgelistet und zum Teil auch "verschleiert" zu haben.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, sprach von einem schwerwiegenden Vorwurf. "Frau Schavan hat an Herrn zu Guttenberg strenge Maßstäbe angelegt. Sie muss klären, ob diese Maßstäbe auch für Sie selber gelten." Die Vorsitzende des Bundestags-Bildungsausschusses, Ulla Burchardt (SPD), forderte für Schavan eine faire Chance, sich zu den Vorwürfen zu äußern. "Wenn sich die Vorwürfe allerdings bewahrheiten, dann muss sie zurücktreten", sagte Burchardt der "Mitteldeutschen Zeitung" (Montag).

 
 
Kommentare (8)
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OKT
15
Pragmatiker, 10:12 Uhr

Vorverurteilung - und die Grünen vorne dran

Kann man eigentlich nicht mal abwarten? Vorverurteilung - das liebste Spiel der sensationsgeilen Mediengesellschaft. Kachelmann lässt grüßen - auf universitärem Niveau natürlich. Lob an die SPD-Leute. Sie verhalten sich politisch korrekt: faire Chance der Verteidigung (Ulla Burchardt), und sogar der als Scharfmacher bekannte Thomas Oppermann räumt Frau Schavan ein, die Sache klären zu dürfen. Seltsam, dass Frau Künast von den Grünen dagegen kräftig draufhaut und fröhlich mit vorverurteilt ... Ist das der internen Wahl zur Spitzenkandidatin geschuldet? Um Frau Roth Paroli bieten zu können. Das wäre ziemlich erbärmlich. Unfair ist es in jedem Fall.

OKT
15
Gutmensch, 08:35 Uhr

Vorwahlkampf

Ah, unsere geliebten Gutmenschen haben ein neues Opfer gefunden zum zerfleischen! Die läuten aber schon früh den Bundestagswahlkampf ein! Es ist heutzutage so einfach einen Menschen bloszustellen! Wir behaupten etwas und schicken es bekannten Redakteuren! Schwups! Beängstigend! Hier in Stuttgart laufen unsere Gutmenschen mit Nazibinde herum. Sie haben keine Hakenkreuze darauf aber eine schwarze Brezel. So wollen Sie den von Ihnen ungeliebten OB-Kandidaten Herrn Turner durch den Schmutz ziehen! Frau Merkel ist bei uns zu Besuch! Unsere Luxusgrünen der Halbhöhenlage lassen Sie nicht zu Wort kommen, nein sie pfeiffen sogar die Deuschlandhymne aus! Beängstigend diese 11 Prozent Luxusgrünen und diese Minderheit der Linken! Beängstigend!

OKT
15
Hanssen, 08:02 Uhr

Es sei ihr gegönnt ...

.... diese Gefühl sich rechtfertigen zu müssen - die Karten offen zu legen - und sich schlecht dabei fühlen. Als frühere Kultusministerin in BW forderte sie kompromisslos das Abnicken ihre Untertanen, kannte keine Gnade. Nun darf 'sie' sich mal rechtfertigen. Diese Gefühlslage der Ohnmacht gönne ich ihr! :-)

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