Unternehmensvertreter und Schüler an einem Tisch: essend, plaudernd, sich gegenseitig informierend. Das Business-Frühstück der städtischen Wirtschaftsförderung ist gestern erstmals an die Theodor-Heuss-Realschule gekommen. In der dortigen Mensa kamen sich die zwei Welten näher - dahinter steht die Hoffnung, dass weitere Bildungspartnerschaften entstehen.
Von denen hat die Realschule schon einige: Mit der Kreissparkasse Ludwigsburg, mit der Bahn und mit der Firma Sata. Ziel von Bildungspartnerschaften, so Bürgermeister und Wirtschaftsförderer Dietmar Allgaier, sei es, Schülern und Lehrern mehr Wissen über Wirtschaft zu vermitteln, aber auch konkret Hilfen zur Ausbildungs-, Studien- und Berufswahl zu geben. Aus ersten Kontakten soll ein nachhaltiges Netzwerk entstehen, von dem beide Seiten profitieren.
Zu so einem richtigen Geschäftsessen gehört natürlich auch ein Redner. Als Referent war Diplom-Pädagoge Thomas Schenk vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport geladen. Er legte dar, dass auf Schulen heutzutage mehr Verantwortung zukommt beim Prozess der Berufsorientierung und Arbeitsplatzsuche.
Bedenklich sei, dass immer noch - laut einer kürzlich erschienenen Jugendbefragung - 80 Prozent der Schüler und Schülerinnen angaben, dass sie bei ihrer Berufswahl von den Eltern beeinflusst würden, nur 16 Prozent sagten, dass die Schule oder die Arbeitsagentur für sie entscheidend seien. Die Eltern konterkarierten so häufig die Bemühungen der Schulen, den Jugendlichen ein möglichst breites Spektrum an Berufen zu eröffnen. "Wir müssen die Eltern stärker ins Boot holen, sie qualifizieren und helfen, dass sie die regionalen Ausbildungsangebote auch kennen", erklärt Schenk.
Die Theodor-Heuss-Realschule sei vorbildlich. Dort gebe es "ein durchgängiges System der Beratung und Begleitung, das weit jenes der Arbeitsagentur übertrifft", lobt der Fachmann. An der Einrichtung gibt es mit Marc Römhild einen Lehrer, der über Deputatsstunden für die berufliche Orientierung verfügt. In einem eigenen Raum bietet er Beratungen an. "Der Lehrer weiß auch viel genauer als andere Stellen, wo die Begabungen eines Schülers liegen", glaubt Schenk. Er könne so steuernd eingreifen und Perspektiven eröffnen.
Mit Schulleiter Dietmar Dekrells Ansage, dass an seiner Schule von Beginn an Eltern, Schüler und Schule sich vertraglich auf einen Zusammenarbeit festlegen, dürfte Schenk ebenfalls zufrieden sein. Wie nah die Schüler und Schülerinnen der Wirtschaft schon gekommen sind, zeigten sie bei der Vorstellung ihrer Juniorfirma Theoffice. Sie warben für ihre Produkte wie die "elektronische Schultasche mit Arbeits- und Lernprogrammen" und einen Speicherstick, auf dem sich unter anderem ein Vokabeltrainer findet.
Realschüler, die bei der Firma mithelfen möchten, müssen sich übrigens bewerben. Online. "Das wird heute immer öfter von Arbeitgebern verlangt. Wer das nicht kann, hat schon mal gar keine Chance", befürchtet Dekrell. Noch wichtiger ist aber die Fähigkeit, mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen, und dafür eignet sich ein Frühstück natürlich bestens.