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Die Rettung kommt verstärkt aus der Luft

"Strohgäu Extra", vom 12.04.2011 02:40 Uhr
Ludwigsburg Um im Notfall Hilfsfristen einhalten zu können, fliegt im Kreis immer häufiger der Hubschrauber. Das Klinikum verzeichnet bis zu 20Prozent mehr Anflüge. Für den Landtagsabgeordneten Wolfgang Stehmer (SPD) ist das keine Dauerlösung. Von Martin Willy

Seit Monaten wird an der Pünktlichkeit des Rettungsdienstes im Landkreis Ludwigsburg herumgedoktert. Eine dauerhafte Lösung ist noch nicht in Sicht. Versuchsweise fliegt verstärkt der Rettungshubschrauber aus Pattonville oder Leonberg den Notarzt samt Sanitäter zu den Einsatzorten, um die gesetzlich vorgeschriebene Hilfsfrist von maximal 15 Minuten einzuhalten. Damit liegt es nämlich im Kreis Ludwigsburg im Argen.

Laut dem Gesetz muss ein Notarzt spätestens nach 15 Minuten am Unfallort sein, und das in 95 Prozent der Fälle - bezogen auf den jeweiligen Landkreis. Im Jahr 2009 lag die Pünktlichkeitsquote bei 93,3 Prozent. Im vergangenen Jahr sackte sie ab auf 88,6 Prozent. Auch im benachbarten Rems-Murr-Kreis lag diese Quote mit 90,85 Prozent unter der vorgeschriebenen Grenze. Aber dort konnte man die Quote im Vergleich mit 2008 (86,77) und 2009 (88,3) zumindest steigern. Auch im Landkreis Ludwigsburg soll die Zahl besser werden. Unter anderem deswegen hat der Landrat Rainer Haas das Thema zur Chefsache erklärt. Nun wird der Hubschrauber öfter zum Einsatz gerufen. Vor allem in die entlegeneren Städte und Gemeinden im Strohgäu und im Bottwartal.

Ob diese Maßnahme ausreicht, um die Pünktlichkeitsquote zu erreichen, ist aber noch offen. Exakte Zahlen nennen die Beteiligten - ob Rettungsdienst, Flugwacht oder Landkreis - nicht, obwohl der Helikopter bereits seit dem Dezember verstärkt zum Einsatz kommt. Erst im Mai soll der Bericht dem Bereichsausschuss vorgelegt werden. In dem Gremium sind der Landkreis, die Krankenkassen und der Rettungsdienst vertreten.

Dass der Hubschrauber häufiger über dem Kreisgebiet schwebt, fällt vielen Bürgern und Anwohnern auf. Das Klinikum verzeichne einen Anstieg der Anflüge von zehn bis 20 Prozent, schätzt der Sprecher Alexander Tsongas. Bei seither rund 600 Starts und Landungen pro Jahr entspricht das einem Plus von 60 bis 120. Dieses Mehr sei vor allem auf die Notdiensteinsätze zurückzuführen. "Das kostet nicht mehr als der übliche Einsatz mit zwei Rettungsfahrzeugen samt Fahrer und Assistenten."

Laut einer Sprecherin des Landratsamts werde nun geprüft, ob die Hubschraubereinsätze ausreichten, oder ob weitere Maßnahmen erforderlich seien. Einem aber ist das auf jeden Fall zu wenig: Wolfgang Stehmer. Der scheidende SPD-Landtagsabgeordnte aus Hemmingen hatte die ganze Debatte angestoßen. Er hatte darauf gedrungen, dass über die kreisbezogene Statistik hinaus auch eine ortsbezogene Auflistung veröffentlicht wird. Daraus ging hervor, dass 2010 in 29 der 39 Kommunen die 95-Prozent-Quote nicht erreicht wurde.

"Der Einsatz des Rettungshubschraubers reicht nicht", sagt Stehmer. Laut dem Rettungsdienstgesetz müsse das bodengebundene Rettungsfahrzeug den Einsatzort fristgerecht erreichen - nicht der Helikopter. Als Notlösung könne er sich das vorstellen, aber nicht als Dauerzustand.

"Ich werde genau draufschauen", sagt Stehmer, auch wenn er nicht mehr Landtagsabgeordneter sei. Denn am 30. April endet seine Zeit als Volksvertreter in Stuttgart. Bei der Landtagswahl hat er nicht mehr den Sprung ins Parlament geschafft. Eine für Stehmer entscheidende Antwort auf eine Anfrage ist ihm das Sozialministerium noch schuldig: Er will noch wissen, in wie vielen Fällen die Rettungsfrist von zehn Minuten erreicht wird. "Denn im Gesetz steht, es dürfen nicht mehr als zehn, maximal 15 Minuten sein."

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