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Digitaler Nomade auf Heimatbesuch Wie man aus Träumen Geschäfte macht

Von Uwe Bogen 

Ka Sundance, ein Lebenskünstler Foto: Lichtgut
Ka Sundance, ein LebenskünstlerFoto: Lichtgut

„Tu, was du liebst“ ist das Motto von Ka Sundance. Er liebt seine Frau, seine fünf Kinder, die Familien-Reisen um die Welt – und das Internet. Ein digitaler Nomade auf Heimatbesuch.

Stuttgart - „Tu, was du liebst“ ist das Motto von Ka Sundance. Er liebt seine Frau, seine fünf Kinder, die Familien-Reisen um die Welt – und das Internet. Ein digitaler Nomade auf Heimatbesuch.

Passt auf, hat er seinen Kindern gesagt, wir kommen jetzt in ein Land, in dem Fußgänger bei Rot stehen bleiben und in dem Züge pünktlich sind – es ist das Land seiner Heimat. Als Christian Kattoll ist er 1995 nach Costa Rica gezogen, zwei Jahre nach dem Abi. Dort lebt er noch heute, wenn er nicht gerade mit der Familie die Welt bereist. Mit dem neuen Namen Ka Sundance ist der 40-Jährige, der in Jettingen bei Herrenberg aufwuchs, als Chef eines Online-Unternehmens für einige Wochen zu den Schwaben zurückgekehrt.

Pünktliche Züge? Waren die das früher etwa, als Christian, der spätere Ka, zur Schule ging? „Klar sind Züge für dich pünktlich“, antwortet er, „wenn du es gewohnt bist, dass einmal am Tag der Bus kommt, und keiner weiß, wann.“

Ka ist da. Herr Sundance ist ein Sonnyboy, sofern man mit 40 noch ein Boy sein kann, als Vater von fünf Kindern. Ka ist ein freundlicher, meist strahlender Mann, der Sätze sagt wie „Tu, was du liebst!“ oder „Gönne dir Licht und Liebe“.

Auch er will die Welt ein bisschen besser machen

Nein, mit Sektentum hat das bei ihm nichts zu tun. Keine religiöse Botschaft steckt dahinter. Aber er will die Welt ein bisschen besser machen, indem die Welt lehrt, alles mit Leidenschaft zu tun. Da ist einer, der mit dem Träumen nicht aufhören muss, weil er es geschafft hat, aus Träumen ein Geschäftsmodell zu formen.

Wir sitzen im Business-Club Schloss Solitude. Der Sonnentänzer (seine Familie ist in einem Feriendorf auf der Schwäbischen Alb geblieben) ist selbst ein Business-Man. Im Internet betreibt er eine Start-up-Schule, für die man 900 Euro zahlt, um zu erfahren, wie man virale Treffer landet und Klickzahlen nach oben treibt. 500 Mitglieder hat er bereits, sagt er.

Bei seinem Unternehmen, das die Vorteile der Rohkost-Ernährung mit Produkten und Rezepten bei bis zu 100 Millionen Aufrufen im Monat propagiert und in einem steuerfreien Land seinen Sitz hat, steige der Umsatz ständig. „Vom Punk und Sozialhilfeempfänger zum Millionär“ – solche Schlagzeilen werden über ihn geschrieben.

„Sei stets ehrlich und authentisch“

Aber das sei falsch. „Wer einen Millionenumsatz hat, ist kein Millionär“, sagt er, um nebenbei eine Grundregel für Erfolg bei You Tube zu lehren: „Sei stets ehrlich und authentisch.“ Auch selbstverliebt? „Natürlich“, lautet seine Antwort, „ich liebe das, was ich mache.“

Selbstverliebt und ehrlich – das reicht aber nicht. Man muss auch fleißig in Internetforen unterwegs sein, kommentieren, Spuren hinterlassen, damit der Schneeball zur Lawine wird. Das Netz spielt verrückt. Bei ein und demselben Satz kann einer auf 100 000 Klicks kommen, der andere auf fünf. Auf die Ausstrahlung kommt es an, aber auch auf das Wissen, wie, wo, was und wann man posten muss.

Weil Ka Sundance Auslandsdeutscher ist und mit Frau und fünf Kindern wie Normaden um die Welt reist (eben dorthin, wo es WLAN gibt), fallen die Sprösslinge nicht unter die deutsche Schulpflicht. Sie machen Homeschooling im Internet – wie man heute alles übers Internet macht. Bei Porno und Kriegsspielen hört bei Ka allerdings der Spaß auf. Wer aus diesen Geschäftsfeldern kommt, wird in seiner Schule nicht aufgenommen.

Alles digital, na klar: Auch beim Pressegespräch sowie beim Essen danach (Rohkostsalat für Ka Sundance, Maultaschen für mich) streckt der 40-Jährige meist den rechten (mit dem Wort „Achtsamkeit“ tätowierten) Arm nach oben, um mit der Kamera alles für You Tube zu filmen. Wir sehen uns im Netz wieder! Sofern wir dies lieben. Danke Ka! Von nun an mach’ ich nur noch, was ich lieb’. Ich liebe es auszuschlafen. Kann sein, lieber Chef, dass ich es morgen leider nicht pünktlich zur Konferenz schaff’.

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