Tue Gutes und rede darüber. Nach diesem Motto ist die Gemeinde Weissach nun an die Öffentlichkeit gegangen. Denn die Verwaltung am Strudelbach hat viel vor: Sie will schon bald in der "Champions League" mitspielen. Zumindest wenn es darum geht, wer die meisten Solaranlagen auf den Dächern vorzuweisen hat. Dazu wurde jetzt eine Solarpotenzial-Analyse für den gesamten Ort erstellt. Die Ergebnisse können ab sofort im Internet nachgelesen werden.
Noch firmieren die Weissacher in der Solarbundesliga auf keinem Spitzenplatz, aber kreisweit rangiere man immerhin auf dem zweiten Platz hinter der Gemeinde Weil im Schönbuch, wie der Energiespezialist Daniel Hartmann am Montagabend im Gemeinderat berichtete. Für die Zukunft werden im Ortsbauamt ehrgeizige Ziele geschmiedet. So will sich Weissach zur so genannten Energie-Plus-Gemeinde entwickeln. Das bedeutet, dass sie künftig so viel Strom und Wärme aus erneuerbaren Energien erzeugen will, wie im Ort selbst verbraucht werden.
"Dieses Ziel ist nur gemeinsam mit unseren Bürgern erreichbar", weiß der Fachmann Hartmann. Um die Bewohner zum Einbau von Solar- und Photovoltaikanlagen zu animieren, hatte die Gemeinde bereits ein Förderprogramm aufgelegt. Jetzt legte die Verwaltung mit einer neuen Idee nach. So ließ sie für rund 3800 Euro eine Potenzialanalyse der örtlichen Dächerlandschaft vornehmen. Dadurch können die Häuslesbauer per Mausklick herausfinden, ob ihr Dach für eine solare Energiegewinnung überhaupt geeignet ist. Die Ergebnisse sind auf einem Luftbild erkennbar, das man sich unter einer Lupe ansehen kann. Selbstverständlich sollen dabei die Grundsätze des Datenschutzes eingehalten werden. "Auf Wunsch der Eigentümer nehmen wir einzelne Hausdächer auch heraus", sicherte Hartmann bereits zu.
Seiner Meinung nach könnte Weissach nach dieser Analyse eine sonnige Zukunft bevorstehen. Entsprechend groß sei das Potenzial für Solaranlagen. Laut Hartmann könnten in Weissach Kollektoren oder Solarzellen auf einer Gesamtfläche von theoretisch rund 17 Hektar gebaut werden. Das entspreche einer Größe von rund 22 Fußballfeldern. Das würde wiederum einer Leistung von 19,4 Megawattpeak entsprechen. Auf diese Weise ließen sich wiederum etwa 10 000 Tonnen Kohlendioxid im Jahr vermeiden.
Die Verwaltung und der Gemeinderat wollen selbst mit gutem Beispiel vorangehen und auf vielen öffentlichen Gebäuden auf die Kraft der Sonne setzen. Bereits im Jahr 1995 ließ die Gemeinde eine Solaranlage auf das Dach der Ferdinand-Porsche-Schule installieren. Mit Hilfe der Kollektoren wird auf umweltfreundliche Weise warmes Wasser für die Schule erzeugt.
Die Anlage hatte einen gewissen Pilotcharakter. Laut Hartmann sind heute bereits neun Photovoltaik-Anlagen auf öffentlichen Gebäuden in Betrieb. Die Bilanz der Anlagen könne sich sehen lassen. Die beiden neuesten von ihnen produzieren jährlich rund 78 000 Kilowattstunden Strom. Diese Menge ist vergleichbar mit dem jährlichen Durchschnittsverbrauch von 17 Vier-Personen-Haushalten. Auf dem Dach der Grundschule Weissach entsteht derzeit eine weitere Anlage.
Der Weissacher Gemeinderat Gerhard Mann von der Unabhängigen Liste regte an, dass sich auch in Weissach Bürger zusammen schließen könnten, um gemeinsame eine Anlage zu betreiben. In den Nachbarstädten von Weissach sei das bereits gang und gäbe.
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