Alte Reben mit gleichmäßigem, gedämpftem Wachstum, keine Empfindlichkeit der Pflanzen bei längeren Trockenperioden und von Natur aus ein niedriger Ertrag: so beschreibt der Strümpfelbacher Wengerter die Voraussetzungen im Weinberg für seinen Tropfen. Dieser ist jetzt in Stuttgart beim Artvinum-Wettbewerb zum besten Weißwein Baden-Württembergs gekürt worden. Nonnenberg nennt sich die Lage, und sie liegt gerade mal 200 Meter Luftlinie vom Weingut Kuhnle an der Strümpfelbacher Hauptstraße entfernt. Gepflanzt worden sind die Rieslingstöcke bei den Umlegungen 1969 und 1973, erzählt Werner Kuhnle.
Die Trauben dort in der steilen Rieslinganlage, die könne man bis zu ihrer absoluten Reife, meist bis in den November hinein, hängen lassen. Nach einer intensiven Vorlese allerdings - "Mitte Oktober ist da viel Handarbeit gefragt." Exakt 100 Öchsle ist das Mostgewicht gewesen, mit dem der 2009er gelesen worden ist, 95 Öchsle seien in dieser Lage das Ziel, um eine korpulente Auslese in die Flaschen zu bringen. Jene Trauben, meint Kuhnle, hätten dann das Potenzial für einen international ausgerichteten Riesling mit reduzierter Säure. Einen Riesling, wie er eben bei einer internationalen Jury ankommt und eine Ausrichtung, auf die bei Artvinum ausdrücklich Wert gelegt wird. "Das ist kein rassiger Moselriesling", erklärt Werner Kuhnle seinen Siegertropfen, "sondern ein körperreicher, breitangelegter Wein mit vollen Honig-, Ananas- und Feigenaromen."
Der Artvinum-Weißweinpreis, das ist für das Weingut Kuhnle eine von vielen Auszeichnungen, aber - das gibt Werner Kuhnle unumwunden zu - eine, die einen besonders hohen Stellenwert hat. Sowohl beim Rotwein, mit dem Sieg des Schwaigerner Spätburgunders vom Weingut Graf Neipperg, als auch beim Weißen hatten diesmal die Württemberger die Nase vorne. Das Weinbaugebiet Baden musste sich mit den - neu geschaffenen - zweiten Plätzen begnügen.
Auch im vergangenen Jahr ist das Remstal auf dem Siegerpodest vertreten gewesen. Der Stettener Wengerter Hans Haidle war damals Sieger mit seiner Cuvée Ypsilon, Jochen Beurer (Stetten) und Sven Ellwanger (Großheppach) wurden zusammen mit dem Rest des Quintetts Junges Schwaben als beste europäische Nachwuchswengerter ausgezeichnet.
Für die Strümpfelbacher Weinmacher, die in der Branche als exzellente Handwerker in Wengert und Keller gelten, ist die Auszeichnung eine weitere Bestätigung für den Kurs, den sie 1982 mit zunächst bescheidenen Anfängen gefahren haben. "Wir kommen aus Mischbetrieben, die einst kaum lebensfähig waren", sagt Kuhnle über die damalige Situation im schwäbischen Realteilungsgebiet. Heute bewirtschaftet der Strümpfelbacher Weinbaubetrieb gut 20 Hektar Rebfläche und produziert rund 200 000 Flaschen Wein pro Jahr. Werner Kuhnle zu seinem Antrieb: "Für mich war es ein Reiz, aus den gewachsenen Strukturen in der Landwirtschaft auszubrechen."