Diplomatenoffensive China sucht Einfluss in der arabischen Welt

Von Christian Gottschalk 

Xi Jinping will sein Land auch als politische Großmacht positionieren. Foto: AFP
Xi Jinping will sein Land auch als politische Großmacht positionieren.Foto: AFP

Lange ist Peking in der Region zurückhaltend aufgetreten. Nun ist die Weltmacht um mehr Einfluss bemüht. In Afghanistan hat die diplomatische Offensive bereits Erfolg, Peking arbeitet immer mehr daran, auch politisch zur Großmacht zu werden.

Kairo - Prophetische Gaben braucht es nicht gerade, um vorherzusagen, dass das Thema Menschenrechte bei diesem Besuch keine allzu große Rolle spielen wird. Am Dienstag ist Chinas Staatspräsident in Kairo eingetroffen, und das ist nur der Auftakt zu einer kleinen Tournee, die es in dieser Form noch nicht gegeben hat. Von Ägypten aus reist Xi nach Saudi-Arabien weiter und dann noch in den Iran. Dabei geht es – wie immer – um handfeste Wirtschaftsverträge. Es geht aber auch, und das ist neu, darum, wie sich China als Vermittler auf der internationalen Bühne zu positionieren sucht.

Bei den Syrien-Konferenzen sitzt China zwar schon seit Langem am Verhandlungstisch, besonders aktiv hat Peking dabei aber nicht agiert. Das hat sich in den letzten Wochen und Monaten geändert. China setzt sich aktiv als Gesprächsvermittler ein und hat erkannt, dass eine Entspannung der Lage nur unter Einbeziehung von Saudi-Arabien und dem Iran möglich ist. „Xi Jinping will sein Land als Großmacht positionieren, und die muss auch in der Lage sein, in internationalen Konflikten an Lösungen mitzuwirken“, sagt Moritz Rudolf vom Mercator-Institut für China-Studien (Merics) in Berlin. Chinas Regierung engagiere sich nun, um „Diplomaten mit Krisenerfahrung“ heranzubilden.

China vermittelt erfolgreich bei den Taliban

Die Reise Xis ist vor der jüngsten Eskalation zwischen Riad und Teheran geplant worden. Dieser Konflikt ist für die chinesische Diplomatie nun eine Bewährungsprobe der besonderen Art. Der stellvertretende Außenminister Zhang Ming ist bereits seit Tagen in der Region unterwegs und versucht zu vermitteln. Anderenorts sind die Diplomaten Pekings bereits seit mehr als einem Jahr aktiv: als Vermittler zwischen Kabul, Pakistan und den Taliban. Andrew Small, Analyst beim German Marshall Fund, sieht dabei auch schon Erfolge. Chinesische Vermittlungsbemühungen zwischen Pakistan und den Taliban seien auf einem guten Weg, sagt Small der Agentur dpa.

Neben der neuen diplomatischen Offensive ist Peking stets an wirtschaftlicher Zusammenarbeit interessiert – meist recht undogmatisch, ohne diese mit politischen Punkten zu verknüpfen. Saudi-Arabien ist traditionell der wichtigste Öllieferant für das Reich der Mitte, auch wenn im vergangenen Jahr kurzfristig Russland diese Rolle übernommen hat. Die Beziehungen zum Iran waren immer eng und freundschaftlich. Das freilich muss der westlichen Welt nicht immer gefallen.

Waffen für eine unruhige Region?

Mit dem Iran ist der Bau von zwei neuen Atomkraftwerken geplant – und sorgenvoll blickt mancher Diplomat auf eine Statistik des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri. Demnach hat China inzwischen den dritten Platz der Waffenexportnationen errungen, hinter den USA und Russland. Das bedeutet, dass im Nahen Osten nicht nur neue diplomatische Hilfe in Sicht ist, sondern auch ein neuer Konkurrent in einem hochsensiblen Bereich.

Die bestehende, vom Westen entworfene Weltordnung, hat China in der Vergangenheit scheinbar widerspruchsfrei akzeptiert, nun sind die Arbeiten an Parallelstrukturen nicht mehr zu übersehen. Die Wirtschaftskonferenzen in Tianjin und Dalian als Gegenpart zu Davos gehören ebenso dazu wie die Einrichtung der asiatischen Infrastrukturentwicklungsbank als Gegenpart zum Internationalen Währungsfonds. Saudi-Arabien und der Iran gehören zu den Gründungsmitgliedern.

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