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"Die Luft so rein" Mallorca, eine Winterliebe

Claudia Diemar aus Palma, vom 10.01.2012 10:51 Uhr
 Foto: Andrea Seemann/Shutterstock
Foto: Andrea Seemann/Shutterstock

"Die Luft ist so rein in unseren Bergen, das Meer so blau am Horizont. Es ist der schönste Ort, an dem ich gewohnt habe und einer der schönsten, die ich je sah", notierte George Sand begeistert. Fast 100 Tage verbrachte die Schriftstellerin zusammen mit ihrem Lebensgefährten Frédéric Chopin und ihren beiden Kindern im Winter 1838/39 auf der Baleareninsel. "Ein Winter auf Mallorca" heißt das Protokoll dieser Reise. Niemand hätte damals ahnen können, welche Tourismus-Karriere Mallorca bevorstehen sollte. Doch Madame Sand hatte mit der Wahl ihres Urlaubsziels ebenso den richtigen Riecher wie mit dem Timing.

Wer Mallorca nur während der Hauptreisezeit kennengelernt hat, ist überwältigt, welche Schönheit und Beschaulichkeit die Insel im Winter zeigt. Schon beim Landeanflug schimmert das Land in intensivem Grün. Saftiges Gras überzieht die Hänge, sprießt unter den Oliven- und Orangenbäumen. Ab Mitte Januar stehen die Mandelbäume in Blüte, am prachtvollsten in der Gegend um Arta und Inca. In zartem Weißrosa schäumt es über den Wiesen, auf die bereits Himmelsschlüssel gesteckt sind. Bei jedem Windstoß fliegen Tausende von hauchzarten Blättchen durch die Luft, als ob es schneien würde. Der Legende nach ließ ein maurischer Prinz die Bäume in Massen anpflanzen, um seine sich nach Schnee verzehrende Gattin aus Spaniens Norden zu beschenken.

Doch mit den Früchten der Bäume lässt sich auf Mallorca kein Geschäft mehr machen. Gerade einmal 30 Cent erlösen die Bauern für ein Kilo Mandeln in der Schale. Die mühsame Ernte der protein- und mineralstoffreichen Früchte, die mit Stöcken von den Bäumen geschlagen werden, dient heute vor allem der Landschaftspflege. Bei der Kooperative "Foment de l'Ametla Mallorquina" in Binissalem werden Mandeln einheimischer Produzenten verarbeitet und im Laden verkauft.

Von Dezember bis in den Juni blühen auch die Orangen- und Zitronenbäume mit betörendem Duft. Zentrum des Anbaus ist die Region um Sollér, wo man in zig Läden Konfitüre und Eiskrem aus den aromatischen Früchten kaufen kann. Der schönste Weg nach Sollér ist der mit dem "roter Blitz" genannten historischen Zug. Die Bahn wurde einst gebaut, um die Zitrusfrüchte schnellstmöglich in den Hafen von Palma zu bringen. Heute lohnt sich der Export nicht mehr, aber vor Ort kann man in Köstlichkeiten aus den sauren Früchten schwelgen.

Freie Parkplätze, tolle Aussicht

Vollkommen stressfrei lässt sich im Winter die Insel mit dem Leihwagen erobern. Die spektakuläre Serpentinenstraße Sa Calobra an der steilen Nordwestküste hat man für sich allein. Freie Parkplätze finden sich an jedem Aussichtspunkt mit herrlichen Inselpanoramen. Selbst am Cap Formentor, wo im Sommer die Urlauberautos in einer endlosen Karawane rollen, ist kaum ein Wagen unterwegs. Sonst überlaufene Idylle wie die traumschöne Gartenanlage "Jardines de Alfàbia" präsentieren sich nun als stille Oasen.

Natürlich ist es zu kalt zum Baden. Aber man kann mutterseelenallein an leeren Stränden spazieren oder im Windschatten im Freien sitzen. Leider sind die Tage noch kurz. Wenn es dunkel wird, kommt die Zeit, um in einer der Bodegas die inzwischen zum Teil erstklassigen Inselweine zu verkosten.

In Palma zeigt man sich an Sonnentagen ohne Mantel in Terrassencafés wie dem Olivar an der Markthalle oder der Bar Bosch am Passeig des Born. In leuchtendem Goldgelb gluckt die gigantische Kathedrale über der Altstadt. Und natürlich kann man sich aufmachen, um in das zur Hochsaison überlaufene Valldemossa zu fahren. Jetzt lässt es sich in Ruhe durch den Klosterbau Cartuja wandeln, in dem George Sand und Chopin einst Quartier nahmen und hinter Buchs und Brünnlein im Garten den grandiosen Blick auf die immergrüne Nordküste genossen: "Ich habe nie etwas Reizenderes und Melancholischeres gesehen als diese Landschaft, wo Steineiche, Johannisbrotbaum, Pinie und Olivenbaum, Pappel und Zypresse die verschiedenen Farbtöne ihrer Blätter in tiefen Lauben vermischen ... Alles, was Dichter und Maler sich erträumen können, hat die Natur hier geschaffen", staunte schon George Sand.

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